Welche Regeln gelten an Weihnachten in den den Dortmunder Pflegeheimen? (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Corona-Schutzverordnung

Diese Regeln gelten jetzt in Dortmund für den Besuch im Seniorenheim

Die Pflegeheime sollen an Weihnachten für Besucher geöffnet bleiben. Welche Regeln gelten jetzt? Und wie gehen die 61 Seniorenheime in Dortmund damit um? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

In Dortmund gibt es 61 Seniorenheime. Ein generelles Besuchsverbot an den Feiertagen soll es nicht geben – trotz harten Corona-Lockdowns. In Dortmund warnt man aber davor, an Weihnachten die Heime zu stürmen. Welche Regeln gelten genau? Was gilt es zu beachten? Wie wird getestet? Diese und weitere wichtige Fragen beantworten wir:

Sind Besuche im Seniorenheim noch möglich?

Solange nicht wegen eines Corona-Ausbruchs Besuchsverbot herrscht: ja. „Besuche verbieten wollen wir nicht und machen wir auch nicht“, sagt Stefanie Scheer, Leiterin des Johanniter-Stifts in Hörde. Das gilt für alle Heime in Dortmund.

Aber Jens Fritsch, Geschäftsführer der Diakonie-Ruhr-Gruppe, sagt auch: Die von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ausgesprochene Besuchsgarantie für Pflegeheime sei fahrlässig und verantwortungslos. Durch diese Garantie könnten sich Menschen in falscher Sicherheit wiegen. „Wir bitten, die Besuche auf das Nötigste zu begrenzen und sich vorher anzumelden“, schreibt er in einem offenen Brief an die Angehörigen.

Auch Martin Kaiser, Leiter der Städtischen Seniorenheime, warnt: „Das Virus ist nicht im Haus – es kommt von außen.“ Er könne nicht verstehen, dass Baumärkte geschlossen würden, aber Pflegeheime geöffnet bleiben – und wiederholt deshalb seinen Appell: „Bleibt bitte zuhause!“ Es gebe genug Möglichkeiten des digitalen Kontakts wie die Videotelefonie.

Droht an Weihnachten ein Run auf die Altenheime?

Die Hoffnung aller Pfleger, Einrichtungsleiter und Träger ist, dass ein Ansturm ausbleibt. Dafür haben sie Handzettel ausgelegt, Briefe verschickt oder Aushänge aufgehängt, auch um über die Besuchsregelungen zu informieren. Die Angehörigen und Bewohner seien das ganze Jahr über verständnisvoll gewesen. „Wir haben das schon am Muttertag erlebt und wurden nicht überrannt“, sagt Stefanie Scheer.

Wie die Besuche geregelt würden, solle jedoch stärker den Heimen überlassen werden, fordert Martin Kaiser. „Wir kennen die Bewohner, wir wissen, ob sie dringend Besuche brauchen.“

Und: „Wir können die Bewohner nicht so schützen, wie sich Minister, die keine Ahnung von Pflege haben, das vorstellen“, sagt Martin Kaiser. „Jetzt zu Oma und sie dann im neuen Jahr tot raustragen? Das ist das, worum es geht.“ Er würde „den Teufel tun“, seine 95-jährige Mutter jetzt zu besuchen.

Welche Regeln gelten für die Besuche?

In Dortmund gibt es 61 dauerstationäre Pflegeeinrichtungen mit 5710 Plätzen. Alle Einrichtungen haben eigene Besuchskonzepte – bei manchen ist beispielsweise eine Anmeldung erforderlich.

Grundsätzlich gilt die Corona-Schutzverordnung des Landes: Jeder Bewohner darf zwei Besuche von jeweils zwei Menschen empfangen. Außerhalb des Gebäudes dürfen es jeweils vier Menschen sein.

Seit Mittwoch ist das Tragen von FFP2-Masken dabei vorgeschrieben. Zudem werden vor dem Besuch vor Ort mögliche Symptome abgefragt und die Temperatur gemessen.

