Professor Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung spricht sich deutlich für eine Verwendung der zurückgehaltenen Impfdosen aus. © Screenshot
Coronavirus

Dortmunder Immunologe: „Macht keinen Sinn, zweite Impfdosis zu lagern“

Für jede Dosis eines mRNA-Impfstoffes, die verwendet wird, wird aktuell eine zweite gelagert - weil zwei Impfdosen mit Abstand vorgesehen sind. Aber ist das der beste Weg?

Die Corona-Schutzimpfungen gehen in Deutschland immer noch langsamer voran, als sich das mancher wünscht. Das liegt auch daran, dass Impfstoffe immer noch Mangelware sind. Gleichzeitig liegen in Deutschland zahlreiche Dosen auf Halde, die für die Zweitimpfungen vorgehalten werden.

Der Immunologe Prof. Carsten Watzl vom Dortmunder Leibniz-Institut für Arbeitsforschung kritisiert dieses Vorgehen, obwohl Zweitimpfungen selbstverständlich nötig seien, um einen starken und lang anhaltenden Schutz zu bilden.

Allerdings gebe es auch nach der ersten Impfung schon einen guten Schutz. „Wir kennen Daten aus Schottland zum Beispiel, wo nach der ersten Impfung Krankenhausaufenthalte durch Covid-19 zu über 90 Prozent verhindert werden.“

Vor diesem Hintergrund sagt Prof. Watzl, „es macht jetzt aktuell überhaupt keinen Sinn, die zweite Dosis im Kühlschrank so lange zu lagern, bis die Person ein zweites Mal kommt. Wir sollten diese Dosen jetzt verwenden, um möglichst vielen Menschen diesen ersten grundlegenden Immunschutz zu geben.“

Impfstoff wohl aus logistischen Gründen zurückgehalten

Etwa eine Million Dosen der mRNA-Impfstoffe von Biontech beziehungsweise Moderna seien in Deutschland eingelagert, so Carsten Watzl. Impfdosen, die rund einer Million Menschen einen guten Schutz vor schweren Verläufen von Covid-19 geben würden.

Dass diese Dosen dennoch im Kühlschrank liegen, liegt laut Prof. Watzl vor allem an der Organisation: „Es ist logistisch natürlich viel einfacher. Wenn in NRW zum Beispiel eine Person eine Impfung mit dem Mittel von Biontech bekommt, bekommt diese Person sofort zwei Impftermine genau im Abstand von den 21 Tagen.“

Diese 21 Tage für den Impfstoff von Biontech beziehungsweise 28 Tage für den Impfstoff von Moderna seien aber nur die Untergrenzen für den sogenannten Impfabstand. „Man darf durchaus die zweite Dosis später geben. Von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) gibt es auch die Empfehlung, dass man das auch noch sechs Wochen nach der Erstimpfung nachholen darf.“

Deutlich mehr Impfdosen sollen im zweiten Quartal kommen

Die Dosen für die Zweitimpfungen ließen sich also auch aus den anstehenden Lieferungen nehmen. „Gerade im zweiten Quartal bekommen wir deutlich mehr Impfdosen – und da macht dieses Zurücklegen keinen Sinn mehr“, sagt Professor Watzl.

Auch gegen die Mutanten sei eine Erstimpfung nach aktuellem Stand wirksam. Zudem tragen mehr Impfungen dazu bei, das Auftreten weiterer Mutationen zu unterbinden: „Mutanten können entstehen, wenn sich das Virus unkontrolliert vermehren kann. Und gerade durch die Impfungen verhindern wir das ja. Das heißt, wir können durch die Impfungen auch das Entstehen neuer Mutanten verhindern.“

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Redaktion Dortmund
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Bastian Pietsch
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