Im Impfzentrum Phoenix-West wurden schon viele Impfdosen unters Volk gebracht. Im Vergleich zu anderen Städten allerdings eher weniger. © Stephan Schütze
Impfvergleich der Städte

Dortmund gegen Gelsenkirchen: Wer impft schneller?

Im Fußball ist Dortmund dieses Jahr deutlich besser als der Rivale aus Gelsenkirchen. Doch wie sieht es bei den Corona-Schutzimpfungen aus? Wir haben den Impfvergleich der Großstädte gezogen.

Der FC Schalke 04 ist in diesem Jahr aus der ersten Bundesliga abgestiegen. Währenddessen beendete der direkte Konkurrent im Revier Borussia Dortmund eine solide Saison auf dem dritten Platz.

In der eh schon hitzigen Rivalität zwischen Gelsenkirchen und Dortmund ist das natürlich Feuer für die Dortmunder. Allerdings gibt es eine Sache, in der Gelsenkirchen scheinbar besser ist als Dortmund im Fußball spielen.

In einem Städtevergleich mit weiteren Großstädten aus dem Ruhrgebiet und NRW ist Dortmund das Schlusslicht, wenn es um die Corona-Schutzimpfungen geht.

Dortmund impft schlechter als Gelsenkirchen und Münster

Zumindest, wenn man den nun veröffentlichten Zahlen glaubt: Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) veröffentlicht regelmäßig „Impfberichte“ aus Impfzentren, Arztpraxen und von den mobilen Impf-Teams. Rechnet man diese zusammen, ergibt sich eine Tendenz, wie viele Impfungen es in den jeweiligen Städten bislang gab.

Die KVWL hat in einer Pressemitteilung am Montag (12. Juni) nun eigene Impfquoten bekanntgegeben: Demnach liege der Durchschnitt der Erstimpfungen in Westfalen-Lippe bei 73 Prozent.

Bei den Erstimpfungen sei demnach Münster gemeinsam mit dem Kreis Olpe Spitzenreiter: Dort seien bereits 85 Prozent der über 18-Jährigen mit einer ersten Dosis versorgt worden. In Gelsenkirchen seien es 74 Prozent, in Bochum und Dortmund 71 Prozent.

Bei den vollständig Geimpften liegt Münster laut den KVWL-Berechnungen mit 66 Prozent ebenfalls vorne, gefolgt von Gelsenkirchen (59 Prozent), Dortmund (55 Prozent) und Bochum (54 Prozent).

Für diese Quoten hat sich die KVWL nur auf die über 18-Jährigen bezogen und eine entsprechende Einwohnerzahl aus dem Jahr 2019 genutzt, wie Pressesprecherin Vanessa Pudlo unserer Redaktion auf Nachfrage erklärt. Und: Es werden alle Menschen gezählt, die geimpft wurden, unabhängig vom jeweiligen Wohnort, wie KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo erklärt. Also: Die Essenerin, die im Dortmunder Impfzentrum geimpft wurde, wird in der Dortmunder Impfquote gezählt.

Außerdem sind in diese Impfquote noch Impfungen aus den Krankenhäusern eingeflossen – für die es aber keine öffentlich zugänglichen Statistiken oder entsprechende Impfberichte gebe, so Pudlo. Die KVWL übermittle diese Zahlen normalerweise direkt als Service für die Krankenhäuser an das Robert-Koch-Institut (RKI), für die Pressemitteilung habe man diese aber herausgesucht und für die Berechnung mit berücksichtigt.

In den Impfquoten fehlen außerdem Zahlen zu den Impfungen bei Betriebs- und Privatärzten: Diese Daten werden nämlich direkt an das Robert-Koch-Institut (RKI) weitergeleitet, die KVWL bekommt sie nicht zu sehen.

Alles in allem kann man wohl sagen: Die berechneten und veröffentlichten Quoten KVWL geben eher eine grobe Orientierung als dass sie einem Anspruch auf Präzision genügen würden.

Bonn ist Spitzenreiter

Die Tendenz jedoch stimmt – an ihr ändert sich auch wenig, wenn man eine andere, komplett öffentlich zugängliche Grundlage nimmt und entsprechende Berechnungen anstellt: Mit den öffentlich zugänglichen Daten aus den Impfzentren, Arztpraxen und von mobilen Teams von der KVWL und der KVNO (Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein) haben wir selbst anhand von aktuelleren Einwohnerzahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2020, die wir auch für unsere täglichen Impf-Updates nutzen, an dieser Stelle die Impfquoten berechnet. Die Einwohnerzahl aus 2020 ist die aktuellste, die man für alle betrachteten Städte momentan bekommen kann, um eine Vergleichbarkeit herzustellen.

Mit 339.174 Erstimpfungen (Stand: 12.6.2021) bei offiziell 587.028 Einwohnern – Stand 2020, wie gesagt – ist Dortmund mit 58 Prozent nämlich auch hier das Schlusslicht. Die in der Größe und Infrastruktur vergleichbare Stadt Essen liegt mit 59 Prozent vor Dortmund. Dort leben 582.748 Menschen (Stand 2020), also etwas weniger als in Dortmund. Dennoch hat Essen etwas mehr geimpft – 343.491 ist die Zahl der Erstimpfungen.

Düsseldorf liegt mit 62 Prozent (381.351 Impfungen bei offiziell 620.021 Einwohnern) vor Dortmund, Spitzenreiter ist das deutlich kleinere Bonn (329.364 Einwohner) mit einer Impfquote von 67 Prozent (219.393 Erstimpfungen).

Bei diesen Impfquoten fehlen ebenfalls die Betriebs- und Privatärzte sowie auch die Impfungen in Krankenhäusern. Außerdem beziehen sie sich auf die gesamte Bevölkerung. Im Wesentlichen deshalb unterscheiden sich diese Impfquoten von denen der KVWL. Klar wird aber: Die Tendenz ist ähnlich.

Bei den Zweitimpfungen ist Dortmund mit 41 Prozent (238.854 Zweitimpfungen) wieder das Schlusslicht, auch hier liegt Bonn mit rund 50 Prozent deutlich vorne (164.617 Impfungen).

Weniger Zweitimpfungen in NRW

Bei den offiziellen Impfquoten der KVWL ist Dortmund schon länger das Schlusslicht in der Region. Die Quoten wurden deshalb auch mehrfach von der Dortmunder Stadtspitze kritisiert. Laut Oberbürgermeister Thomas Westphal gebe es keine gemeinsame Grundlage unter den Städten, Sozialdezernentin und Corona-Krisenstableiterin Birgit Zoerner sieht eine eingeschränkte Aussagekraft in den Impfberichten – weil eben nicht alle Impfungen in Dortmund dort einfließen.

Was sich aber in Dortmund zeigt, ist ein ziemliches Gefälle bei den Zweitimpfungen, verglichen mit dem Champion. Die KVWL appelliert deshalb an alle Menschen, sich um einen Termin zu bemühen, Angebote gebe es genug. Denn: „Nur wer auch die zweite Impfung erhält, hat den vollen Impfschutz“, so der KVWL-Vorstand Dr. Dirk Spelmeyer, Dr. Volker Schrage und Thomas Müller. Das sei auch für den Schutz der Delta-Variante wichtig.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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