Neue Produkte durch Corona: Dortmunder Unternehmen hat schnell reagiert

dzKunststoff statt Stahl

Wo früher in Industriemaschinen Stahl verwendet wurde, kommt heute Kunststoff zum Einsatz. Die Fertigteile produziert eine Dortmunder Firma für die ganze Welt. In der Krise wurde sie kreativ.

Dortmund

, 18.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer die Produktionshallen und die überall stilvoll eingerichteten Räume der Firma Murtfeldt verlässt, dem geht in aller Regel das Wort Plastik nicht mehr so leicht über die Lippen.

Die 350 Beschäftigten in Brackel sind Experten für Kunststoffe. Sie arbeiten also mit künstlichen Stoffen, die umgangssprachlich als Plastik bezeichnet werden, dürfen aber mit Fug und Recht den Begriff Kunststoff auf der ersten Silbe betonen.

Kunststoff ersetzt Stahl

„Wir ersetzen heute viele Anwendungen, die früher aus Stahl hergestellt wurden“, sagt Andreas Balla aus der Geschäftsführung der Murtfeldt GmbH. Er hält eine große, weiße Scheibe in der Hand, bei der es sich um ein Fertigteil für den Maschinenbau handelt und die sich durch eine hohe Abriebfestigkeit auszeichnet.

Es fühlt sich unkaputtbar an. „Hart wie Krupp-Stahl“, hieß es früher. Das gilt auch für diesen Hochleistungskunststoff.

Murtfeldt exportiert in die ganze Welt – und die Corona-Krise hat das Unternehmen natürlich getroffen. „Wir arbeiten zum Beispiel für das in Wambel ansässige Unternehmen KHS, das aber eine Getränkeabfüllanlage bisher nicht wie vorgesehen in Brasilien aufbauen konnte. Es gibt mehrere solcher Beispiele und wir schieben eine Bugwelle vor uns her. Wir merken aber auch, dass die Märkte wieder anziehen“, so Andreas Balla.

Millionen-Verlust in der Corona-Krise

Etwas geholfen hat der Murtfeldt GmbH, dass mit der Corona-Pandemie, einige Kunststoff-Produkte plötzlich gefragt waren. „Für das Klinikum Dortmund haben wir innerhalb von fünf Tagen 800 Visiere gefertigt“, erzählt Andreas Balla.

Und in diesem Zuge wurden weitere Produkte neu hergestellt: transparente Hygiene-Aufsteller, Einkaufswagen-Schubser und Türhaken als Schlüsselanhänger.

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„Wir haben damit etwa 300.000 Euro Umsatz gemacht“, sagt Andreas Balla. Den Umsatzeinbruch konnte das allerdings längst nicht kompensieren. „In den ersten sieben Monaten dieses Jahres“, so der Geschäftsführer, „haben wir 5,5 Millionen Euro Umsatz verloren.“

Das Instrument der Kurzarbeit wurde genutzt, um über die schwierigste Phase hinweg zu kommen. Jetzt rechnet Andreas Balla für das vierte Quartal wieder mit einem leichten Umsatzanstieg. „Grundsätzlich müssen wir uns aber auf das nächste Jahr konzentrieren“, sagt er.

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„Wir wissen“, fügt er an, „dass die Teile, die wir herstellen, gebraucht werden. Beispielsweise wird weltweit kein Auto gebaut ohne Murtfeldt-Produkte – egal ob Elektro-Auto oder Verbrenner.“

Das Unternehmen gehört seit über 60 Jahren zu den weltweit führenden Herstellern für individuell gefertigte Produkte aus gleitfördernden und verschleißfesten Kunststoffen.

Mit dem Kunden werden individuelle Lösungen gesucht

Dabei versteht Murtfeldt sich nicht nur als Kunststoffhersteller und -verarbeiter für beispielsweise die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie oder die Medizintechnik, sondern als Partner, der Hand in Hand mit dem Kunden Lösungen sucht und realisiert, die nicht industriell und standardmäßig angeboten werden.

Aufgrund dieser Firmenphilosophie war es zu Beginn der Corona-Krise möglich, schnell die nachgefragten Produkte wie Hygiene-Aufsteller oder Visiere herzustellen.

„Solche lokalen Wertschöpfungsketten zu schaffen, ist wichtig“, sagte Wirtschaftsförderer und OB-Kandidat Thomas Westphal jetzt bei einem Firmenbesuch, „dies kann aber den Weltmarkt nicht ersetzen, sondern nur kurzfristige Engpässe etwas überbrücken helfen.“

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