Dortmunder Hochzeitsgesellschaft blockiert A2: Welche Folgen Tätern drohen

dzGefährdung

Auf der A2 verstopft eine Hochzeit die Fahrbahn – nicht der erste Vorfall in NRW in jüngster Zeit. Das Innenministerium setzt das Thema auf seine Agenda. Tätern drohen empfindliche Strafen.

Dortmund

, 29.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Eine Dortmunder Hochzeitsgesellschaft hat am Samstag die A2 bei Kamen blockiert. Nach Zeugenangaben habe „knapp ein Dutzend hochwertige Fahrzeuge“ - unter anderem aus Dortmund und Recklinghausen - den Verkehr in Richtung Hannover auf allen drei Fahrstreifen ausgebremst. Eine „geistig umnachtete Aktion“, nennt das die Polizei – und hat gegen die Beteiligten Anzeigen wegen Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr geschrieben. Was den Beteiligten jetzt blüht, sei letztlich Sache der Staatsanwaltschaft, sagt Polizeisprecherin Dana Seketa. Sogar Fahrverbote könnten möglich sein – falls man den Beteiligten nach der Aktion die Eignung für den Straßenverkehr nicht mehr zutraue.

"Das ist kein blöder Scherz. Gerade auf der Autobahn kann einiges passieren, wenn man mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist und plötzlich jemand vor einem bremst", sagt Seketa.

Im Raum Dortmund sei der Vorfall von Sonntag der erste dieser Größenordnung im Zusammenhang mit einer Hochzeitsfeier. Ähnliche Fälle gab es in den letzten Wochen jedoch häufiger. Allein an diesem Wochenende waren es zwei Stück auf der A2 - der erwähnte bei Kamen und einen bei Hannover.

In NRW blockierten am 22. März Mitglieder eine Hochzeitsgesellschaft auf der A3 bei Düsseldorf die Fahrbahn. In Höhe des Autobahnkreuzes Ratingen-Ost fielen einer Zivilstreife zwei Porsche und ein Audi R8 auf, die mit Warnblinklicht auf allen Fahrstreifen hin und her pendelten und so den Verkehr hinter sich ausbremsten und dann hielten. In der Pressemitteilung der Düsseldorfer Polizei heißt es, die Beamten seien zuerst von einem Verkehrsunfall ausgegangen. Bis ein Ford Mustang vor den stehenden Autos begonnen habe, über die Autobahn zu driften – und die Insassen der anderen Autos, die zuvor den Verkehr zum Erliegen gebracht hatten, Fotos und Videos machten. Die Polizei ermittelt gegen alle Beteiligten wegen des Verdachts auf Nötigung und wegen Verkehrsgefährdung.

Dieser Vorfall war Anlass für das Innenministerium, das Phänomen genauer in den Blick zu nehmen und herauszufinden, wie häufig solche Fälle auftreten. An den vergangenen drei Wochenenden seien insgesamt gut 100 Beschwerden registriert worden, die im Zusammenhang mit Hochzeiten stehen, sagt Wolfgang Beus, Sprecher des Ministeriums. Zum Glück eher selten seien das bisher Blockaden von Autobahnen: Auch Fahren über Rot, zugeparkte Straßen oder zu laute Feiern fließen in die Zahl mit ein.

Verkehrsgefährdung kann Freiheitsstrafe nach sich ziehen

Entsprechend unterscheiden sich auch die Strafen: Das Überfahren einer roten Ampel stellt eine Ordnungswidrigkeit da und wird mit einem Bußgeld und einem Punkt bestraft. Die Blockade einer Autobahn hingegen ist laut Beus eine Straftat – und könne sogar eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen. Die Polizei könne auch Autos beschlagnahmen. Oder es werden Führerscheine sichergestellt, „wenn es über das Maß hinausgeht", so der Ministeriumssprecher.

Wie in einem Fall, der sich vor zwei Wochen auf der A57 bei Köln ereignet hat. Die Kölner Polizei stellte dort die Führerscheine dreier Männer (27, 30, 30) und einer Frau (28) sicher, die Teil einer türkischen Hochzeitsgesellschaft waren. Sie sollen am 14. April den Verkehr gestoppt und die komplette Fahrbahn zum Feiern genutzt haben, berichtet die Kölner Polizei. Außerdem ermitteln die Beamten wegen massiver Gefährdung des Straßenverkehrs gegen insgesamt neun Autofahrer. Nur durch Vollbremsungen habe der nachfolgende Verkehr Kollisionen verhindern können, berichteten Zeugen laut den Ermittlern.

Blockade einer Kreuzung in Duisburg

Am gleichen Wochenende zündeten Feiernde für einen Videodreh Rauchtöpfe an der A42 in Höhe des Essener Stadions. 15 Autos sollen an dieser Aktion beteiligt gewesen sein. Und auch in Duisburg wurde am Samstag, 20. April, eine Kreuzung im Stadtteil Hochfeld von etwa 100 Besuchern blockiert. Diese hätten Fahnen geschwenkt, bengalische Fackeln gezündet und Schüsse mit Schreckschusspistolen in die Luft abgefeuert, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei Duisburg. In diesem Fall wurden demnach nicht nur Verstöße gegen das Verkehrsrecht geahndet – sondern auch gegen das Waffenrecht.

"Böller und Rautöpfe aus dem Auto zünden, Kreuzungen und Autobahnen und damit Menschen gefährden – das wird die Polizei nicht dulden", sagt Minsteriumssprecher Beus. Gleichzeitig verspricht er: "Beim Hupen auf dem Weg zur Hochzeitsfeier werden die Beamten weiterhin Fingerspitzengefühl beweisen."

Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung Harpune und Elektro-Schocker

Mietwohnung in Hörde geräumt: Psychisch kranke Frau (35) besaß unheimliches Waffenarsenal