Diese Firma aus Dortmund macht indische Lkw umweltfreundlicher

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Während in Deutschland über Betrug an Diesel-Normen diskutiert wird, werden sie in anderen Staaten erst eingeführt. Eine Dortmunder Erfindung geht deshalb um die Welt.

Dortmund

, 02.12.2019, 11:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Dortmunder Unternehmen Albonair ist einer dieser verborgenen Champions, von denen es in Nordrhein-Westfalen einige gibt. Im Schatten der Öfen von Phoenix West stellt die Firma ein Produkt her, das international gefragt ist. Und obwohl es dabei um die in Deutschland umstrittenen Diesel-Motoren geht, wächst der Markt – zusammen mit dem globalen Umweltbewusstsein.

„Eine heile Welt“

Dr. Georg Hüthwohl hat Albonair 2008 in Dortmund gegründet. Der gebürtige Paderborner beschäftigt sich seit dem Studium an der RWTH Aachen mit Abgasen. Inzwischen hat das Unternehmen 160 Mitarbeiter.

Diese Firma aus Dortmund macht indische Lkw umweltfreundlicher

Die Dosiereinrichtung von Albonair. © Stephan Schütze

Diese arbeiten an einem Bauteil für Lkw-Katalysatoren. Ein Katalysator entfernt schädliche Stickoxide aus Diesel-Abgasen – bei modernen Systemen bis zu 98 Prozent. Für die entsprechende chemische Reaktion wird eine Harnstoff-Wasser-Lösung, bekannt als „AdBlue“, vor dem Katalysator in das Abgas eingespritzt.

Der Harnstoff zersetzt sich in Ammoniak, das am Katalysator mit den schädlichen Stickoxiden reagiert. Dabei entstehen Wasser und harmloser Stickstoff. Ein für diesen Prozess nötiges Dosiersystem baut Albonair.

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„Eigentlich ist das eine richtig schöne heile Welt, wenn aus zwei schädlichen Stoffen – Stickoxide und Ammoniak – zwei harmlose werden“, sagt Georg Hüthwohl.

Expansion nach Indien

Jeder Staat, der seine Vorschriften zu saubereren Abgasen verschärft, sei ein potenzieller neuer Markt, sagt Georg Hüthwohl. Ein großer Schritt stehe Albonair 2020 bevor. Im April werde Indien die Abgasnorm BS VI einführen, die auf der Euro VI Norm basiert. Albonair werde dann den zweitgrößten indischen Lkw-Hersteller Ashok Leyland beliefern.

„Für uns bedeutet das, dass wir etwa 120.000 Systeme mehr im Jahr herstellen können. Im Moment produzieren wir in Dortmund für den europäischen Markt etwa 150.000 Systeme im Jahr“, sagt Georg Hüthwohl. Für Indien werde mit deutschen Komponenten in einem neuen Werk in Chennai (Indien) produziert.

Nicht fürs Klima, aber für die Umwelt

Um den Klimawandel geht es beim Produkt von Albonair nur zweitrangig. Denn die Schadstoffe, die aus den Abgasen entfernt werden, sind zwar schlecht für die Umwelt, tragen aber nicht direkt zum Klimawandel bei.

Einen Effekt gibt es aber doch, erklärt Georg Hüthwohl. Denn, wenn ein Diesel- Motor mehr Stickoxide ausstoßen kann, die durch einen Katalysator wieder reduziert werden, arbeite der Motor effizienter.

Ein guter Katalysator könne so dazu beitragen, den Treibstoffverbrauch von Lkw um fünf bis zehn Prozent zu senken. Bei Fahrzeugen, die viele Zehntausend Kilometer im Jahr laufen, mache das einiges aus.

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WO DER KLIMAWANDEL JOBS SCHAFFT

Der Klimawandel ist aktuell ein großes gesellschaftliches Thema. Zahlreiche Firmen versuchen, die negativen Auswirkungen zu lindern, die Welt besser zu machen - mit innovativen Konzepten, mit Ideen oder ihrer Art, zu wirtschaften. Wir stellen einige Dortmunder Akteure vor.
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