Dortmunder Autor verschenkt eigenen Roman in öffentlichen Bücherregalen

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Ein Dortmunder Autor hat sich für die Zeit der Corona-Krise eine effektive Aktion einfallen lassen. Um kulturellen Austausch zu fördern, macht er seinen Debütroman öffentlich zugänglich.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 28.08.2020, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sein im Jahr 2018 erschienener Debütroman "Notizen eines Gewinners" hat in gewisser Weise auch etwas mit der aktuellen Zeit zu tun. Dort nämlich lässt Autor Gerrit C. Paulson seine Hauptfigur sich mit sich selbst konfrontieren - dank reichlich neu gewonnener Zeit, beschert durch einen Lottogewinn. Schließlich scheitert sie versunken im Alkohol an sich selbst.

Gerrit C. Paulson heißt eigentlich Gerrit Cziehso und wurde in Lünen geboren und lebt in Dortmund. In der Corona-Krise hat er sich eine Aktion einfallen lassen, um seinen Roman in Dortmund an die Leute zu bringen.

Auch in der Krise fand sich wohl mancher auf sich selbst zurückgeworfen. Laut Cziehso sei das aber nichts Schlechtes, sondern vielmehr die Chance, etwa durch Literatur seinen persönlichen Horizont zu erweitern und neue Kontakte in dieser kontaktlosen Zeit zu knüpfen.

Öffentliche Bücherschränke in Körne, Hörde und im Kaiserstraßenviertel

In Dortmunds Stadtteilen gibt es viele öffentliche Bücherschränke, denen Passanten Bücher entnehmen und selbst neue hinzufügen können. Das alles gratis. Cziehso, der selbst in Dortmund wohnt, habe in der Corona-Zeit an diesen Orten ein zunehmendes Interesse festgestellt.

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"In der Krisenzeit können sich die Menschen nicht mehr wie gewohnt in Buchhandlungen austauschen", so Cziehso. "Ich habe nun immer wieder beobachtet, wie Kulturinteressierte stattdessen an den offenen Bücherregalen im Freien zusammenfinden." Er habe dann als Autor den Wunsch verspürt, eine solche Entwicklung tatkräftig zu unterstützen.

Bisher sechs verteilte Exemplare an drei Standorten

Am Dienstag (25.8.) hatten Cziehso und sein Team bereits sechs Exemplare des Romanes in den öffentlichen Bücherregalen im Kaiserviertel, Körne sowie in Hörde verstaut.

Versehen war jedes Exemplar mit einer handgeschriebenen Notiz und der Bitte, sich beim Autor via Instagram zu melden, falls man der neue Besitzer des Romanes sei. "Wir haben von fast jedem verteilten Exemplar schon jetzt eine Rückmeldung in Form eines Kommentars erhalten", so Cziehso.

Aktion soll zukünftig noch ausgebreitet werden

In der Zukunft soll noch eine Vielzahl weiterer Exemplare in den Bücherschränken von Dortmund verstaut werden, so etwa in der Innenstadt-Ost, in Aplerbeck und in Hombruch.

Bisher hatte der Autor seinen Roman zuerst selbst verlegt, danach im Kamphausen-Verlag mit einer Auflage von weit über 1000 Exemplaren an die Leser gebracht. Das neue Bücherregal-Projekt solle aber einen Schritt zurück darstellen, hin zur verbindenden Kraft von Büchern und weg vom kommerziellen Hintergedanken.

Und der Inhalt von "Notizen eines Gewinners" eigne sich zum gemeinsamen Austausch gerade in der aktuellen Zeit verblüffend gut.

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