Dortmunder Friseur (72) kann das Schneiden nicht lassen – nun schließt er seinen Salon

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Eigentlich wollte er schon mit 58 Jahren in den Ruhestand gehen – mittlerweile gehört der 72-Jährige zu den dienstältesten Friseuren in Dortmund. Doch Ende des Jahres soll Schluss sein.

Kirchlinde

, 23.12.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warum er Friseur geworden ist? So richtig beantworten kann der 72-Jährige die Frage nicht. „Das hat sich einfach so ergeben“, sagt Horst Mindel. Schon seine Mutter Luise Mindel habe einen Salon betrieben. „Gelernt habe ich aber beim bekannten Meister Wittke in Dortmund.“

Auf jeden Fall war es die richtige Berufswahl, denn seit fast 59 Jahren kann der Kirchlinder Friseurmeister Schere, Kamm und Föhn einfach nicht aus den Händen legen. „Es macht so viel Spaß, was soll ich zu Hause?“

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Tag für Tag, außer sonntags und montags, steht der 72-Jährige, der mindestens zehn Jahre jünger aussieht, in „Mindels Salon“ an der Hangeneystraße 94. Damit gehört er zu den dienstältesten Friseuren in Dortmund. Allerdings nicht mehr lange: Ende 2019 schließt er sein Geschäft.

Dortmunder Friseur (72) kann das Schneiden nicht lassen – nun schließt er seinen Salon

Am 28. Dezember 2019 hat „Mindels Salon“ zum letzten Mal geöffnet. © Beate Dönnewald

„Eigentlich höre ich schon seit sieben Jahren auf“, sagt der zweifache Familienvater. Als junger Mann habe er sich sogar vorgenommen, mit 58 Jahren in den Ruhestand zu gehen. „Meine Töchter lachen sich schon kaputt. Die meinen, dass man mich wohl hier wohl raustragen muss.“

Horst Mindel hat ausschließlich als Herrenfriseur gearbeitet

Dazu wird es aber nicht kommen. Denn der Mietvertrag ist längst gekündigt, für Horst Mindel gibt es 2020 kein Zurück an den Friseurstuhl. „Zwischendurch frage ich mich allerdings immer noch, ob ich das Richtige mache“, räumt er ein.

Keine Frage, Horst Mindel liebt seinen Beruf als Herrenfriseur. „Als Damenfriseur habe ich nie gearbeitet, auch wenn ich beides gelernt habe.“ Mit seinen männlichen Kunden sei er gerade in den ersten Jahrzehnten ziemlich ausgelastet gewesen.

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„Ich war von 8 bis 19.30 Uhr im Laden, warum sollte ich mich da noch in den Damenbereich reinknien?“ Um die weibliche Kundschaft kümmert sich deshalb freitags und samstags seine Mitarbeiterin.

„Die Gegend hat sich verändert, ich bin hier der letzte Mohikaner“

Mittlerweile sei es in seinem Salon deutlich ruhiger geworden. „In dieser Straße ist ja nichts mehr los. Die Gegend hat sich verändert, ich bin hier der letzte Mohikaner.“

Genügend Stammkunden hat Horst Mindel aber immer noch. „Von klein bis alt. Auch etliche junge Leute kommen zu mir. Das wundert mich ein bisschen, weil ich nicht gerade der modernste Friseur bin.“

Auch er selbst sei deutlich gemütlicher geworden bei der Arbeit. „Früher hatte ich den Ruf als Schnellschneider.“ Denn in der Lehre habe man ihm beigebracht, im Akkord zu arbeiten. „Heute nehme ich mir viel mehr Zeit für meine Kunden.“ Vor allem habe er gelernt, ihnen zuzuhören. „,Das hat mir richtig gut getan‘, haben mir schon viele gesagt. Das freut mich natürlich.“

„Ich hatte zu 99,9 Prozent super nette Kunden“

Horst Mindel blickt dankbar zurück. „Ich hatte zu 99,9 Prozent super nette Kunden.“ Die Chemie habe einfach gepasst. Tränen seien in seinem Salon nie geflossen, auch nicht bei Kindern. „Wenn der Vater es besonders kurz wollte, der Sohn aber nicht, habe ich mich immer um einen Kompromiss bemüht.“

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Und der Blick nach vorn – wie wird Horst Mindel zukünftig seine Freizeit füllen? „Ehrlich gesagt, habe ich Bammel davor. Meine Frau muss mich antreiben und beschäftigen.“

Keine Party zum Abschied

Der letzte Öffnungstag von „Mindels Salon“ ist der 28. Dezember 2019 (Samstag). Seine Frau würde am liebsten eine kleine Abschiedsparty veranstalten. „Doch dafür bin ich nicht der Typ“, sagt der scheidende Friseurmeister.

Bis Ende Januar 2020 hat Horst Mindel Zeit, seinen Salon leer zu räumen. Was dann aus dem kleinen Ladenlokal wird, steht noch nicht fest.

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