Der Dortmunder Chris Watson (39) arbeitet derzeit in London als Montage-Supervisor und berichtet von der Stimmung in England. © Chris Watson
Lockdown in Großbritannien

Dortmunder Monteur in England: „London ist wie die reinste Geisterstadt“

Ein Dortmunder Montage-Supervisor arbeitet derzeit auf einer Luxusbaustelle in London. Unserer Redaktion berichtet er, wie er die Lockdown-Stimmung in Großbritannien empfindet.

Chris Watsons Beruf als Montage-Supervisor führte ihn bereits um die halbe Welt. Der gebürtige Engländer hat seinen festen Wohnsitz seit seinem 14. Lebensjahr in Dortmund. Aber im Namen der Schneider Montage und Dienstleistung GmbH ist er damit beauftragt, weltweit die Baustellen im Bereich des Innenausbau von luxuriösen Kleiderhäusern und Hotels zu überwachen.

Seit dem 3. Januar befindet er sich in London; dort leitet er die Baustelle für ein großes geplantes Modehaus. Unserer Redaktion berichtet er von seinen Eindrücken während der Pandemie und vergleicht diese mit seinen bisherigen Dortmunder Eindrücken.

Großbritannien im harten Lockdown

Das Vereinigte Königreich Großbritannien ist von der Corona Pandemie besonders stark betroffen. Anfang Januar kündigte der britische Premierminister Boris Johnson einen harten Lockdown an.

Laut Angaben des Auswärtigen Amtes wurden auch in England neue Varianten von Covid-19 festgestellt, die offenbar eine noch größere Ansteckungsgefahr bedeuteten. Daher warnt das auswärtige Amt derzeit vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das gesamte Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland.

Der Dortmunder Chris Watson musste sich unmittelbar nach der Einreise in eine zehntägige Quarantäne begeben. Zusammen mit einem mitgereisten Arbeitskollegen hatte er sich für die Zeit seines Aufenthaltes eine Haushälfte mitten in London angemietet.

„Als ich am sechsten Quarantäne-Tag von einem Rollerfahrer besucht wurde, der sich als Tester zu erkennen gab und mir ein Corona-Teststäbchen in den Rachen schob, und dieses obendrein negativ war, durfte ich schon nach Tag sechs das Haus verlassen“, sagt Watson.

Menschen – und autoleeres London

Was er auf dem Weg zu der von ihm geleiteten Baustelle gesehen habe, sei dann einer Geisterstadt gleichgekommen. „Ich war schon unzählige Male in London, auch weite Teile meiner Familie wohnen in England“, sagt der 39-Jährige. „Aber ein dermaßen menschen- und vor allem autoleeres London wie kurz nach meinen Ankunftstagen habe ich nie gesehen.“

Ähnlich wie in Deutschland seien auch die meisten britischen Geschäfte und Restaurants derzeit geschlossen. So eine banale Tätigkeit wie Essen bestellen sei für Watson, der nicht über einen Paypal-Account verfügt, da schon zum Problem geworden.

„Ich habe mich dann rasch mit den Nachbarn angefreundet, diese fortan für mich online bezahlen lassen, und ihnen das Geld in bar ausgezahlt“, so der Dortmunder. „Aber auch um auf dem Laufenden zu bleiben, ist es wichtig, Kontakt zu den lokalen Personen herzustellen.“

Neben Informationen aus Zeitung und Internet stelle derzeit vor allem der regelmäßige Kontakt zu seiner britischen Familie die beste Möglichkeit dar, über die Lage unterrichtet zu sein. Im Vergleich zur Dortmunder empfinde er die Londoner Stimmung während solcher Gespräche aber häufig als angespannter.

Menschen sind eingeschüchtert

So seien durch die Verbreitung der neuen Virusvariante und der knappen Kapazität von Intensivbetten die wenigen Menschen, denen er vor allem durch die Arbeit noch begegne, zusätzlich eingeschüchtert.

In einem Punkt war er allerdings positiv überrascht: „Auf den hiesigen Baustellen wird sehr genau auf die Maskenpflicht geachtet. Außerdem werden alle Bauarbeiter regelmäßig getestet. Ein Sicherheitsgefühl, das ich auf deutschen Baustellen so nicht immer kannte“, sagt Chris Watson.

Wenn alles glatt läuft, kehrt der Dortmunder am Freitag (19.2.) wieder nach Dortmund zurück. Dort wartet dann eine Quarantänezeit von voraussichtlich zehn Tagen auf ihn. Schon im Mai wird ihn die Arbeit dann nach Katar führen; Ende des Jahres nach New York.

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