Mietköche kochten in Corona-Zeiten bei den Menschen Zuhause. © Grafik: Martin Klose
Restaurant-Besuch Zuhause

Dortmunder Mietköche in Corona-Zeiten: „Der Job hat mir den Arsch gerettet“

Monatelang musste die Gastronomie schließen. Aus der Not machten einige Dortmunder Köche eine Tugend: Sie gingen zu den Menschen nach Hause, um dort für sie zu kochen.

Schon vor der Corona-Zeit hatte sich Tobias Filthaut überlegt, als Mietkoch zu arbeiten. Er wollte seine Arbeitszeit im Restaurant und als Koch für die Menschen Zuhause zweiteilen. Da die Gastronomie in den Monaten der Pandemie schließen musste, fokussierte er sich auf seine Mietkoch-Tätigkeit.

„Der Job hat mir den Arsch gerettet“, sagt der 39-Jährige, „seit Januar habe ich an fünf bis sechs Tagen in der Woche gekocht. Teilweise habe ich mehr gearbeitet als im Restaurant.“ Ab April nahm er keine Aufträge mehr an, weil sich viele Kunden im regelmäßigen Abstand von vier bis sechs Wochen bei ihm meldeten.

„Ich habe mehr abgesagt, als ich annehmen konnte.“

Viele Bürger nutzten in Zeiten, in denen die Gastronomie geschlossen war, das Angebot, um sich das Restaurant-Gefühl nach Hause zu holen. Filthaut vermutet, dass viele Menschen ihr Geld, was sie sonst eher für Kino oder Sauna ausgegeben hätten, in den Mietkoch-Besuch gesteckt haben. „So konnten wir vielen die gehobene Küche näherbringen.“

Auch Florian Schmidt konnte sich über zu wenig Arbeit nicht beschweren. „Ich bin zufrieden mit der Resonanz. Ich habe mehr abgesagt, als ich annehmen konnte.“ Er hatte den Eindruck, dass Menschen sich gefreut haben, in den eigenen vier Wänden verwöhnt zu werden. „Für viele war es ein besonderer Moment zu Hause bekocht zu werden. Die Menschen waren glücklich.“

Besondere Abende mit einer 93-Jährigen

Ein nicht ganz so positives Fazit fällt Jan Möllmann, der die Siedlerklause in Brechten betreibt. „Es lief eher bescheiden. Ich glaube, vielen hatten das Mietkoch-Geschäft nicht auf dem Schirm. Ich bin nicht völlig begeistert. Es war eher beschwerlich für mich.“

In den tristen Corona-Monaten gab es aber auch Highlights für Möllmann. „Ich habe mich einige Male mit einer 93-jährigen Dame zu zweit getroffen, die ich mittlerweile seit 35 Jahren bekoche. Natürlich alles ganz Corona-konform mit Abstand. Wir haben zusammen Käse-Cracker gegessen und dabei Champagner getrunken. Dazu lief Musik aus den 1930er Jahren vom Grammofon. Zu diesen Treffen hätte ich sonst keine Zeit gehabt.“

„Für manche ältere Menschen war ich der einzige Kontakt in der ganzen Woche“

Die Corona-Zeit hat der leidenschaftliche Koch vor allem zum Ausprobieren genutzt. „Ich habe neue Menüs zusammengestellt. Ich plane für mein Restaurant nun Variationen mit Austern beziehungsweise Riesengarnelen.“

Schmidt genoss es vor allem, mit den Menschen über die zubereiten Speisen ins Gespräch zu kommen. „Ich habe es geliebt, mit Leuten über die Arbeit als Koch zu sprechen. Ihnen meinen Job zu erklären und die Feinheiten näherzubringen. Es waren immer nette Runden mit Gästen. Es gab keine Aufträge, wo ich gesagt habe, dass es zwischenmenschlich nicht gepasst hat.“

Genau dieses Zwischenmenschliche empfand Filthaut als enorme Bereicherung. „Für manche ältere Menschen war ich der einzige Kontakt in der ganzen Woche. Mit vielen Gästen habe ich mich auch über viele persönliche Dinge unterhalten. Eine Gelegenheit, die man sonst im Restaurant nicht hat.“

Aufträge bis in den Juli

Und wie geht es jetzt weiter, da die Außen- und Innengastronomie wieder geöffnet ist? Jan Möllmann wird neben seinem Restaurant-Betrieb weiter auch Termine außer Haus anbieten. Gerade bei Hochzeiten, Geburtstage und andere Events sei er häufig gefragt, erzählt er.

Florian Schmidt hat aktuell noch Aufträge bis in den Juli hinein. „Auch danach werde ich weitermachen.“ Wobei er es jetzt auch genießt, selbst wieder Gast zu sein und „mich selbst kulinarisch verwöhnen zu lassen.“ Tobias Filthaut wird demnächst beim Restaurant „Emil“ einsteigen. Dort ist ab dem Herbst auch ein „Fine Dining-Angebot“ für Zuhause geplant.

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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