Diese Lockerung ist der Tod der Dortmunder Gastronomie

dzKlare Kante

Hurra, Gaststätten und Restaurants dürfen wieder öffnen! Ist jetzt die Krise überstanden? Nein, dazu müssten die Lockerungen und Hilfen für die Gastronomie ganz anders aussehen.

Dortmund

, 11.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Branche ächzt. Restaurants sind seit Wochen leer, die Kochplatten kalt. In der Gastronomie droht eine gewaltige Pleitewelle. Diese Prognose war im April richtig – und sie wird es auch nach den Lockerungen am 11. Mai weiterhin sein.

„Sofern im Innen- und/oder Außenbereich die Einhaltung des Abstandsgebots möglich ist, ist die Wiederaufnahme des gastronomischen Angebots in Speisegaststätten bei Vorliegen eines Hygienekonzepts möglich“, heißt es im Nordrhein-Westfalen-Plan von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Vier-Stufen-Plan der Landesregierung - aber wer kommt überhaupt so weit?

Es handelt sich dabei um einen 4-Stufen-Plan. Während man sich als Gast sicher darüber freuen darf, dass man nun in Stufe 2 wieder Restaurants besuchen kann, fragen sich viele Gastronomen, ob sie auf der vierten Stufe überhaupt ankommen.

Bis Oktober werden die Einschränkungen während der Corona-Pandemie wohl mindestens noch dauern. Frühestens dann wäre Stufe 4 erreicht, zu der es in Laschets Plan für den gesamten Bereich Hotellerie, Gastronomie und Tourismus heißt: „keine Einschränkungen mehr“.

Senkung der Mehrwertsteuer und mehr Perspektive

Solange sie nur für die Hälfte ihrer Gäste kochen dürfen, werden vor allem kleine Restaurantbesitzer bald den Löffel abgeben. Schon vor der Corona-Krise waren die Gewinnmargen in der Gastronomie zu gering, als dass nun ein Restaurantbetrieb mit nur der Hälfte des Umsatzes rentabel sein könnte.

Ja, die für ein Jahr beschlossene Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 7 Prozent für alle Speisen hilft. Allerdings nur denen, die am Jahresende noch was zu versteuern haben – und nicht bis dahin pleite gegangen sind.

Außer-Haus-Verkauf kann die Verluste nicht kompensieren

Eine Kreditaufnahme, um sich jetzt über Wasser zu halten, würde sicher etwas leichter fallen, wenn der Mehrwertsteuersatz unbefristet und ab sofort auf alle Gastronomie-Umsätze (also auch auf Getränke) auf 7 Prozent reduziert würde. So gebe es die Aussicht auf eine, zur Kredittilgung auch notwendige, bessere Rentabilität.

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Mit einem Außer-Haus-Verkauf haben viele Restaurants ihren Betrieb ein bisschen aufrecht gehalten. Spricht man mit Gastronomen, dann hat das ihre wirtschaftliche Situation aber nicht entschärft. Auch, wenn dieses Angebot beibehalten wird, es kann nur ein kleines Zubrot sein. 50 Prozent weniger Gäste lassen sich so nicht ansatzweise kompensieren, heißt es einhellig.

Auch die Stadt Dortmund ist gefragt

Es braucht also Hilfen. Und, wenn Bund und Land sich da schwer tun, ist es der Stadt Dortmund nicht verboten, selbst tätig zu werden, um die Gastro-Szene im Kreuzviertel, in der City und in den Stadtteilen lebendig zu halten.

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Völlig zurecht fordert die Gastro-Initiative Dortmund, dass zur Ausweitung der Außengastronomie doch öffentliche Flächen kostenlos freigegeben werden könnten. Auch sonstige Gebühren wie Müllgebühren oder Kontrollkosten könnte man seitens der Stadt erlassen.

Eine vielfältige Gastro-Landschaft ist Lebensqualität

Vielleicht sollte man im Rathaus sogar über einen eigenen Direkthilfe-Fonds nachdenken. Eine breite Gastro-Landschaft ist schließlich Lebensqualität und wichtig für das Stadtmarketing.

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Zu guter Letzt braucht es jetzt aber erstmal auch Gäste. Gäste, die überhaupt wieder Restaurants besuchen, und die dann auch die Infektionsschutz- und Hygienevorschriften leben. Disziplin und Rücksicht werden gefragt sein. Und Verständnis dafür, dass mit der Lockerung am Montag die Corona- und Wirtschaftskrise nicht vorbei ist.

Die meisten Gastronomen, die dann wieder gedeckte Tische bereithalten, werden noch lange in der Verlustzone bleiben.

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