Bianka Bergler hat auf ihr emotionales Video, das tausende erreicht hat, nicht nur positive Rückmeldung bekommen. © Irina Höfken
Bianka Bergler

Dortmunder Friseurin nimmt Stellung zu Kritik an emotionalem Video

Plötzlich steht die Dortmunder Friseurin Bianka Bergler im Rampenlicht. Ihr emotionales Video erreichte Tausende. Nun werden Zweifel und Kritik laut. Hat sie wichtige Details verschwiegen?

Plötzlich steht Friseurmeisterin Bianka Bergler aus Dortmund im Fokus der Öffentlichkeit. In mehreren Instagram-Clips hatte die 39-Jährige emotional ihre finanziellen Probleme durch den Lockdown und die Folgen für ihre Angestellten geschildert sowie die ausbleibende Hilfe der Politik kritisiert.

„Die Kritik verstehe ich nicht“

Seitdem gibt Bergler Interviews, tingelt durch Radio- und TV-Sender. Dafür bekommt sie nicht nur positiven Zuspruch, sondern auch Zweifel und Kritik werden laut, wie der Dortmunder Radiosender 91.2 berichtet. So wird etwa kritisiert, dass die Friseurmeisterin nicht erwähnt habe, bereits im ersten Lockdown Spendengelder bekommen zu haben.

„Die Kritik verstehe ich nicht“, sagt sie gegenüber unserer Redaktion. Sie habe mit ihrem Video auf die dramatische Lage der Friseure aufmerksam machen wollen, habe nicht um Spendengelder gebeten. Dafür sei sie „unendlich dankbar“ – das Video habe sie aber nicht deshalb online gestellt.

Ende März habe ihre Ex-Freundin ein Spendenkonto auf einer Spenden-Plattform im Internet für sie eingerichtet, auf das private Spender rund 600 Euro einzahlten. Die Stiftung von Marco Reus habe rund 4400 Euro direkt auf ihr eigenes Konto überwiesen, um das auf der Plattform ausgerufene Ziel von 5000 Euro voll zu machen. „Das hat uns den Hintern gerettet“, sagt Bergler. Das Geld sei längst für das Hygienekonzept des Ladens draufgegangen.

Spendenkonto seit April 2020 aktiv

Zusätzlich zu den 600 Euro aus dem ersten Lockdown kamen rund 7000 Euro in den letzten sieben Tagen dazu, nachdem ihr Video viral gegangen war. Seit März 2020 sind Stand Donnerstag (4.2.) insgesamt rund 7600 Euro auf diesem Spendenkonto von privaten Spendern eingegangen. Das lässt sich auf der Website nachverfolgen.

Von diesem Geld habe sie den Januarlohn ihrer Mitarbeiter vorfinanziert, „5410,63 Euro, um genau zu sein“, so Bergler. Das Kurzarbeitergeld werde immer zeitverzögert ausbezahlt, die Mieten der Mitarbeiter und des Ladens würden allerdings pünktlich fällig. Die 7600 Euro gebe es in dem Umfang also nicht mehr.

Insgesamt hat Bianka Bergler von privaten Spendern und mit dem Stiftungsgeld aus dem ersten Lockdown rund 12.000 Euro an Geldern bekommen.

Bergler: „Mein Job ist es, Haare zu schneiden. Ich bin kein Medienprofi“

Die Übersicht über Berglers Spendenkonten ist kompliziert. Neben dem Hauptkonto, das auf ihren Namen läuft, gibt es noch zwei weitere. Wie viel darauf eingegangen sei, das wisse sie nicht, sagt die Friseurin. Eines habe sie im ersten Lockdown erstellt, ohne technische Ahnung davon gehabt zu haben, ein weiteres habe jemand vor sieben Tagen für sie erstellt.

„Mein Job ist es, Haare zu schneiden. Ich bin kein Medienprofi. Und wie und ob Spenden auf die Hilfen angerechnet werden müssen, davon habe ich auch keine Ahnung. Da kümmert sich mein Steuerberater drum“, sagt sie.

Arbeitslosengeld II schon vor Corona bezogen?

Auch zu einem weiteren Vorwurf äußert Bianka Bergler sich: Tatsächlich habe sie schon im ersten Lockdown im April Arbeitslosengeld II zur Aufstockung bewilligt bekommen. Davor nicht. Im Oktober habe sie sich dafür entschieden, die Leistungen nicht mehr in Anspruch zu nehmen.

Im Dezember 2020 habe sie dann erneut den Antrag zur Aufstockung gestellt. Dieser sei laut einem Telefonat mit dem Jobcenter, das auch Erwähnung in ihrem vielgesehenen Video findet, jedoch lückenhaft gewesen. Nach einem Termin beim Jobcenter am Donnerstag (4.2.) habe sie aber nun einen vorläufigen Bewilligungsbescheid erhalten, erklärt sie.

Sie setze alles daran, ihren Laden zu behalten und ihr Team durch die Krise zu führen, wolle nichts verheimlichen. Sollte am Ende von den Spendengeldern etwas übrig bleiben, wolle sie es wiederum an Kollegen spenden, die es dann dringender bräuchten als sie. Wichtig sei es ihr gewesen zu zeigen, wie Kleinunternehmer durchs Raster fallen können und um ihre Existenz bangen.

Innungs-Chef mit der Politik im Austausch

Friseur-Innungs-Chef Frank Kulig sagte am Donnerstag gegenüber unserer Redaktion, die Innung sei mit der Politik im Austausch, Lösungen zu finden: „Die Bemühungen laufen.“

Die Anträge für die Überbrückungshilfe 3, die den Zeitraum 1. November 2020 bis 30. Juni abdeckt, sollen Mitte Februar beantragt werden können, sagt Kulig. Die Abschlagszahlungen sollten dann schnell fließen, das habe er im Austausch unterstrichen.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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