Mit der Aufhebung der Impfpriorisierung sollen ab Juni auch Betriebsärzte impfen. Die Vorbereitungen laufen in einigen großen Unternehmen bereits. © dpa
Corona-Pandemie

Dortmunder Firmen wollen impfen: „Wir könnten schnell starten“

Die Betriebsärzte sollen mithelfen, das Impftempo zu erhöhen. Große Dortmunder Unternehmen sitzen auch schon in den Startlöchern. Doch es gibt einige Hürden, die noch ausgeräumt werden müssen.

Auf der Westfalenhütte beim Stahlunternehmen Thyssenkrupp plant ein Organisationsstab bereits eine Impfstrecke für die Impfung der 1300 Beschäftigten. „Bei uns laufen die Vorbereitungen. Die Arbeitsdirektion hat bereits eine Leiharbeitsfirma gefunden, die medizinisches Personal bereitstellen kann“, sagt Betriebsratsvorsitzende Kirstin Zeidler.

Thyssenkrupp beschäftigt in Dortmund eine Betriebsärztin. Diese kann die Impfungen neben ihren gewohnten Aufgaben – etwa in der Gesundheitsvorsorge – allein nicht bewältigen. „Da benötigen wir dringend Verstärkung“, sagt Kirstin Zeidler.

Gleiches Bild bei der Versicherungsgruppe Signal Iduna am Westfalenpark. „Wir bereiten schon seit Wochen das Impfen unserer Beschäftigten an allen Standorten vor. Für die 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Dortmund haben wir eine Betriebsärztin – und auch wir prüfen, ob wir bei den entsprechenden Dienstleistern betriebsärztliches Personal zur Unterstützung bekommen können“, sagt Unternehmenssprecher Edzard Bennmann.

Dienstleister müssen externes medizinisches Personal stellen

Auch bei der Stadttochter DSW21 bereitet man sich „auf den Tag X“ vor. Man brauche für den Start einen Vorlauf von 20 bis 30 Tagen, heißt es. Zentrale Anlaufstelle soll der DSW-Saal an der Von-den-Berken-Straße werden. Dort könnten dann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Unternehmen aus dem DSW-Konzern geimpft werden, von denen viele als Teil der kritischen Infrastruktur auch zur Prioritätengruppe 3 gehören.

Neben DSW-Töchtern wie DEW, Dokom oder Flughafen gibt es aber auch Interesse von EDG, Sparkasse oder Gelsenwasser, sagt DSW-Sprecher Frank Fligge. Zusätzlich zu Betriebsärzten der Unternehmensgruppe soll auch externes medizinisches Personal von einem Dienstleister zum Einsatz kommen.

TU Dortmund will 6500 Beschäftigte impfen

Einer dieser Dienstleister ist in Dortmund die Firma ASD GmbH (Arbeitsmedizinische und Sicherheitstechnische Dienste), bei der unter anderem schon die Technische Universität (TU) Dortmund angefragt hat. Sie würde gerne eine Impfmöglichkeit für ihre 6500 Beschäftigten schaffen. „Wir haben den Platz und die Kühlmöglichkeiten für die Impfstoffe“, sagt TU-Sprecherin Eva Prost.

Bei der Firma ASD allerdings fehlt noch Einiges – zum Beispiel die gesetzliche Grundlage, wie die Impfzentren und die Hausärzte sie haben. „Auch weiß man nicht, wie die Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung funktionieren soll, da unsere Betriebsärzte keine kassenärztliche Zulassung haben“, sagt Christina Auguste Koch von der ASD GmbH.

„Fühlen uns von Bundesregierung im Stich gelassen“

„Es ist schön, dass die Betriebe in Position gebracht werden und sich auch in Position bringen. Die ASD GmbH will impfen, aber momentan dürfen wir noch nicht. Wir haben viele Anfragen, aber wir fühlen uns von der Bundesregierung bisher im Stich gelassen“, sagt Christina Auguste Koch.

„Wir benötigen auch für die Logistik und die Einhaltung der Kühlketten Unterstützung – wenn nicht durch den Bund, dann hoffentlich über die Betriebe. Das ist noch nicht zu Ende gedacht“, ergänzt sie.

Mut macht ein Unternehmen wie Wilo in Hörde, dessen Standortleiter Dr. Georg Fölting darauf verweist, dass Firmen auch bereit sind, sich mit Personal und Know-how unterstützend einzubringen. „Das ist nochmal eine Kraftanstrengung. Aber den Aufwand nehmen wir in Kauf, um die Pandemie dauerhaft aus unserem Betrieb rauszuhalten“, sagt er.

Wilo könnte „innerhalb von drei Tagen starten“

Seit einigen Wochen schon laufen bei dem Pumpenhersteller die Vorbereitungen für die Impfung der fast 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Dortmund. „Die Impfstraße haben wir gedanklich schon skizziert. Wenn wir die Erlaubnis und den Impfstoff bekommen würden, könnten wir innerhalb von drei Tagen starten“, so Georg Fölting.

Zurückgreifen kann man bei Wilo auf die Erfahrungen mit dem vor Ostern aufgebauten Selbsttestzentrum, in dem seitdem täglich 700 bis 800 Tests vorgenommen werden. „Die IT-technische Unterstützung ist beim Impfen ein Thema, aber da haben wir durch das Testen schon gute Erfahrungen. Das Betriebsärzte-Team ist bereit, zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen“, sagt Georg Fölting.

Berthold Schröder, der Präsident der Handwerkskammer Dortmund, vermisst bisher noch ein Konzept zur Einbindung der Betriebsärzte in die Impfkampagne.
Berthold Schröder, der Präsident der Handwerkskammer Dortmund, vermisst bisher noch ein Konzept zur Einbindung der Betriebsärzte in die Impfkampagne. © (A) Schaper © (A) Schaper

Bei allen administrativen Aufnahmen will Wilo helfen und zum Beispiel die Aufklärungsbögen zur Impfung schon vor ab an die Beschäftigten verteilen und ausfüllen lassen. „Wir glauben“, so Georg Fölting, „dass wir innerhalb von drei Wochen alle einmal durchgeimpft haben können.“

Handwerkskammer-Präsident vermisst „konkretes Konzept“

Wilo und auch andere Großbetriebe haben die Möglichkeiten, sich ausführlich mit der Organisation zu beschäftigen. Kleinere mittelständische Firmen haben das nicht. „Angesichts der in Kürze zu erwartenden besseren Impfstoffverfügbarkeit vermissen wir klare Absprachen für eine Steigerung des Impftempos“, sagt deshalb der Präsident der Dortmunder Handwerkskammer, Berthold Schröder.

Die von der Politik in Aussicht gestellte Freigabe der Impfpriorisierung im Juni sei positiv. „Bis dahin sollten jedoch“, so Berthold Schröder, „die betriebsärztlichen Strukturen entsprechend eingebunden und ausgestattet werden. Hierzu fehlt bislang ein konkretes Konzept.“

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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