Champs-Élysées wird für Dortmunder Brautpaar gesperrt

dzSerie Dortmund vor 30 Jahren

Eine Hochzeitsreise mit einer ganz speziellen Erinnerung und die Karten für den Dortmunder Opernball werden schwarz gehandelt: In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ blicken wir zurück.

von Beat Linde

Dortmund

, 07.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 7. August 1990:

Ein ganz besonderes Bild

Vor 30 Jahren war ein Fotoapparat noch nicht intigrierter Bestandteil des allgegenwärtigen Smartphones (das es ja noch nicht gab). Folglich wurden auch seltener Fotos gemacht. In Urlauben, an Geburtstagen, Festen oder Hochzeiten aber dann doch. Ein ganz besonderes Bild wollte Karsten Keikus von seiner frisch angetrauten Braut auf ihrer Hochzeitsreise in Paris machen. Mitten auf die Champs Élysées sollte sie sich stellen, den Arc de Triomphe im Rücken.

Sie überquerten die viel befahrende Straße bis zum Mittelstreifen, dann konnte das Foto-Shooting beginnen. Interessiert hielten einige Schaulustige an, was den Verkehrsfluss behinderte und relativ bald die Polizei auf das Paar aufmerksam machte. Claudia Keikus erinnerte sich: „Plötzlich rauschte ein Polizeiwagen heran und ein Beamter fragte mich irgend etwas auf Französisch.“

Da sie kein Französisch sprach, ging sie von einer ersten Verwarnung aus. Ein zweites Polizeiauto kam wenig später, diesmal ein ganzer Mannschaftswagen. Aber statt das Paar der Straße zu verweisen, stiegen die Polizisten aus und sperrten die Champs-Élysées für den Straßenverkehr - und ermöglichten so eine traumhafte Kulisse für ein besonderes Hochzeitsfoto.


Das jüngste Mitglied mit dem größten Preis

Der 13-jährige Uli Wolf gewann die gesamtdeutschen U-14-Meisterschaften im Schach. Es war eines der ersten Sportereignisse, die West und Ost wieder mit gemeinsamen Meisterschaften austrugen. Das besondere an dem Sieg war, dass das jüngste Mitglied des Schachvereins Huckarde auch die deutlich favorisierten DDR-Schüler schlug.


Schwarzmarktkarten für Dortmunder Opernball

25-jähriges Jubiläum feierte der Förderverein der städtischen Bühnen 1990, und der Dortmunder Opernball sollte Teil der Feierlichkeiten werden, die sich über das ganze Jahr hinziehen würden. Allerdings war nicht nur die Nachfrage nach Mitgliedschaften im Förderverein gestiegen - der hatte stark wachsende Mitgliederzahlen -, sondern auch nach Karten für den Ball. Eine Karte, die sonst zwischen 100 und 160 DM kosten sollte, wurde laut Ulrich-Andres Vogt, Vorsitzender des Fördervereins, für über 1000 DM schwarz gehandelt.

Auch für die Jubiläums-Theaterreise, die die Teilnehmer nach Hamburg zum „Phantom der Oper“ führen sollte, gab es mehr Mitglieder, die mit wollten, als Karten, die zu Verfügung standen. Unklar war noch, ob auch hierfür Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft wurden.

Mensa wird zum Hörsaal

Die Universität Dortmund war in den Planungen für das kommende Wintersemester und stellte fest: Lehrraum war Mangelware. „Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen“, kommentierte Prof. Dr. Müller-Böling, Rektor der Universität, die Lage.

Die „besondere Maßnahme“ für die Raumnot lag in der Umfunktionierung der Mensa zu einem Hörsaal. Die Vorlesungen sollten vor und nach dem Mittagessen gehalten werden - eine Lösung, die dem Studentenwerk als Betreiber der Mensa gar nicht zusagte: „Die Mensa ist zum Essen da“.

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