Diskussion um B1-Tunnel in Dortmund

dzSerie „Dortmund vor 30 Jahren“

In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ schauen wir heute auf den 17. August 1990 - und sehen, wie aktuell Themen von damals auch heute noch sein können.

von Beat Linde

Dortmund

, 17.08.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute: der 17. August 1990.

Tunnel für die B1

Der Tunnel für den Ruhrschnellweg musste kommen, das war zumindest die Meinung des Verbandsvorsitzenden Walter Derwald: „Nur mit dem Tunnel kann bei steigendem Verkehrsaufkommen der tägliche Verkehrskollaps im Dortmunder Stadtgebiet vermieden werden.“ Die Argumente waren vielfältig: weniger Lärmbelästigung für die Anwohner, keine Zerteilung des Stadtgebiets mehr und weniger Unfälle.

Der Baugewerbeverband warnte davor, die Tunnellösung mittels Machbarkeitsstudien und ständig neuen Pläne „praktisch ins nächste Jahrhundert zu verschieben“. Genau das scheint allerdings Realität geworden zu sein. Noch immer gibt es die Diskussion, aber keinen Tunnel.

Nachhaltigkeit anno 1990

Lange bevor die Aktivisten und Aktivistinnen von Fridays for Future auf die ökologischen Herrausforderungen unserer Zeit aufmerksam gemacht haben, hatten die Stadtwerke in Dortmund zu mehr Ökologischem Denken aufgerufen.

Im Rahmen der Aktion „Rat und Tat - weiterdenken, Energieverbrauch senken“, konnten interessierte Dortmunder und Dortmunderinnen einen unabhängigen Gutachter beauftragen, der nach Möglichkeiten suchte, den Energieverbrauch zu senken.

116 Gutachten ergaben, dass durch die richtige Isolierung, bessere Heizungsanlagen und Warmwasseraufbereitung durchschnittlich 31 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden könnten. Im Rahmen einer Austellung wurden die Ergebnisse präsentiert, wer dabei die besten Ideen zur Senkung des Verbrauchs einreichte, bekam ein Preisgeld in höhe von 1000 DM.

Rätselhafter Angeklagter

„Der Angeklagte verfügt entweder über eine mir noch nie vorgekommene Beherrschtheit oder er hat unter einem solchen Affekt gelitten, dass dieser wesentlich für die Schuldfähigkeit ist“, sagte Psychiater Dr. Eberhard Rössler an vor Gericht. Der Angeklagte war in diesem Fall Frank K., ein 23-Jähriger, der seine Nachbarin erwürgt haben sollte, die Tat aber vehement bestritt.

Auch der zweite psychologische Sachverständige konnte sich keinen wirklichen Reim auf Frank K. machen: „Das Verhalten von Frank K. im Prozess war für mich unergiebig.“ Er attestierte dem Angeklagten einen Charakter, der keine Anhaltspunkte für ein solches Verbrechen liefere.

Eine Möglichkeit bestand laut dem Gutachter darin, dass Frank K. die Tat komplett verdrängt haben könnte, um vor sich und seiner Familie bestehen zu können. Ein Fall, der nicht nur die Psychologen, sondern auch das Gericht 1990 rätseln lies.

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