Info

Aus der aktuellen Corona-Schutzverordnung für Pflegeheime:

Darin heißt es: „In Pflegeheimen und vergleichbaren Einrichtungen der Eingliederungshilfe/Behindertenhilfe werden die Test- und Hygieneregeln nochmal verschärft. Besucher müssen grundsätzlich FFP2-Masken tragen. Ihnen soll soweit möglich vor dem Besuch ein Schnelltest empfohlen und angeboten werden. Beschäftigte müssen alle drei Tage getestet werden und beim direkten Kontakt etwa mit Pflegebedürftigen ebenfalls FFP2-Masken tragen. Auch Bewohnerinnen und Bewohner sind regelmäßig zu testen.“

Einige Einrichtungen haben zusätzliche Besucherräume eingerichtet wie bei den Johanniter Seniorenhäusern in Hörde: Die Angehörigen treten auf Wunsch von außen über die Terrassentür in die Kabine ein. Dafür ist eine Anmeldung erforderlich. Andere Seniorenheime lassen den Besuch auf dem Zimmer zu.

Was ist, wenn in einer Einrichtung Covid-19 aufgetreten ist?

Wegen eines Corona-Ausbruchs können einzelne Wohnbereiche oder ganze Einrichtungen auch während der Feiertage geschlossen sein – somit sind dort auch keine Besuche möglich. Das ist aktuell zum Beispiel im Fritz-Heuner-Heim der Diakonie in Barop der Fall.

Werden Besucher in den Einrichtungen getestet?

Eine einheitliche Regelung gibt es in Dortmund nicht. Laut Stadtsprecherin Anke Widow müssen Besucher damit rechnen, sich vor dem Besuch einem kostenlosen Corona-Schnelltest zu unterziehen. Aber: Einrichtungen sind nicht verpflichtet, Besucher zu testen.

Wer Symptome wie Fieber, Schnupfen, Kopfschmerzen, Husten, Halsschmerzen oder Geruchs- oder Geschmacksverlust hat, muss draußen bleiben. „Diese Testung ist nicht dafür gedacht, Erkältungssymptome abzuklären“, sagt Anke Widow.

In den acht städtischen Seniorenheimen gibt es Test-Termine nach Absprache. Auch das Altenzentrum Der Gute Hirte am Nordmarkt bietet kostenfreie Schnelltests für Angehörige nach Anmeldung an, ebenso die sechs Standorte der Caritas Dortmund. Die Tests seien in ausreichender Zahl vorhanden – die Kritik jedoch lautet: „Personelle Extra-Ressourcen bekommen wir hierfür nicht“, sagt Sarah von Borzestowski, Sprecherin des Caritasverbandes.

Die beiden Seniorenheime der Johanniter bekommen dafür Unterstützung von der Johanniter-Unfallhilfe. Dreimal pro Woche testen sie Personal und Bewohner, doch nur in der kleineren Einrichtung an der Virchowstraße können aufgrund mangelnder Kapazitäten auch bei Besuchern Abstriche genommen werden.

Warum ist der POC-Test nicht verpflichtend?

Der Tenor: Die Schnelltests seien sinnvoll – aber es fehle an Zeit und Personal, um Bewohner, Pfleger und auch noch jeden Besucher zu testen. Seit Monaten seien die Mitarbeiter an den Grenzen ihrer Belastbarkeit. „Wir dürfen zwar zusätzliches Personal einstellen, aber das Personal gibt’s nicht, der Markt ist leer“, sagt Stefanie Scheer vom Johanniter-Stift.

Die Tests seien theoretisch sehr gut, sagt Martin Kaiser. „Aber wir können nicht jeden Besucher testen“, sagt er und weist auf den Personalnotstand hin. „Wir haben entschieden, wir pflegen.“

Auch die Stadt kann die Einrichtungen bei der Durchführung der Schnelltests nicht unterstützen. Aus der Pressestelle heißt es dazu: „Drohen vor Ort personelle Engpässe, sodass die Versorgung der Bewohner gefährdet sein könnte, so kann die Stadt Dortmund zum Beispiel für Unterstützung durch zusätzliche Kräfte aus dem Freiwilligen-Register des Landes sorgen.“

Caritas und Alloheim bitten die Dortmunder um Hilfe: Geschultes medizinisches Fachpersonal, das ehrenamtlich bei den Testungen unterstützen könne, sei herzlich willkommen.

