Dieses Landschaftsschutzgebiet soll nicht länger dem Autoverkehr geopfert werden

dzVerkehrspolitik

Plötzlich hat ein Landschaftsschutzgebiet im Stadtnorden viel mehr Verkehr. Eine Anliegerstraße wurde für den Durchgangsverkehr geöffnet. Warum? Die Erklärung empört die Anwohner.

von Tobias Weskamp

Lanstrop

, 30.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ursprünglich fuhren nur die Anwohner auf dem schmalen Sträßchen, das Am Burhag heißt. Die Straße führt von der Lanstroper Straße in einem großen Bogen direkt durch das Landschaftsschutzgebiet Erlensundern. Aber seit 2015 ist die Straße auf Antrag der Bezirksvertretung für den allgemeinen Verkehr freigegeben, erinnerte Matthias Hüppe vom Arbeitskreis „Ja zu Lanstrop“ jetzt bei einem Ortstermin. Die Anwohner drängten vehement auf eine Lösung mit weniger Verkehr.

Statt Entlastung für Lanstrop ein „Schleichweg für Lüner Bürger“

Ziel der Verkehrsführung durch das Landschaftsschutzgebiet sollte eine Entlastung der Lanstroper Straße, die quer durch den Stadtteil führt, und des Ortskerns sein. „Also genau das Gegenteil von dem, was eingetreten ist“, sagt Hüppe. „Es wurde Verkehr nach Lanstrop gelockt, den wir vorher nicht hatten“, ist er überzeugt. „Früher haben diese Autofahrer andere Straßen genutzt“, bekräftigt Anwohner Kolja Delkus. „Das Naturschutz- und Naherholungsgebiet wurde aufgegeben zugunsten eines Schleichweges für Lüner Bürger.“

Dieses Landschaftsschutzgebiet soll nicht länger dem Autoverkehr geopfert werden

Teilweise wurde hitzig diskutiert. © Tobias Weskamp

Öffnung der Straße widerspricht mehreren Vorschlägen

Es gebe auch gegenteilige Maßnahmen, so warf Karl-Heinz Kibowski vom Allgemeinden Deutschen Fahrrad Club (ADFC) ein. „Nebenstraßen werden zum Beispiel zu Einbahnstraßen erklärt, damit sie nicht so belastet werden.“ Das Projekt „Nordwärts“ schlage die Umwandlung des Burhag in eine Fahrradstraße vor. Und der Beirat der unteren Naturschutzbehörde bitte sogar darum, zusammenhängende Freiräume zu schaffen, etwa durch die Sperrung wenig genutzter Straßen. Die aktuelle Verkehrslösung widerspreche all diesen Ansätzen, so Hüppe.

Man durfte gespannt sein, welche Gegenargumente dazu angeführt wurden. Franz Swaton, stellvertretender Leiter der Straßenverkehrsbehörde, erklärte, dass Straßen durch ein Schutzgebiet ganz normal seien. „Wir fänden es gut, wenn generell alle Straßen geöffnet werden. Das würde zur Entlastung beitragen“, sagte er. Und Scharnhorsts Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny (SPD) meinte: „Straßensperrungen gehen immer zu Lasten anderer Bürger.“ Die Awohner waren da ganz anderer Meinung. Auf eine Änderung jedoch konnte Swaton den anwesenden Bürgern keine Hoffnung machen: „Wir entscheiden aus sachlichen Gründen, daher würden wir einen entsprechenden Antrag ablehnen.“

Inzwischen nutzen etwa 400 Autofahrer die Straße Am Burhag pro Tag, schätzt Anwohner Kolja Delkus. Zum Vergleich erwiderte Swaton, dass man beispielsweise auf Hauptstraßen mit 800 bis 1200 Autos pro Stunde zu rechnen habe.

Keine großen Unfälle, aber kleinere Vorkommnisse

Meldungen der Polizei über größere Unfälle seien ihm nicht bekannt, beschrieb Swaton. Unfalllos sei die Straße aber keineswegs, widerspricht Matthias Storkebaum von den Linken. „Vor allem im Winter rutschen Autos schon mal ins Feld.“ Auch seien schon öfter Außenspiegel abgefahren worden, ergänzt Delkus.

Auch das Risiko für Spaziergänger und Fahrradfahrer habe zugenommen.

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