Die Lage für viele Sportklubs in Dortmund ist angespannt. Die Vereine leiden unter der Planung der Stadt. Unser Autor findet, dass die Verwaltung viel zu lange auf Verschleiß gelebt hat.

Dortmund

, 23.02.2019 / Lesedauer: 4 min

2000 Zuschauer kommen durchschnittlich pro Spiel, wenn die WWU Baskets in der Halle Berg Fidel in Münster auflaufen. Das Basketballteam aus der Domstadt spielt in der Pro B, das ist die dritthöchste Liga in Deutschland. 65 Kilometer entfernt ist das Zuhause des SVD 49 Dortmund. Der Dortmunder Basketballklub spielt nur eine Klasse tiefer. Aber hier kommen keine 100 Zuschauer zu den Partien in die Brügmannhalle. Beide Klubs trennen trotz des Unterschieds von nur einer Liga dennoch Welten. Sportlich, finanziell und vor allem in der Infrastruktur.

Auf der einen Seite die moderne, rund 3000 Zuschauer fassende Halle Berg Fidel in Münster, in der Bundesliga-Volleyball gespielt wird, die Basketballer aktiv sind und im Winter die Fußballer den Stadtmeister ausspielen. Auf der anderen Seite die marode Brügmannhalle, in der neben dem SVD auch der Tischtennis-Zweitligist Borussia Dortmund seine Heimspiele austrägt. Es ist, ohne Übertreibung, eine Halle zum Schämen. Und das in einer Stadt wie Dortmund, die sich gerne Sportstadt nennt.

„Was die Hallensituation betrifft, sind wir keine Sportstadt mehr.“
Peter Radegast, Trainer SVD49

„Unsere Halle ist katastrophal, sie ist die Schlechteste in ganz Profi-Deutschland. Wir haben ab und an nicht mal Warmwasser oder eine vernünftig funktionierende Beleuchtung. Wir schämen uns vor unseren Gegnern für die Halle“, sagte unlängst Evgeny Fadeev, Tischtennisspieler des BVB. Der Klub steht aktuell übrigens auf Rang eins der zweiten Liga, wird laut Aussage des Abteilungsleiters Bernd Möllmann aber auf einen Aufstieg verzichten. Auch aufgrund der Halle.

Spieler fahren lieber zu den Auswärtspartien

Ähnliche Reaktionen sind auch beim SVD 49 laut geworden. „Was die Hallensituation betrifft, sind wir keine Sportstadt mehr“, sagte Trainer Peter Radegast. Seine Spieler fahren mittlerweile lieber zu den Auswärtspartien, anstatt in der heimischen Brügmannhalle aufzulaufen. Die Hallenprobleme beziehen sich in Dortmund, wie auch Radegast in seinem Kommentar erkennen lässt, aber nicht allein auf die Brügmannhalle.

Die Halle Wellinghofen ist geschlossen, die Halle Aplerbeck 1 und auch die Halle Hörde 1. Letztere übrigens seit mittlerweile mehr als zwei Jahren. Alle sind sie sanierungsbedürftig. Die Sporthalle in Hörde steht sogar vor einem Abriss mit anschließendem Neubau. Die Stadt hat immer auf Verschleiß gelebt, anstatt die Hallen vernünftig instand zu halten. Ab Mai schließen für Renovierungsarbeiten dann auch noch die Hallen Aplerbeck 2, Brügmann 1 und Brügmann 2, im Januar 2020 die Halle Eving.

Der Stadtsportbund hat Ende Januar eine E-Mail an Dortmunds Sportdezernentin Birgit Zoerner geschrieben. Darin heißt es unter anderem, dass ab Mai 2019 der Zusammenbruch des Spiel- und Trainingsbetriebs drohe. So jedenfalls prognostiziere es der Sporthallenausschuss. Das betrifft unter anderem die Sportarten Handball, Basketball und Volleyball. Weiter steht in dem Brief, dass die Vereine mit Mitgliederverlusten rechnen müssen und in ihrer Existenz gefährdet seien. Es gab im Anschluss des Briefs zwar einen Austausch, aber noch keine konkreten Pläne der Verwaltung, wie die drohenden Probleme kurzfristig gelöst werden können.

