In einem Dortmunder Weinberg kann man sich jetzt auch begraben lassen

dzNeue Grabart

Dortmunds dritter Weinberg bringt nicht nur eine neue Rebsorte in die ehemalige Bierstadt - sondern auch eine ganz neue Bestattungsart.

Holzen

, 14.07.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Urnengräber unter Obstbäumen, im Wald oder auf Wiesen gibt es bereits seit Längerem. In Dortmund kommt nun noch eine weitere, ganz besondere Grabart dazu: das Grab am Weinberg.

Am südlichen Rand Dortmunds, auf dem Friedhof Holzen, haben Auszubildende des Eigenbetriebs Friedhöfe Dortmund dafür eine große Weinterrasse als Urnenfeld angelegt. Für 36 Grabstellen mit jeweils zwei Urnen ist an den 149 Reben unterhalb der Friedhofskapelle Platz.

Silvana Reimers, Meisterin Garten- und Landschaftsbau, hat das Ausbildungsprojekt mit betreut.

Silvana Reimers, Meisterin Garten- und Landschaftsbau, hat das Ausbildungsprojekt mit betreut. © Susanne Riese

Am Weinberg müssen sich die Angehörigen nicht selbst um die Gräber kümmern. Und die Doppelgrabstellen sind mit 2350 Euro für 25 Jahre zudem vergleichsweise günstig.

„Eine sehr individuelle Grabart, weitgehend pflegefrei und nicht so teuer“, betont auch Ralf Dallmann, Betriebsleiter der Dortmunder Friedhöfe. Damit liegt das Holzener Angebot gut im Trend.

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Das ökologische Projekt reaktiviert ein klassisches Grabfeld, für das die Nutzungsrechte abgelaufen sind. Bei der Neugestaltung gehe es auch darum, die Friedhöfe als städtische Parks mit ruhiger Atmosphäre zu erhalten, sagt Baudezernent Arnulf Rybicki, der sich am Dienstag (13. Juli) in Holzen einen Eindruck von der neuen Grabart verschaffte.

Dieser ausgemusterte Grabstein passt nun bestens in den Eingangsbereich am Weinberg-Friedhof.

Dieser ausgemusterte Grabstein passt nun bestens in den Eingangsbereich am Weinberg-Friedhof. © Susanne Riese

Vorreiter bei den Grabarten in Deutschland

Der Friedhofs-Weinberg macht den kleinen Friedhof an der Kreisstraße vermutlich zu einem der innovativsten in ganz Deutschland. Bei der Eingemeindung Holzens 1975 wäre das noch schwer vorstellbar gewesen - und das nicht nur wegen der vergleichsweise nördlichen Lage des Weinanbaugebiets.

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„Als der Friedhof damals städtisch wurde, gab es noch eine Bestattungskultur mit Reihen- und Wahlgräbern“, sagt Ralf Dallmann. Inzwischen wünschten sich die Menschen mehr Individualität, Natürlichkeit und Attraktivität. All das führte zum Weinberg-Projekt am Friedhofs-Südhang. „Keine Schnapsidee“, ist Dallmann überzeugt.

Winzerin betreut das Projekt

Die Reben setzten die Auszubildenden Garten- und Landschaftsbau mit fachkräftiger Unterstützung von Winzerin Tina Krachten aus Essen ein. Ausgewählt wurde dafür die rote Sorte Cabertin. „Eine pilzwiderstandsfähige Neuzüchtung aus der Pfalz“, erklärt die Diplom-Ingenieurin für Weinbau und Önologie.

Silvana Reimers, Meisterin Garten- und Landschaftsbau, hat das Ausbildungsprojekt mit betreut.

Silvana Reimers, Meisterin Garten- und Landschaftsbau, hat das Ausbildungsprojekt mit betreut. © Susanne Riese

Nach dem Phoenix-See in Hörde und dem Umweltkulturpark in Barop ist der Weinberg in Holzen der dritte Weinbau-Standort in Dortmund. Die Emschergenossenschaft hat 2018 im Umweltkulturpark Barop einen Weinberg mit 300 Reben errichtet. Auch dort wachsen rote Sorten, so wie in Holzen.

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Der Geschmack der roten Trauben habe sie positiv überrascht, sagt Tina Krachten.

Seit 2012 gibt es bereits den Wein­berg am Phoenix-See, an dem ebenfalls unter Regie der Emschergenossenschaft ausschließlich weiße Rebsorten angebaut wer­den.

Der ursprünglich als Experiment zu den Auswirkungen des Klimawandels angelegte Weinberg warf zuletzt rund 150 Flaschen Weißwein ab, die für ein soziales Projekt verkauft wurden.

Die Reben bringen erst nach mehreren Jahren vollen Ertrag

An den Stöcken auf dem Holzener Friedhof winden sich erste zarte Blättchen empor. Bis Wein aus dem südlichen Ende Dortmunds abgefüllt werden kann, wird es aber noch etwas dauern.

„Die Reben erreichen nach drei, vier Standjahren ihren vollen Ertrag“, sagt Tina Krachten. Einen Jungfern-Ertrag könne man aber schon im kommenden Jahr erwarten; der sei zwar klein, aber sehr lecker.

Ganz langsam winden sich die zarten Pflänzchen an ihren Rankhilfen in die Höhe.

Ganz langsam winden sich die zarten Pflänzchen an ihren Rankhilfen in die Höhe. © Susanne Riese

Geschmacklich soll die Cabertin-Traube laut Winzerin Tina Krachten an Cabernet Sauvignon erinnern. Noch ist aber nicht klar, ob und wann Wein-Interessierte das testen können. Ralf Dallmann: „Es gibt noch kein Konzept für die Verwertung.“

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