Dieser Unterführungs-Umbau-Plan ist einer der meistgehassten in Dortmund

dzBahnunterführung in Sölde

Noch ist an der Bahn-Unterführung in Sölde die Welt in Ordnung. Doch ein geplanter Umbau schreckt die Bürger auf. Jetzt sind auch Bürger in Sölderholz und Lichtendorf auf dem Baum.

Sölderholz

, 18.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie bürgernah ist die Stadtverwaltung und was für eine Rolle spielt die Deutsche Bahn? Es geht um den geplanten Ausbau der Bahnunterführung an der Vellinghauser Straße / Sölder Straße. Die sorgt mit ihrer Einspurigkeit und der Höhe von 3 Meter dafür, dass große Lkw nicht durchpassen - aber das soll sich ändern.

Stadt und Bahn planen den Umbau: Zweispurig soll die Straße werden und 4,20 Meter soll die Durchfahrtshöhe sein. Dann passt alles durch. Dagegen wehren sich schon seit Jahren die Anwohner der Sölder-, Vellinghauser- und Lichtendorfer Straße. In Sölde hat es schon Unterschriftensammlungen gegen den Bau gegeben. Nicht unbedingt gegen den zweispurigen Ausbau, aber gegen eine Erhöhung der Durchfahrt.

Unterschriftenliste gibt’s jetzt auch in Sölderholz

Auch in Sölderholz legen die Bürger jetzt ihr Veto gegen die geplante Durchfahrtshöhe ein. Auch in Form von Unterschriftenlisten. Das Ehepaar Hertes hat den Hut auf. „Wir wollen uns hinterher nicht sagen lassen, wir hätten es nicht versucht, den Umbau in dieser Form zu verhindern“, sagt Ingo Hertes. Er und seine Frau Ingeborg wohnen direkt an der Lichtendorfer Straße.

Dieser Unterführungs-Umbau-Plan ist einer der meistgehassten in Dortmund

Auch die Anwohner der Lichtendorfer Straße befürchten durch den Ausbau ein höheres Verkehrsaufkommen. © Jörg Bauerfeld

„Der Verkehr hat in den letzten Jahren enorm zugenommen“, sagt Ingeborg Hertes. Und die muss es wissen. Schließlich ist ihr jetziges Wohnhaus auch ihr Elternhaus. Der Verkehr sei eh schon schlimm genug. Und nun kommt bei den Hertes auch noch die Angst vor einem erhöhten Lkw-Aufkommen hinzu, mit dem zu rechnen ist, sollte die Bahnunterführung in der geplanten Höhe gebaut werden.

Ingeborg und Ingo Hertes sind nicht die einzigen, die sich gegen den Höhenausbau wehren. Mehr als 120 Unterschriften hat das Ehepaar gesammelt. „Wir sind einfach nur die Straße hoch“, sagt Ingeborg Hertes. „Ich brauchte noch nicht einmal viel zu sagen. Die haben alle sofort unterschrieben.“

Vielleicht hilft nur noch eine Klage

Was können die Bürger noch gegen den Ausbau der Unterführung unternehmen? „Ich befürchte, dass das Ding durch ist“, sagt Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel. Er und die weiteren Mitglieder in der Bezirksvertretung Aplerbeck hatten sich vehement gegen den Höhenausbau der Durchfahrt gewehrt. Aber: Keine Chance, der Rat der Stadt Dortmund war da anderer Meinung. „Vielleicht hilft noch eine Privatklage“, sagt Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel (SPD).

Jetzt wollen es die Bürger einfach noch einmal versuchen. „Der Verkehr und der Lärm ist ja jetzt schon kaum noch zu ertragen“, sagt Ingo Hertes. Feinstaub, Fahrbahnschäden und zu schnelles Fahren, das alles sei jetzt schon an der Tagesordnung. Wenn noch die Lkw hinzukämen, befürchten die Hertes noch mehr Verkehr. Darum hat Ingo Hertes Briefe geschrieben: an Stadtdezernent Ludger Wilde, an Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel und an die Fraktion der Grünen in Aplerbeck.

Die Bürger erwarten eine Zurücknahme der Planung

„Wir erwarten die Zurücknahme dieser Maßnahme“, steht unter dem Schreiben. Aber: Ist die Angst berechtigt? Sagen wir es so, die Sölder Straße, die zur Vellinghauser Straße und schließlich zur Lichtendorfer Straße wird, wäre eine prima Verbindung zwischen der B1 und der A1, falls es dort einmal voll werden sollte.

Die Bezirksvertretung hat Maßnahmen beschlossen, die den übermäßigen Lkw-Verkehr verhindern sollen. Beispielsweise eine Durchfahrtsbeschränkung für Lkw. Es scheint aber so, als ob die Stadt Dortmund ihre Idee umsetzen wird. Federführend ist jetzt die Deutsche Bahn verantwortlich, die Stadt beteiligt sich finanziell. Beginnen sollen die Arbeiten Ende 2019, wenn die Bürger in Sölde, Lichtendorf und Sölderholz nicht doch noch Erfolg haben.

KOMMENTAR
Schilder werden wenig helfen

Es bleibt die Frage im Raum stehen: Warum muss die Bahnunterführung unbedingt eine Höhe bekommen, die schweren Lkw die Durchfahrt ermöglicht? Dezernent Ludger Wilde gab sich auf einer Bürgerversammlung alle erdenkliche Mühe, dies zu begründen. Gelungen ist ihm das aber nicht. Die Sorge vor einem vermehrten Schwerlastverkehr ist größer. Der führt dann an einer Grundschule und an zwei Kindergärten vorbei. Und ganz im Ernst: Da helfen auch keine Schilder. Ich sehe schon meine Anfrage an die Stadt, warum auf der Sölder Straße so wenig die Durchfahrtsbeschränkung kontrolliert wird. Und die Antwort weiß ich auch schon - „Wir haben nicht genug Personal.“ So wird’s kommen. Wetten?
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