Bundeskanzler kommt nach Dortmund - wegen Handwerkern

dzSerie Dortmund vor 30 Jahren

Kanzler Helmut Kohl besucht Dortmund und verteilt fleißig Autogrammkarten, im Opernhaus werden siebeneinhalb Kilo Kaviar serviert: Das waren die Nachrichten in Dortmund vor 30 Jahren.

von Beat Linde

Dortmund

, 26.08.2020, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 27. August 1990.

Kohl in Dortmund

943 Dortmunder und Dortmunderinnen hatten ihren Meistertitel erworben und bekamen dafür Glückwünsche von höchster Stelle: Bundeskanzler Helmut Kohl hielt die Festrede in einer prall gefüllten Westfalenhalle. Voll des Lobes für die Absolventen sagte er: „Andere Menschen in Ihrem Alter gehen lieber in die Disco oder sonst wohin, Sie haben sich mit harter Arbeit und großem persönlichen Einsatz eine große Qualifikation erworben.“

Auch Oberbürgermeister Samtlebe hielt nicht mit Komplimenten zurück: „Mancher hochrangige Politiker wäre froh, wenn man ihm den Meistertitel verleihen würde.“ Die meisten Absolventen, nämlich 180, kamen aus dem Bereich der Kfz-Mechanik. Kohl ermutigte die Meister in seiner Rede, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und verteilte fleißig Autogrammkarten.

Ansturm auf die VHS

Das, was die knapp 1000 neuen Jungmeister schon hatten, wollten 2000 VHS-Studenten noch erreichen: einen Abschluss. Bei der Semestereröffnung bestätigte sich der Trend der Jahre zuvor, immer mehr Dortmunder wollten auf dem zweiten Bildungsweg ihren Schulabschluss nachholen.

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Wobei manche ganz von vorne anfangen mussten, beim Lesen und Schreiben. Die Analphabetenrate in Dortmund lag 1990 bei drei Prozent, rund 100 Personen zählte die VHS über die Jahre zuvor bei den Lese- und Schreibkursen. Andere beliebte Kurse umfassten die Rhetorik, Gesundheit oder Fremdsprachen.

Pompöser Opernball

Es sollte ein grandioses kulturelles und gesellschaftliches Ereignis werden. 25.000 Rosen, 500 Rosenstöckchen und zehn Kilometer Efeu verwandelten das Foyer und die Nebenräume des Opernhauses in einen Ballsaal. 100 Köche und Kellner kümmerten sich unter anderem um siebeneinhalb Kilogramm Kaviar, 750 Austern und Lachstorte.

Die Gäste wurden empfangen von über zwei Dutzend Statisten, gekleidet in eine Livree aus der Biedermeier-Zeit. Aber auch der Star des Abends, die griechische Mezzosopranistin Agnes Baltsa, sollte nicht leer ausgehen. Karl Scheufele, ein Uhrenhersteller, überreichte ihr eine solche in Gold, versetzt mit Brillanten, im Wert von 10.000 Mark.

Es wurde ein berauschendes Fest, das die letzten Gäste erst bei Anbruch der Dämmerung verließen.

Vorbereitungen für die Bundesgartenschau

Die Bundesgartenschau (Buga) sollte 1991 nach Dortmund kommen und für das Großereignis wurde reichlich geprobt. Der Westfalenpark sollte für die Dortmunder und Dortmunderinnen komplett umgestaltet werden. 83 Millionen Mark kostete der Umbau, damit der Park, so Oberstadtdirektor Harald Heinze, den Ansprüchen für die nächste Generation entspräche.

20.000 Besucher kamen zum Probelauf der Buga, alle bekamen eine Tour durch ihren neuen Park und konnten die neuesten Züchtungen aus aller Welt begutachten. „Acht Monate vor der offiziellen Eröffnung ist diese riesige Resonanz für uns ein toller Erfolg“, so Heinze.

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