Diese Videospiele machen Senioren mobil und halten sie gesund

dzWohnstift „Auf der Kronenburg“

Die neueste Spiele-Konsole? Darüber wissen in der Regel Kinder und Jugendliche Bescheid. Von der Memore-Box haben aber zuerst andere gehört.

Südost-Stadt

, 13.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ist ein Schlag für alle Video-Spieler, die sich für informiert halten. Von der Memore-Box haben zuerst die Bewohner des Seniorenstifts „Auf der Kronenburg“ gehört. Besser noch, sie sind als Tester sogar direkt an der Entwicklung des Gerätes beteiligt.

Die Menschen, die momentan in dem Seniorenhaus an der Märkischen Straße leben, gehören zu einer Generation, die bislang praktisch keinen Kontakt zu Computerspielen hatte. Jetzt drängen viele von ihnen dreimal pro Woche für eine Stunde in den Gemeinschaftsraum in der dritten Etage.

Hoch her geht es, wenn eine neue Bestleistung aufgestellt wird oder wenn man über die beste Strategie zum Erfolg diskutiert. Es ist die Memore-Box, die so für heitere Stimmung sorgte.

Konsole wird bundesweit getestet

Die Memore-Box ist eine Spielkonsole, die noch in der Entwicklung ist und in einer Pilot-Phase gerade in hundert Seniorenheimen in Deutschland getestet wird - „bundesweiter Roll-out“ heißt das im Fachjargon. Der Wohnstift Auf der Kronenburg und die Seniorenresidenz Dortmund Körne gehören dazu.

„Wir sehen in der Spielkonsole einen positiven Ansatz für die Digitalisierung der Gesundheitsprävention“, sagte Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer. Die Krankenkasse entwickelt die Box zusammen mit dem Berliner Start-up Retro-Brain R&D.

Diese Videospiele machen Senioren mobil und halten sie gesund

Das Spiel Kegeln hat einen höheren Schwierigkeitsgrad. Die Spielerin muss eine deutliche ausholbewegung mit dem Arm machen und dann die Hand öffnen, damit ihre Spielfigur die Kugel loslässt. © Holger Bergmann

Die gesammelten Daten werden nach der Testphase von der Berliner Charité, der Humboldt-Universität sowie der Alice-Salomon-Hochschule ausgewertet. Eine frühere Pilotphase hatte bereits nachgewiesen, dass das Spielen an der Konsole das Erinnerungsvermögen, die Stand- und Gang-Sicherheit, die Ausdauer sowie die Konzentration fördert.

Spiele-Konsole sammelt Daten

Die Spiele-Konsole misst die Leistung der Spieler und sammelt so Gesundheits-Daten. Jeder Spieler wird registriert und die Konsole passt die Herausforderungen an die bisher gezeigten Leistungen des Spielers an. Ein gesunder Spieler hat so beim gleichen Spiel ein anderes Erlebnis als ein Spieler im Rollstuhl oder einer, der im Bett liegt.

Ja genau, auch bettlägerige Menschen können die Konsole über Körperbewegungen bedienen. Dazu wird das Gerät in das jeweilige Zimmer gerollt. Bei einem der sechs bislang programmierten Spiele lenkt man zum Beispiel ein Motorrad nur mit Schulterbewegungen. Ein Sensor der Konsole kann feinste Bewegungen erkennen.

Wenn einer spielt, haben alle Spaß

Dabei haben die Spieler aber nie das Gefühl, in einer Reha-Anwendung zu sitzen. Eine sehr hübsch gestaltete Optik, eine Musikauswahl bekannter Melodien und natürlich die Anfeuerungsrufe der anderen Spieler - „Du musst mit dem Arm von hinten mehr Schwung nehmen“ - sorgen vor allem für Unterhaltung.

Im Wohnstift „Auf der Kronenburg“ dürfen alle Bewohner spielen, aber fünf nehmen an der Studie über die Wirkung des Spielens teil. Für sie gibt es feste Spielzeiten. Das hat sich als Privileg herausgestellt, denn durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat das Video-Spielen im Haus immer mehr Freunde gefunden. Es wird eng im Spielzimmer.

Einzigartiges Projekt in Deutschland

Laut Barmer gibt es bislang in Deutschland kein vergleichbares Projekt. Betreiber von Seniorenheimen müssen also erst mal keine Sorge haben, dass sie eines Tages zwischen unterschiedlichen Spielekonsolen entscheiden müssen. Anders als in so manchen Kinderzimmern, in denen die Entscheidung zwischen Playstation und Xbox eine Glaubensfrage ist.

Wann die Memore-Box serienreif ist für den Einsatz in allen Einrichtungen für Senioren, ist noch nicht bekannt. Aber die Zeit drängt auch nicht. Bis die ersten Bewohner einziehen, für die das Zocken an Spielekonsolen selbstverständlich ist, wird es noch dauern.

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