Dortmund-Tatort „Inferno“: Der Krankenhaus-Alltag sieht anders aus

dzFaktencheck

Tiere im Schwesternzimmer, eine riesige Zahl Überstunden, eine Tasse mit Klinik-Logo – all das gab es im Dortmund-Tatort „Inferno“. Aber auch in Wirklichkeit? Wir machen den Faktencheck.

Dortmund

, 14.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Im Dortmund-Tatort „Inferno“ ist das Krankenhaus nicht der Ort, an dem Leben gerettet werden. Im Gegenteil: In der Emscher-Ruhr-Klinik wird gemordet. Diese „Emscher-Ruhr-Klinik“ gibt es nicht wirklich. Gedreht hat der WDR im und am Klinikum Dortmund. Für unseren Faktencheck haben wir uns deshalb an Klinikum-Sprecher Marc Raschke gehalten und ihn zum Realitätsgehalt des Dortmund-Tatorts befragt.

Ist es denkbar, dass im Schwesternzimmer des Klinikums verletzte Tiere aus der Tiernothilfe versorgt werden?

Nein, absolut nicht. Das geht aus hygienischen Gründen nicht. Die einzigen Tiere auf einer Station sind in unserem Klinikum in der Kinderklinik anzutreffen: unsere Therapiehunde und Therapiehasen, die einmal pro Woche von einer Tiertrainerin hin gebracht werden, um Kinder u.a. mit psychischen Erkrankungen etwas Freude und Zugang zur sozialen Außenwelt zu ermöglichen. Das Streicheln und die unbekümmerte Art der Tiere weckt ganz neue Energien bei den Kindern. Aber auch diese Tiere werden unter strengen Hygienevorschriften über spezielle Aufzüge und Wege in spezielle Räume gebracht. Also ein Tier der Tiernothilfe im Schwesternzimmer? Leider nur im „Tatort“ möglich.

Sind im Klinikum Fälle von Patienten bekannt, die sich behandeln lassen mussten beim Versuch, sich gegen Pfefferspray zu immunisieren?

Ich antworte mal salomonisch: Der Mensch an sich ist zu allem fähig – und in einem großen Klinikum wie unserem ist alles möglich.

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Als Merchandising-Artikel? Bleiben wir realistisch: Die meisten Menschen sind froh, wenn sie ein Krankenhaus wieder verlassen dürfen – und der Bedarf, als Erinnerung an die Zeit im Krankenhaus eine Tasse mit Klinikum-Logo zu kaufen, hält sich doch sehr in Grenzen. Das Klinikum Dortmund ist leider kein Schloss Neuschwanstein.

Sind im Klinikum bei Ärzten auch schon 96 Überstunden im Monat aufgelaufen?

96 Überstunden? Bei 20 Arbeitstagen pro Monat? Das wären ja im Schnitt knapp 5 Überstunden pro Tag. Also dann inklusive der normalen Arbeitszeit 13 Stunden Arbeit pro Tag – und das den ganzen Monat hindurch. Ich sag es mal so: Da hat der Tatort dramaturgisch stark übertrieben. Als Krankenhaus mit einem öffentlichen Tarifvertrag sind Überstunden klar geregelt; klar kommen sie vereinzelt mal vor, werden aber dann eben an anderer Stelle abgefeiert.

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