B1 blockiert: Die Umwelt-Demo von Extinction Rebellion am Sonntag dauerte fast fünf Stunden. © Schaper
Meinung

Die Ökodiktatur wird kommen – aber nicht so, wie Sie denken

Angst vor Verboten? Angst vor der Ökodiktatur? Die ist mehr als berechtigt, findet unser Autor. Aber wahrscheinlich meint er es komplett anders, als Sie jetzt vermuten.

Was will man uns nicht alles wegnehmen: den Urlaub, die Flugreise, das Auto, die freie Fahrt, das günstige Fleisch, und und und. Es ist eine lange Liste der Ängste in den Köpfen vieler Menschen. Vor was genau? Richtig: der Ökodiktatur.

Davor, dass Politiker immer mehr Gesetze erlassen, die unsere Freiheit einschränken. Und die ist doch das höchste Gut, oder?

Marco Bülow hat einige bemerkenswerte Sätze gesagt bei der Demo der Umweltaktivisten von Extinction Rebellion auf der B1, als diese dreispurige Auto-Allee schon mehr als anderthalb Stunden blockiert war.

Wir wissen es doch seit Jahrzehnten

Der Dortmunder, der seit 19 Jahren im Bundestag sitzt und vor Jahren die SPD im Streit verließ, verdeutlichte in einer kurzen Rede: Ja, die Ökodiktatur wird kommen. Und er hat recht.

Wir wissen es doch. Seit Jahrzehnten müssten wir einfach nur den Wissenschaftlern zuhören. Unser Lebenswandel – vor allem das, was mit hohem CO2-Ausstoß zu tun hat – geht nicht mehr lange gut. Der Planet wird heißer, und bald können wir das nicht mehr umkehren.

Bundestagsabgeordneter Marco Bülow sprach auf der Demo. Bis zum Eingreifen der Polizei blieb er allerdings nicht.
Bundestagsabgeordneter Marco Bülow sprach auf der Demo. Bis zum Eingreifen der Polizei blieb er allerdings nicht. © Schaper © Schaper

Werden Politiker noch auf Einsicht setzen können?

Naturkatastrophen auf der ganzen Welt, vor allem im ärmeren Teil. Viele, die davor fliehen in reiche Länder wie unseres. Und spätestens dann geht all das nicht mehr: günstige Flugreisen, lange und häufige Autofahrten, hoher CO2-Ausstoß in der Wirtschaft, etwa bei der Stromerzeugung. Was dann passieren wird?

Werden dann Politiker noch sagen können: „Wir setzen darauf, dass die Menschen es freiwillig einsehen und verzichten“? Oder werden sie Gesetze erlassen, nein: erlassen müssen, um irgendwie noch zu retten, was zu retten ist?

Bei Corona musste es auch Gesetze geben

Denken Sie an Corona. Haben die freundlichen Bitten, doch mehr Abstand zu halten, Masken zu tragen, nicht mehr zu viele Menschen zu treffen – hat all das ausgereicht? Nein: Es mussten Gesetze her. Sehr harte.

Nachts nicht mehr rausdürfen. Maske auf in der Innenstadt, ansonsten mindestens 50 Euro Strafe. Das ist das Ausreizen der Macht, die der Staat, die die Länder und Städte haben. Und genau das droht auch in Sachen Klima.

Demo auf der B1 – richtig oder falsch?

Bloß nicht an die Autoindustrie ran – so viele Jobs hängen davon ab? Ganz ehrlich: Uns mag das stören. Dem Klima ist das egal.

Ja: Eine Demo auf der B1 ist gefährlich. Zudem ärgerlich für all diejenigen, die deshalb lange im heißen Auto im Stau sitzen mussten. Aber ist es nicht noch viel ärgerlicher, dass es solcher extremen Aktionen bedarf, um überhaupt noch zu vielen Menschen durchzudringen?

Damit wir die Ökodiktatur vielleicht doch noch abwenden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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