Dortmund bekommt den Toiletten-Mangel nicht richtig in den Griff

dzÖffentliche Toiletten

Dem Mangel an öffentlichen Toiletten will die Stadt mit dem Projekt „Nette Toilette“ begegnen - doch der Erfolg ist überschaubar. Was die Gründe sind - und wo es Anlass zu Optimismus gibt.

Dortmund

, 07.10.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist, findet Michael Westermeier, „grundsätzlich eine pfiffige Idee“. Der Betreiber des Hotels „Körner Hof“ war denn auch der erste, der sich bereit erklärt hat, sich an dem Projekt „Nette Toilette“ im Stadtbezirk Innenstadt-Ost zu beteiligen.

Bundesweit setzen 270 Städte und Gemeinden das Konzept um. Über eine App kann man sich informieren, wo das nächste kostenlose „stille Örtchen“ zu finden ist. Weil der Mangel an öffentlichen Toiletten für viele Dortmunder ein drängendes Problem ist, wie Bürgerumfragen immer wieder zeigen, beschloss der Rat im Dezember 2019, das Projekt „Nette Toilette“ stadtweit auszudehnen.

Basis sind die guten Erfahrungen, die man in Hörde seit 2015 mit der „netten Toilette“ macht.

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Die Idee: Gastronomen und andere Einrichtungen öffnen ihre Toiletten kostenlos und bekommen dafür eine Reinigungspauschale von knapp 120 Euro im Monat. In Hörde beteiligen sich sieben Gastronomen, drei öffentliche Einrichtungen von der Bezirksverwaltungsstelle bis zur Stadtteilagentur und die evangelische Kirchengemeinde. Die Lokale oder Einrichtungen, die mitmachen, sind mit einem großen Aufkleber mit dem Logo der Aktion gekennzeichnet.

Geld für 120 Standorte

Nach dem Ratsbeschluss vom Dezember 2019 sollte die „nette Toilette“ möglichst zügig in ganz Dortmund eingeführt werden. So hatte es Andreas Eller als Geschäftsführer des Vereins Stadtteilmarketing, der die Aktion stadtweit koordiniert, Anfang des Jahres angekündigt. Die Auswahl der Standorte soll in enger Abstimmung mit den Bezirksvertretungen laufen - mit dem Ziel, ein möglichst flächendeckendes Angebot zu schaffen.

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Doch dabei geht es offenbar nicht so gut und schnell voran wie geplant. Das Geld würde für zehn Toiletten pro Stadtbezirk beziehungsweise 120 Standorte stadtweit reichen. Die Karte auf der bundesweiten Internet-Seite „die-nette-toilette.de“ listet aktuell gerade aber einmal 39 „nette Toiletten“ in Dortmund auf - inklusive der zehn Alt-Standorte in Hörde, die sich aber auf das Ortszentrum konzentrieren. Von einem flächendeckenden Angebot kann auch hier noch keine Rede sein.

Die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost hat den „Toiletten-Etat“ sogar aus eigenen Mitteln aufgestockt. Hier wären bis zu 18 Toiletten-Standorte möglich, aktuell sind fünf Toiletten vertraglich gesichert - drei in Körne, zwei an der Kaiserstraße. „Gerade die ältere Bevölkerung ist froh, dass es so einen Anlaufpunkt gibt“, berichtet Michael Westermeier vom „Körner Hof“.

Fünf „nette Toiletten“ gibt es bereits im Stadtbezirk Innenstadt-Ost. Zuletzt kam das Haus Gobbrecht am Körner Hellweg dazu.

Fünf „nette Toiletten“ gibt es bereits im Stadtbezirk Innenstadt-Ost. Zuletzt kam das Haus Gobbrecht am Körner Hellweg dazu. © Schaper

Das Stadtbezirks-Marketing der Innenstadt-Ost wirbt deshalb weiter eifrig um weitere Standorte. Wie auch die anderen Innenstadt-Bezirke. In der Nordstadt gibt es eine „nette Toilette“ bislang nur im Depot an der Immermannstraße. Der Stadtbezirk Innenstaedt-West, zu dem auch die City gehört, verzeichnet gerade einmal drei „nette Toiletten“ - zwei in Dorstfeld, eine im Union-Viertel. Das Kreuz- und Klinikviertel sind bislang noch gar nicht vertreten. Ebensowenig wie die City.

Hier gebe es aber auch viele öffentliche Gebäude wie das Rathaus oder Stadthaus oder Kaufhäuser, deren Toiletten man nutzen könne, tröstet Oliver Krauss als Geschäftsführer der Bezirksvertretung Innenstadt-West. „Bei vielen Gastwirten gab und gibt es wohl Unsicherheiten wegen der Corona-Bestimmungen“, stellt er fest.

Bäckereikette macht gute Erfahrungen

Die, die dabei sind, machen gute Erfahrungen. So wie die Bäckerei-Kette Grobe, die gleich in vier Filialen in Dortmund ihre Toiletten auch für Nicht-Kunden geöffnet hat. „Für uns ist das auch ein Teil von gesellschaftlicher Verantwortung“, sagt Grobe-Geschäftsführer Jürgen Hinkelmann. Probleme mit übermäßiger Verunreinigung habe es bislang nicht gegeben. Er könne die Teilnahme am Programm „nur empfehlen“.

Nachholbedarf gibt es auch in den Außenstadtbezirken. Im Stadtbezirk Scharnhorst gibt es sechs, in Aplerbeck fünf, in Mengede vier, in den Stadtbezirken Hombruch, Brackel und Lütgendortmund je zwei „nette Toiletten“. In Huckarde und Eving gibt es aktuell noch gar keinen Standort.

Aber es ist Besserung in Sicht, verspricht Robert Litschke als Sprecher der Wirtschaftsförderung, der der Verein Stadtteilmarketing angegliedert ist. Zwei weitere Verträge - für das Dietrich-Keuning-Haus und den Kleingartenverein Westerholz in der Nordstadt - sind schon geschlossen, sodass nun 41 Standorte vorhanden seien. Die Corona-Krise habe die Akquise zwischenzeitlich gestoppt, sagt Litshcke. Seit Mai laufe die Standortsuche nun weiter.

Neue Verträge in Arbeit

„Aktuell werden vier Vertragsabschlüsse in Huckarde, vier weitere in Mengede sowie zwei in der Nordstadt vorbereitet“, listet Litschke auf. Dazu sollen noch zwei weitere Standorte in der Speicherstraße kommen. Dann wäre allein der Stadtbezirk Eving noch unversorgt. Hier hatten zuletzt die Vertreter des Seniorenbeirats Standorte für die „nette Toilette“ angemahnt.

„Wir sind zuversichtlich, dass am Ende des Jahres 2020 knapp die Hälfte des angestrebten Angebots von 120 netten Toiletten, über das ganze Dortmunder Stadtgebiet verteilt, erreicht werden kann“, bilanziert Litschke. Und die bewilligten Finanzmittel, die 2020 nicht genutzt werden, gehen nicht verloren. Sie sollen für den Ausbau der Standorte im Jahr 2021 genutzt werden.

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