Die reine Welt der kleinsten Dinge

DORTMUND Sterile Gänge. Kleine Löcher im Fußboden. Luftschleusen. Gelbes Licht aus einem Labor. So in etwa kann man sich einen "Reinraum" vorstellen. Wir haben bei der MST.factory einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

von Von Bettina Kiwitt

, 30.07.2008, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Reinraum müssen sich die Mitarbeiter von oben bis unten so einpacken, dass sie kaum Partikel an die sie umgebende Luft  abgeben. Mit Spezialstaubsaugern werden etwaige Verunreinigungen am Arbeitsplatz sofort wegsaugt.

Im Reinraum müssen sich die Mitarbeiter von oben bis unten so einpacken, dass sie kaum Partikel an die sie umgebende Luft abgeben. Mit Spezialstaubsaugern werden etwaige Verunreinigungen am Arbeitsplatz sofort wegsaugt.

Im Reinraum, einer etwas unwirklich wirkenden Welt, bewegen sich Menschen in weißen oder grünen Ganzkörperanzügen mit Mund- und Haarschutz, sie gehen sehr langsam durch die abgeschotteten Sphären der Mikrostrukturtechnik. In einer Welt, in der ein Staubkorn eine kleine Katastrophe auslösen, z.B. Messergebnisse völlig verfälschen kann. Drei Reinräume finden sich in der MST.factory dortmund, hinter deren Kulissen Geschäftsführer Dr. Heiko Kopf einen Blick erlaubte. „Winziger als der Durchmesser eines Haares sind die Strukturen, mit denen Firmen hier arbeiten", so Kopf. Sieben Unternehmen sind es zurzeit, die in der MST.factory auf Phoenix-West die Welt der kleinsten Dinge erforschen. „Der größte Feind ist hier Dreck und Staub“, erläutert Kopf. Darum wird die Luft, die in die Reinräume geleitet wird, durch ein aufwendiges System zigmal gefiltert, aufgewärmt und wieder abgekühlt, bis sie mit genau 21 Grad extrem sauber in den Reinraum geleitet wird. Finden sich in einem Raum mit einer Breite, Tiefe und Höhe von 33 Zentimetern noch zehn Partikel, normalerweise sind es zwischen drei und vier Millionen. Mensch ist "Dreckschleuder" 15.000 Kubikmeter Luft oder 15 Millionen Flaschen Cola werden pro Stunde durch die Anlagen geschleust. Der Mensch ist hier immer noch das größte Problem, denn selbst wenn er fast völlig eingepackt ist, emittiert er immer noch Partikel, die nicht erwünscht sind. Und je mehr sich der Mensch bewegt, umso mehr Partikel lösen sich und der Raum „verschmutzt“. Daher bewegen sich die Mitarbeiter in den Reinräumen ein bisschen wie im Zeitlupentempo. Darüber hinaus werden sie kontinuierlich abgeduscht mit einem Luftstrahl, den sie nicht spüren, der aber die unerwünschten Partikel durch die kleinen Löcher im Boden ableitet. Darüber hinaus herrscht in den Räumen immer Überdruck. Beim öffnen einer Tür kann somit keine „verseuchte“ Luft von draußen in den Reinraum dringen, dafür aber die aufwändig gereinigte Luft nach außen. Besser als im Weltraum Es geht noch reiner als rein, nämlich reinst. So findet sich in der MST.factory auch ein Reinstraum, wo ein extrem hohes Vakuum herrscht, „das ist noch besser als das im Weltraum“, weiß Kopf. Den kleinen Raum betritt kein Mensch, nur mit Gummihandschuhe kann dort über eine Schleuse gearbeitet werden. Die Firma Innolume nutzt den Raum, um ihre hoch empfindlichen Quantenlaser herzustellen. Sie sorgen dafür sorgen, dass die optische Datenübertragung zwischen zwei Prozessoren superschnell funktioniert.

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