Busfahrer-Mangel in Dortmund - aber DSW21 lehnt erfahrenen Rentner ab

dzNahverkehr

Das Fahrpersonal bei DSW21 ist oft knapp, Nachwuchs zu finden wird schwieriger. Ein Fahrer will als Rentner auf 450-Euro-Basis weiter auf Strecke. Der Betriebsrat bremst.

Dortmund

, 17.04.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmunds Nahverkehrsunternehmen DSW21 kann zwar genug Busfahrer ausbilden und frei werdende Stellen noch mit eigenen Nachwuchskräften besetzen – aber „die Probleme in der gesamten Branche“ sind laut Pressesprecherin Britta Heydenbluth auch in Dortmund spürbar: „Es wird schwieriger.“

Da stellt sich die Frage, warum ein erfahrener Busfahrer als Rentner nicht auf 450-Euro-Basis weiter fahren darf. Mit diesem Anliegen ist ein Fahrer im Rentenalter (Name der Redaktion bekannt), an das Unternehmen herangetreten. Die Antwort soll ihm der Betriebsrat geliefert haben: „Wer in Rente geht, soll seine Rente genießen, hat man mir gesagt – oder zur Konkurrenz gehen und dort weiter fahren.“

Busfahrer soll Rente genießen

Aus zwei Gründen kann der Busfahrer diese Antwort nicht nachvollziehen: Erstens sei es seine Privatsache, ob und wie er die Rente „genieße“. Und zweitens fehle DSW21 schon jetzt so viel Personal, dass Fahrer ihre freien Tage verschieben müssten, damit auf Ausfälle reagiert und der Fahrplan eingehalten werden könne. Das Unternehmen müsste also ein eigenes Interesse daran haben, ehemalige Angestellte als Aushilfskräfte zu beschäftigen.

Auf den 75 Buslinien in Dortmund und Castrop-Rauxel beschäftige DSW21 „Fremdfirmen“, sagt Britta Heydenbluth. Also jene Unternehmen, mit denen man auf dem Arbeitsmarkt um das Fahrpersonal konkurriere. Der langjährige Busfahrer versteht nicht, dass sein Arbeitgeber DSW21 auf die Berufserfahrung und Insider-Kenntnisse eines dann ehemaligen Vollzeitbeschäftigten verzichten möchte. Der Chef würde sein Okay geben, habe aber auf das Betriebsrats-Veto verwiesen.

Britta Heydenbluth sagte, dass DSW21 „aktuell“ keine Busfahrer auf 450-Euro-Basis beschäftige. Aber in Zukunft müsse man darüber nachdenken, das zu ändern. Konkrete Pläne gibt es dafür allerdings nicht.

Auf 75 Buslinien unterwegs

Bei DSW21 sind insgesamt 600 eigene Busfahrerinnen und -fahrer auf 75 Linien unterwegs. Die Busse legen täglich 40.000 Kilometer zurück. Bewerber ohne Bus-Führerschein müssen

  • mindestens 21 Jahre alt sein,
  • seit zwei Jahren einen Führerschein der Klasse B (Pkw) besitzen
  • eine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisen
  • nach der Ausbildung mindestens ein Jahr für DSW21 fahren
  • dürfen mit höchstens einem Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg aufgefallen sein

Auch die privaten Dortmunder Bus-Unternehmen leiden unter dem Fachkräftemangel. Früher standen ehemalige Bundeswehrsoldaten mit Bus-Führerscheinen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Mit Abschaffung der Wehrpflicht ist der Nachschub aus dieser Richtung gedämpft.

  • Die Führerschein-Ausbildung dauert sechs Monate und endet mit einer IHK-Prüfung (Klasse D, Berufskraftfahrer im Personenverkehr).
  • Wer die Klasse D bereits in der Tasche hat, geht in eine zwei Monate dauernde Ausbildung.
  • Pro Jahr stellt DSW21 40 neue Busfahrer ein. Etwa 40 verlassen das Unternehmen.
  • Während der Ausbildung zur Führerscheinklasse D zahlt das Unternehmen den Auszubildenden 2560 Euro brutto.
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