Wie zuverlässig sind die Schnelltests überhaupt?

Der Antigenschnelltest oder POC-Test reagiert auf die Eiweißbestandteile des Coronavirus. Im Nasen- und Rachenraum weist er mögliche Ablagerungen des Proteins nach – ähnlich wie beim Schwangerschaftstest im Urin. Für ein positives Ergebnis muss eine große Menge Viren vorhanden sein.

Das bedeutet: Wer noch keine Symptome zeigt oder einen milden Verlauf hat, bei dem kann der Test fälschlicherweise negativ ausfallen. Sollte der Test positiv ausfallen, muss das Ergebnis noch mit einem PCR-Test im Labor überprüft werden.

„Die Tests sind nur eine Momentaufnahme“, sagt Stefanie Scheer. „Sie ersetzen auch nicht die AHA-Regeln. Wenn das alle ordentlich umsetzen, kommen wir einen großen Schritt weiter.“

Können Oma und Opa an Weihnachten nach Hause geholt werden?

Grundsätzlich ja, sofern keine Quarantäne angeordnet ist. Dazu rät aber niemand. Alle Träger und Leiter appellieren an das Verantwortungsbewusstsein der Angehörigen.

Wer die Eltern oder Großeltern trotzdem abholen möchte, muss wissen: Auch zuhause ist es wichtig, den Abstand einzuhalten, auf Hygiene zu achten und Maske zu tragen. Bis zu sechs Stunden dürfen die Seniorenheimbewohner ihre Einrichtungen verlassen. Wer länger wegbleibt, muss sich danach in Quarantäne begeben.

Wie feiern die Seniorenheime Weihnachten – oder fällt das Fest aus?

Große Feiern sind nicht möglich. Aber unter Einhaltung aller Vorgaben wollen die Dortmunder Einrichtungen trotzdem Weihnachtsstimmung unter den Bewohnern verbreiten.

In der Adventszeit gab es beispielsweise bei der Caritas bereits Vorlesestunden und Filmnachmittagen. „Gottesdienste wird es in den Einrichtungen dennoch geben, sowie Andachten auf den Wohnbereichen an Heiligabend und auch das Christkind wird zur Bescherung unsere Einrichtungen besuchen“, sagt Sarah von Borzestowski.

Auch bei den Johannitern gibt es für Weihnachten Pläne. „Wir wollen persönlich hingehen und ‚Weihnachten to go‘ verschenken“, sagt Stefanie Scheer. So solle die möglicherweise aufkommende Traurigkeit aufgefangen werden.

Die städtischen Seniorenheime stellen ebenfalls Weihnachtsbäume und Krippen in den Wohnbereichen auf. „Natürlich werden wir feiern“, sagt Martin Kaiser. Weihnachten im Seniorenheim werde besser gefeiert als in manchen Familien. 2020 vor allem: „Geschützt, mit Abstand.“

Was denken die Altenheimbewohner selbst?

Wir haben mit Annegret Eichert aus dem Johanniter-Stift in Hörde gesprochen. Sie will an Weihnachten in ihrer Einrichtung bleiben. „Wir haben doch alles hier“, sagt die 70-Jährige. „Wir kriegen einen Tannenbaum, wir werden lecker essen – jeder an einem einzelnen Tisch natürlich – es wird eine Geschichte erzählt, es gibt Weihnachtsmusik. Ich glaube kaum, dass jemand etwas vermissen wird.“

Ihr sei es zu gefährlich, Familie und Freunde zu treffen. Annegret Eichert hat mehrere Autoimmunerkrankungen. „Hier schützen sich alle. Es ist auch ein sehr schöner Verein auf meiner Etage. Ich habe das Gefühl, wirklich zuhause zu sein.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Sarah Bornemann, Jahrgang 1986, arbeitet seit Oktober 2013 als Redakteurin in der Dortmunder Lokalredaktion. Sie hat Journalistik in Leipzig sowie Germanistik und Soziologie in Münster studiert. Für das Volontariat bei Lensing Media kehrte sie nach sieben Jahren ins Ruhrgebiet zurück.
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