Vereinen fehlen plötzlich Hallenzeiten

Auf die Frage, wie der Leistungs- und Amateursport in Dortmund auf hohem Niveau weiter gewährleistet werden soll, verweist die Stadt bislang auf „die Vielzahl von laufenden und bereits abgeschlossenen Sanierungsmaßnahmen und Neubauten im Rahmen der Förderprogramme des Kommunalinvestitionsförderungsprogrammes Kapitel I und II und Gute Schule 2020“. Gehandelt wird dabei nach dem Motto: Kein Euro vom Fördergeld wird liegen gelassen. Das ist aus Sicht der Stadt verständlich, geht aber auch auf Kosten der Vereine, denen plötzlich die Hallenzeiten fehlen.

Das Investitionsvolumen in die Sporthalleninfrastruktur im Zeitraum von 2017 bis 2021 beträgt nach Angaben der Stadt so „über 30 Millionen Euro“. Dass es hierbei zu mehreren, zeitgleichen Schließungen kommt, dürfe also niemanden verwundern.

Situation einer Stadt wie Dortmund nicht würdig

Trotz oder gerade wegen der Investitionsmaßnahmen der Stadt und der damit verbundenen Folgeprobleme ist die aktuelle Hallensituation einer Stadt wie Dortmund nicht würdig. Handball-Teams von Borussia Dortmund und des ASC 09 Dortmund müssen für den Trainingsbetrieb aktuell in die alte Sporthalle Asseln ausweichen. Hier hängen Fangnetze unter der Decke, damit sich lösende Teile nicht auf den Boden fallen. Das Wasser ist abgestellt. Duschen ist nach dem Training nicht möglich. In der Sporthalle Hörde 2 kommen die Zuschauer nur über das Spielfeld auf die Tribüne. Klubs aus dem Süden tragen zum Teil Heimspiele im Norden aus.

„Natürlich spricht sich das in der Bundesliga herum, dass der Zustand bei uns unter aller Würde ist.“
Andreas Heiermann, Abteilungsleiter Handball von Borussia Dortmund

Das Murren der Dortmunder Vereine wird deshalb lauter und lauter und dürfte bald wohl unüberhörbar sein. Zurecht. Denn auch die negative Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus wird immer größer. Die katastrophale Hallensituation ist längst nicht mehr nur ein Thema innerhalb Dortmunds. „Natürlich spricht sich das in der Bundesliga herum, dass der Zustand bei uns unter aller Würde ist. Ich wurde zuletzt erst bei einer Tagung der Handball-Bundesliga darauf angesprochen“, sagte kürzlich Andreas Heiermann, Abteilungsleiter Handball von Borussia Dortmund.

Das schadet dem Ansehen der Stadt

Der Verwaltung muss bewusst sein, dass die aktuelle Situation dem Ansehen der Stadt schadet. Was ist das für ein Signal nach außen, dass die Handballerinnen des BVB ihre ersten Europapokalspiele seit 14 Jahren in Hamm austragen mussten und ihre Bundesligapartien in Herdecke stattfinden lassen, weil es für das Team bis auf die aktuell geschlossenen Halle Wellinghofen keine geeignete Spielstätte in der 600.000-Einwohner-Metropole gibt.

Die Probleme sind nicht neu, seit Jahren machen die Vereine darauf aufmerksam, dass die Hallen marode und nicht mehr zeitgemäß sind. Seit Jahren gibt es die lauten Rufe nach einer modernen Sporthalle, wie es sie zum Beispiel in Hamm, Münster und Essen gibt. Die Stadt reagiert jetzt. Ja, das macht sie. Aber viel zu spät.

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