Die PARTEI fordert bezahlbaren Hafen-Kiez und FIFA-Korruptions-Museum

dzNeu im Rat

Die Satirepartei zieht in Fraktionsstärke in den Stadtrat ein. Das Trio kann witzig, aber auch ernst sein - und will den anderen Politikern auf die Finger schauen.

Dortmund

, 22.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den ersten Blick scheint der Stadtrat demnächst eine rundum fröhliche Angelegenheit zu werden, gehören dann doch drei Mitglieder der PARTEI dem Gremium an. Gegen die weitverbreitete Bezeichnung „Spaßpartei“ wehrt sich das künftige Ratsmitglied Stefan Dondrup aber: „Satire ist kein Klamauk, sie muss auch mal wehtun.“ Und sein Mitstreiter Olaf Schlösser ergänzt: „So richtig regieren werden wir ja gar nicht.“ Ein bisschen Spaß muss eben doch sein.

„Sehr gute Anträge stellen“

Aber Schlösser, mit im Internet erworbenen Titeln wie Prof. h.c, Dr. h.c. und Graf von Kronenberg stattlich dekoriert, kann auch ernster: „Wir verstehen uns als Oppositionskraft, die den anderen auf die Finger schauen und die Arbeit im Rat transparenter machen will. Und natürlich sehr gute Anträge stellen wird.“

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Basisdemokratie: Was im komplett ausgeschriebenen Namen „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ zunächst zum Schmunzeln einlädt, ist tatsächlich ein Grundpfeiler der neuen Ratsfraktion.

Schließlich stehen laut Schlösser eine Menge verschiedener Personen hinter der PARTEI, die allesamt unterschiedliche Positionen vertreten. Und deren Meinungen sollen sich bei dem basisdemokratischen Ansatz wiederfinden: „Wenn‘s kein Mist ist.“ Letztlich kann der Graf die Richtung seiner Partei aber doch in wenige Worte fassen: „Wir stehen eher für linke und soziale Politik.“

Mit Satire Themen transportieren

Die Satire sei dabei ein Weg, die Themen zu transportieren, fügt mit Katharina Diwisch das dritte Ratsmitgled an: „So kann man auch Menschen erreichen, die sich sonst nicht für Politik interessieren. Manchmal kriegt man die Leute mit einem Witz eher.“

Stefan Dondrup, Katharina Diwisch und Olaf Schlösser vor der Reinoldikirche, die - entgegen anders lautender Gerüchte - doch nicht weg soll.

Stefan Dondrup, Katharina Diwisch und Olaf Schlösser vor der Reinoldikirche, die - entgegen anders lautender Gerüchte - doch nicht weg soll. © Michael Schuh

Aber - Witz hin, Witz her - um welche Themen handelt es sich dabei denn? „Eines unserer Ziele lautet, dass das Hafengebiet auch weiterhin ein lebendiger Kiez bleibt“, erläutert Schlösser. Trotz der Pläne für eine neue Promenade soll man sich das Leben dort leisten können: „Wir wollen keine Burger für 12,80 Euro und Latte Macchiato für 5 Euro. Zumal das ein Rattenschwanz ist, denn dann werden auch die Mieten steigen.“

FIFA-Korruptions-Museum

„Außerdem geht es uns darum, den Rechtsextremen auf den Füßen zu stehen“, formuliert Dondrup ein weiteres Ziel. Und erhält dabei Rückendeckung von Schlösser: „Da die NPD nicht mehr in den Rat gekommen ist, wird es auch keine Gruppe mit der Partei ‚Die Rechte‘ mehr geben. So geht den Rechten eine Menge Geld durch die Lappen, mit dem sie sonst viel Unfug hätten treiben können.“

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Aber so ganz kann (und will) die PARTEI ihr Image dann doch nicht ablegen. Beispiele gefällig? „Unser Plan ist es, das Fußball-Museum in ein FIFA-Korruptions-Museum umzubauen“, sagt Dondrup. „Bezahlen soll das der DFB - die haben schließlich genug Geld.“

Und Schlösser wünscht sich augenzwinkernd gar eine neue Philharmonie: „Und zwar am Hafen. Und die muss mindestens ebenso teuer sein wie das Konzerthaus. Schließlich handelt es sich ja um ein Statussymbol für Dortmund.“

Koalitionsanfragen abwehren

Große Visionen für die Zukunft, aber auch in der Gegenwart habe die PARTEI, so Schlösser, schon für Wirbel gesorgt: „Wir mussten für den Rat bereits einige Koalitionsanfragen abwehren. In den Bezirksvertretungen haben wir aber nichts dagegen.“ Die kommenden Aufgaben beschreibt er indes ganz pragmatisch: „Erst einmal wollen wir uns für den Rat fit machen. Wir sind ja noch I-Dötze.“

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