Natur- und Tierschützer fordern: Hunde sollen im Wald an die Leine

dzLandschaftsplan

Für Hunde und Hundebesitzer ist es ein Stück Freiheit, für Spaziergänger, Jogger und Naturschützer oft ein Ärgernis. Jetzt gibt es eine neue Initiative gegen freilaufende Hunde im Wald.

Dortmund

, 01.06.2020, 10:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kritik gibt es zwar im Detail, grundsätzlich stimmen die Dortmunder Naturschutz- und Umweltverbände dem neuen Dortmunder Landschaftsplan aber zu, der am 18. Juni vom Rat verabschiedet werden soll. Er regelt den Umgang mit Natur und Landschaft in der Stadt.

Mit vielen Kompromissen, die das Dortmunder Umweltamt bei der Zusammenstellung des Plans eingehen musste, haben sich die Naturschützer notgedrungen angefreundet. Nur bei einem Punkt sehen sie weiter Rot - und hoffen, dass die Politik noch für eine Änderung sorgt. Es wäre nicht das erste Mal.

Freier Auslauf auf Waldwegen

Streitpunkt ist die Frage, ob Hunde in Naturschutzgebieten grundsätzlich an die Leine müssen. Der Landschaftsplan sieht dazu eine Regelung vor, die zwischen Wald und Nichtwald unterscheidet.

Der Hintergrund: In den alten Naturschutzgebieten gilt eine grundsätzliche Leinenpflicht für Hunde. Inzwischen wurden aber fast alle Dortmunder Wälder zu Naturschutzgebieten erklärt, in denen Hunde bislang auf den Wegen freien Auslauf hatten. Das soll jetzt auch der neue Landschaftsplan so festschreiben.

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Aus Sicht der Naturschutzverbände wäre das ein Rückschritt. „Die geplante Neuregelung der Hundeführung in Waldbereichen der Naturschutzgebiete führt in etlichen alten Naturschutzgebieten wie Beerenbruch, Alte Körne, Ölbachtal und an den Ruhrsteilhängen an der Hohensyburg zu einer Verschlechterung, weil Hunde auf Waldwegen dort künftig frei laufen dürfen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Naturschutzverbänden und dem Dortmunder Tierschutzverein.

Sie fordern Leinenpflicht für Hunde in allen Bereichen von Naturschutzgebieten: Thomas Quittek (BUND), Erika Scheffer (Tierschutzverein), Dr. Hans-Dieter Otterbein (Vorsitzender Naturschutzbeirat) und Dr. Erich Kretzschmar (NABU).

Sie fordern Leinenpflicht für Hunde in allen Bereichen von Naturschutzgebieten: Thomas Quittek (BUND), Erika Scheffer (Tierschutzverein), Dr. Hans-Dieter Otterbein (Vorsitzender Naturschutzbeirat) und Dr. Erich Kretzschmar (NABU). © Privat

So entstehe die absurde Situation, dass es unterschiedliche Regelungen in ein und demselben Naturschutzgebiet gibt: Im Wald dürften die Hunde auf den Wegen frei laufen, außerhalb des Waldes müssten sie angeleint werden. Erschwerend kommt hinzu, dass in manchen Naturschutzgebieten wie der Bolmke oft kaum zu erkennen sei, welche Wege offiziell sind und bei welchen es sich um illegale Trampelpfade handelt.

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Nicht zuletzt halten die Fachleute, die Auflage, dass die Hunde die Wege nicht verlassen dürften, für schlicht unrealistisch. Die Mehrheit der Hundebesitzer verhält sich aus der Sicht der Natur- und Tierschutzverbände zwar verantwortungsvoll in der Landschaft. Allerdings berichteten Landschaftswächter zunehmend von Vorfällen mit nicht-angeleinten Hunden.

„Selbst wir können für von uns selbst gut ausgebildeten Hunden keine Garantie geben, dass sie auf den Wegen bleiben“, stellt die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Erika Scheffer, fest. „Wenn da ein Eichhörnchen den Weg kreuzt oder es irgendwo raschelt, sind die Hunde weg.“

Nicht der erste Vorstoß

Der Streit ist nicht neu. Schon 2004 und 2005 hatte die Verwaltung versucht, die jetzt erneut vorgelegte Regelung einzuführen. Durch Intervention der

Naturschutzverbände konnte dies verhindert werden. Die Politik schloss sich ihren Bedenken an.

Auch aktuell haben bereits die Bezirksvertretungen Eving, Innenstadt-West und Scharnhorst der vom Umweltamt erneut vorgeschlagenen Neuregelung widersprochen. Man hoffe, dass das auch eine Mehrheit im Rat so sieht, stellt Thomas Quittek vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fest.

Schreiben an die Ratsfraktionen

Die Natur- und Tierschutzverbände bitten die Ratsfraktionen deshalb in einem

Schreiben, es bei einer generellen Anleinpflicht in den alten Naturschutzgebieten zu belassen und sie zum Schutz von Wildtieren und Menschen auch in den neuen Naturschutzgebieten einzuführen.

Es soll aber auch nicht allein bei einem Freilauf-Verbot bleiben. Die Verbände regen die Herausgabe einer Broschüre an, die einen Überblick gibt, auf welchen Flächen im Stadtgebiet Hundefreilauf möglich ist. Ein solcher „Positivplan“ würde eher helfen, als der geplante Freilauf auf den Wegen in Naturschutzgebieten, heißt es.

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