Hölle statt Dschungel: Diese neuen Entwürfe für die Graffitiwand wurden abgelehnt

dzNach Rassismus-Diskussion

Das Dschungel-Wandbild an der Münsterstraße soll verschwinden. Da sind sich viele Nordstädter einig. Aber auch die neuen Vorschläge kamen nicht gut an. In einem sahen Anwohner das Fegefeuer.

Dortmund, Nordstadt

, 08.02.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Dschungel-Schriftzug und ein Gorilla mit weit aufgerissenem Mund zieren aktuell eine prominente Wand an der viel befahrenen B54. Weil sich viele Anwohner der Nordstadt von diesem Bild beleidigt fühlen, soll es in den kommenden Monaten übermalt werden.

Am Tag nachdem einem in Deutschland geborenen dunkelhäutigen Profi-Fußballer in Gelsenkirchen Affenlaute entgegengerufen wurden, diskutierten die Nordstädter über die Neugestaltung. Viele von ihnen hatten den Eindruck, der Schriftzug „Welcome to the Jungle“ lasse die Bewohner wie Tiere dastehen.

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Die Urheber des Wandbilds vom Sozialen Zentrum Dortmund äußerten viel Verständnis und betonten, niemanden beleidigen zu wollen. Nach der Diskussionsveranstaltung am Mittwoch (5.2.) teilen Isabel Cramer und Heike Heymann-Pfeiffer in einem schriftlichen Fazit mit: „Wir möchten uns zunächst recht herzlich für eine lebendige und diskussionsreiche Veranstaltung bedanken.“

Nicht jede Argumentation habe Raum gefunden, aber man habe sehr gute Anregungen erhalten. Drei Motivvorschläge der beauftragten Künstler sind bereits als Alternativen vorbereitet worden. Doch keiner von ihnen bekam von den Nordstadt-Bewohnern nennenswerte Zustimmung.

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Entwürfe für die Dschungel-Graffitiwand

Der Großteil der Nordstadt-Bewohner, die zur Diskussionsveranstaltung am Mittwoch (5.2) kamen, ärgern sich über das Dschungel-Wandbild an der B54. Die Alternativvorschläge wurden aber auch abgelehnt.
07.02.2020
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Ein ähnliches Motiv ziert eine bekannte Wand in Dorstfeld, die vorher von Rechtsextremen beschmiert war.© Soziales Zentrum
Dieses Bild ergibt zusammen mit dem folgenden ein Gesamtmotiv ...© Soziales Zentrum
... doch besonders viel Zustimmung bekam es nicht.© Soziales Zentrum
Dieses Graffito ist bereits im Unionviertel zu sehen. "Das sieht aus wie in der Hölle", sagte eine Diskussionsteilnehmerin. Aus ihrer Sicht ist das Motiv nicht besser als der Dschungel.© Soziales Zentrum
So sieht die umstrittene Wand aktuell aus.© Kevin Kindel
"Welcome to the Jungle" ist auf der Wand zu lesen.© Kevin Kindel
Anwohner fühlen sich von der Gestaltung rassistisch beleidigt.© Kevin Kindel

Zu einem rot-gelben Entwurf sagte eine junge Frau nur: „Das sieht aus wie in der Hölle.“ Auch nicht besser als der Dschungel-Vergleich. „Es wurde rasch deutlich, dass ein kreatives Beteiligungsmodell in Form eines öffentlichen Wettbewerbs favorisiert wurde“, schreiben Cramer und Heymann-Pfeiffer.

Kinder und Jugendliche aus dem Quartier sollen Gestaltungsideen einreichen, eine „Nordstadt-Jury“ unter Beteiligung von Bewohnern soll den Gewinner anschließend ermitteln. Geplant sei „ein toller Kreativworkshop mit künstlerischer Unterstützung seitens People of Color und einer bunten Künstlergemeinschaft“. Mit dem Begriff „People of Color“ sind diejenigen gemeint, die sich wegen ihres Aussehens optisch von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden.

Kein Eingriff in die Motivwahl

Das Soziale Zentrum will sich um die Finanzierung der Neugestaltung bemühen. Außerdem soll vonseiten des Vereins kein Eingriff in die Motivwahl und künstlerische Freiheit stattfinden.

Isabel Cramer und Heike Heymann-Pfeiffer schreiben abschließend in ihrem Fazit: „Wir stehen für unser Vorhaben ein und sind gespannt, welches Motiv die Bewohner*innen und Besucher*innen zukünftig begrüßen wird.“

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