Dortmunder Lehrerin erklärt Mathe auf YouTube

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Sonja Lerche ist Lehrerin an einem Dortmunder Berufskolleg. Seit eineinhalb Jahren lädt sie ihren Unterrichtsstoff auch auf YouTube hoch. Gerade in der Coronakrise kann sie das nun nutzen.

Dortmund

, 16.04.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie war das denn nochmal mit der bedingten Wahrscheinlichkeit? Wie berechnet man den Erwartungswert und die Varianz?

Im Klassenzimmer können die Schüler einfach die Hand heben und fragen – wenn ihnen solche Fragen aber erst kurz vor der Prüfung durch den Kopf geistert, hilft oft die Plattform der Beautytipps und Musikvideos aus: YouTube.

Eine Lehrerin aus Dortmund hat beschlossen, auch ihren Unterrichtsstoff dort hochzuladen. Gerade in Zeiten von Corona könnten solche Videos Schülern beim Lernen helfen.

Idee schon ein Jahr alt

Die Idee, einen YouTube Kanal zu erstellen hatte Sonja Lerche schon über ein Jahr vor der Coronakrise. Ihr damals 13-jähriger Sohn erzählte ihr im November 2018 von den YouTube-Kanälen seiner Freunde.

Die Lehrerin am Robert-Schuman-Berufskolleg in Dortmund beschloss daraufhin, ebenfalls einen Kanal zu erstellen: Mathe-Vogel. Sie fing an, Erklärvideos über Matrizenrechnung, ökonomische Funktionen und Analysis zu drehen und dort hochzuladen.

Anfangs schob sie noch auf ihrem Esszimmertisch Papierblätter und Schnipsel hin und her, heute hält sie Powerpoint-Präsentationen. An einem Video, das wenige Minuten lang ist, arbeitet sie mindestens drei Stunden.

YouTube-Videos als Ergänzung zum Unterricht

Ein großer Vorteil von YouTube Videos, sagt Lerche, sei die dauerhafte Verfügbarkeit. „Man kann das Video immer abrufen, man kann zurückspulen und sich Passagen wieder anhören.“

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Momentan nutze sie die Videos, um sie ihren Schülern gemeinsam mit den Hausaufgaben zu schicken. So, wie sie ein Thema in einem Video erklärt, würde sie es ihren Schülern schließlich auch von der Tafel aus beibringen. Vor der Coronakrise habe sie Vertretungslehrer gebeten, ihre Videos im Unterricht abzuspielen.

Trotzdem stellt sie klar: „Für mich ist das kein Ersatzunterricht, sondern eine Ergänzung.“ Beim alleinigen Gucken eines YouTube Videos könnten die Schüler schließlich keine Fragen stellen. Ursprünglich habe sie geplant, die Videos für ihre Schüler in den Abschlussklassen zu machen, damit sie den Stoff für die Prüfung leichter wiederholen könnten.

Sonja Lerche will mit ihren Videos kein Millionenpublikum erreichen wie die YouTuber Daniel Jung und oder Lehrerschmidt. „Diese Likes, Dislikes – da guckt man schon nach und dafür braucht man ein dickeres Fell.“

Nach einem unfreundlichen Kommentar eines Schülers unter ihren YouTube Videos deaktivierte sie die Kommentare. Öffentlich bloßstellen lassen wolle sie sich damit schließlich nicht, sondern Schülern helfen, den Unterrichtsstoff zu wiederholen.

Bei Fragen und Anregungen zu ihren Videos, sagt Lerche, können ihre Schüler sie schließlich jederzeit per E-Mail kontaktieren. „Für mich ist das eine Art Hobby – ich kriege da ja auch kein Geld für.“

Unterricht in Corona-Zeiten: Lehrer müssen neue Wege gehen

Momentan, durch die Corona-Krise, bekommen solche Videos immer mehr Gewicht. „Gerade Mathe ist in Corona-Zeiten schwer zu unterrichten“, sagt Lerche. Natürlich versuche sie es wie andere Lehrer ebenfalls per Skype und Zoom, doch für das Verständnis der Schüler sei das trotzdem schwierig. Sie plant, ihren YouTube Kanal in der Krise weiter auszubauen.

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„Bei der Coronakrise weiß keiner, wie es weitergeht. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Lehrer den Mut haben, neue Wege zu gehen.“ Vielleicht, so Lerche, verstehe ein Schüler aus ihrem Kurs ein Thema zudem besser, wenn es ein Kollege erklärt und umgekehrt.

Es sei auch nicht schwierig, die Videos zu drehen – solange sie inhaltlich richtig sind, müssten sie optisch ja auch nicht perfekt sein. Doch auch wenn Lerche versucht, den Schülern das Lernen von zuhause zu erleichtern, freue sie sich schon sehr darauf, die Schüler wieder zu sehen – in ihrem Klassenzimmer, nicht vor dem Bildschirm.

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