Feuerwehr im Dauereinsatz wegen Wespen

dzSerie Dortmund vor 30 Jahren

Eine große Wespen-Plage und tragischer Fall vor Gericht: In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ schauen wir zurück auf die Nachrichten, die die Dortmunder am 14. August 1990 bewegten.

von Beat Linde

Dortmund

, 14.08.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute: der 14. August 1990.

Große Wespen-Plage

Es gibt Dinge, die wiederholen sich: Aktuell gibt es eine Wespenplage. Und die gab es auch 1990: Und zwar die bis dahin wohl größte Wespen-Plage in Dortmund, wohl den zwei Wintern zuvor ohne Frost geschuldet.

Peter Brodhage, Chef einer privaten Schädlingsbekämpfungs-Firma, sagte damals gegenüber unserer Redaktion: „Es ist Wahnsinn, wir hatten bisher rund 100 Einsätze“. Aber nicht nur private Firmen liefen wegen der schwarz-gelben Brummer auf Hochtouren, auch die Feuerwehr war in Sachen Wespen sehr aktiv: „Wir haben täglich Einsätze, manchmal zwei, manchmal fünf bis sechs“ - und das, obwohl die Feuerwehr nur zuständig ist, wenn Wespen Menschen in öffentlichen Gebäuden bedrohen wie Schulen, Kliniken oder Kindergärten.

Nicht nur Menschen, auch die Mähnenwölfe des Tierparks hatten mit der Plage zu kämpfen: Bei der Fütterung wurden sie regelmäßig zerstochen, weil die Wespen das Fleisch der Wölfe wohl auch sehr schmackhaft fanden. Tierparkchef Dr. Wolf Bartmann riet der Bevölkerung, ruhig zu bleiben und sich nicht hektisch zu bewegen - ein Verhalten, das den Wölfen noch schwerer beizubringen war als den Dortmundern, weswegen die Tiere letztlich nur noch hinter verschlossenen Türen gefüttert werden konnten.

Odyssee mit totem Hund

Bei einem Unfall wurde ein Fußgänger schwer verletzt, sein Hund wurde sogar getötet. Den Angehörigen machte nicht nur die Sorge um den verletzten Verwandten zu schaffen, sondern auch die ordnungsgemäße Beseitigung der Hunde-Leiche.

„Da die Stadt keine Fahrzeuge mehr zur Tierkörper-Beseitigung herausschicken konnte, bot ich mich selbst an, das tote Tier zum Dorstfelder Tierheim zu bringen“, erzählte Frank Rothe, Schwager des verletzten Fußgängers. In Dorstfeld, so sagte es ihm ein städtischer Mitarbeiter, könne er den verstorbenen Hund abgeben.

Das Tierheim selbst hatte aber keine Möglichkeit, den toten Hund anzunehmen, und auch Polizei und Feuerwehr hatten selbst keine freien Kapazitäten. Immerhin konnten die Beamten Herrn Rothe den entscheidenden Tipp geben: Im Fuhrpark der Stadt konnten Hundekörper dann letztlich gelagert werden.

Krebskranke Frau als Verbrecherin

Einen Schicksalsschlag nach dem anderen hatte Anita C. zu verkraften (Name damals von der Redaktion geändert), was die Richter bei ihrer Verurteilung wegen räuberischer Erpressung berücksichtigten.

Groß geworden in einer bürgerlichen Familie hatte sie früh mit einer Alkoholsucht zu kämpfen. Daraufhin rutschte sie ab in die Prostitution und durch den häufigen Konsum von Alkohol bekam sie epileptische Anfälle.

Nach einer Entzugs-Kur schien es wieder bergauf zu gehen, als sie erneut von einem Schicksalsschlag getroffen wurde: Sie erkrankte an Krebs. Ihren Job als Krankenschwester verlor sie zwei Tage nach der Diagnose.

Wegen mehrerer Operationen geriet sie in finanzielle Nöte, was schließlich zu dem Raub von 725 Mark an einer Imbissbude führte. „Sie wollte einfach noch ein bisschen leben und nicht ohne Geld vor sich hinvegetieren“, sagte ihre Anwältin, wohingegen die Richter befanden: Der Weg in die Kriminalität sei aber der falsche“ gewesen.

Die Richter und der Staatsanwalt verständigten sich darauf, dass wegen verminderter Schuldfähigkeit das Strafmaß vier Jahre betragen solle.

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