Die Marke Frank Goosen: Heiteres zwischen deftig und skurril, mit der Wärme des Pütts.

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Das randvolle Spiegelzelt sah am Mittwoch einen Bochumer Autor, der bei Lesungen aus einem großen Fundus an Geschichten schöpft, sich selbst vergackeiert und Humor für den Kopf macht.

Dortmund

, 12.09.2019, 02:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frank Goosen (53) ist ein alter Hase im Humor-Zirkus, eine klar definierte Marke zudem. Im Spiegelzelt am Mittwoch datiert er den Anfang seiner Tätigkeit als reisender Vortragskünstler auf etwa 1994. Sein erster Roman erschien 2000, diverse Bücher folgten, und die Weihen des Erfolgs-Schreiberlings, der verfilmt wird, bekam er mehr als einmal.

Die literarische Welle, die er mitkreierte, trägt ihn bis heute. Goosen ist der Bochumer Jung, der leidgeprüfte VfL-Fan, ein Chronist des Reviers, der Typen, Sprüche, Erlebnisse aufsaugt, sammelt und zu launig lustigen Schnurren verarbeitet. Man kennt ihn, man kennt sein Strickmuster, dem er in schöner Regelmäßigkeit weitere Maschen (sprich: Bücher) hinzufügt.

Einerseits muss Goosen aufpassen, als Erzähler nicht das Abziehbild seiner selbst zu werden, das nur den bekannten Fundus hin und her wendet. Der Stempel des „Pütt-Romanciers“ kann auch zur Falle werden.

Andererseits bürgt erlebter Alltag als Quelle des Schaffens stets für Überraschungen, die ein beschlagener Autor in Pointe und Situationskomik ummünzen kann. Der Humor-Produzent Frank Goosen hat jedenfalls kein Problem mit der erzählerischen Frische, wie in Dortmund zu hören war.

Ja, er jongliert mit Klischees und Stereotypen. Aber Goosen ist wendig genug, Klischees nicht schnöde zu reproduzieren. Ironie hilft gegen solche Fallstricke. Über sich selbst lachen zu können auch.

So zwinkert uns im Spiegelzelt aus vielen Figuren Goosen selber zu, mehr oder weniger maskiert. Irgendwie ist er ja auch selbst Teil der menschlichen Komödie, die er in seinen Büchern beschreibt.

Ein bisschen Goosen steckt wohl auch im Lehrer Brocki, der in „Förster, mein Förster“ (von 2016) sich rechtfertigen muss, warum er diesen bekloppten Beruf ergriff, nach allen Torturen als Schüler. Sein Kumpel Fränge, der dem Pauker den Kopf wäscht, trägt ebenfalls Züge von Goosen, der beim Vorlesen Anekdoten seiner Schulzeit einflicht.

Und wenn Goosen Passagen aus „Pokorny lacht“ (2003) zum Besten gibt, erwähnt er rundheraus, dass er den Schülerschreck Dr. Bergmann, Altphilologe und Alt-Nazi, nach einem realen Vorbild modellierte.

Goosen liest an diesem Abend Altes und Neueres, aus „Sommerfest“ (2016) eine Szene „anne Bude“, aus „Liegen lernen“ (2000) die peinliche Befragung eines pubertierenden Jungspundes durch den strammdeutschen Onkel.

Dass der Autor auch mal Grünschnabel und sexueller Legastheniker war, erzählt er in der Posse um Claudia und ein Simon & Garfunkel-Konzert in der Westfalenhalle.

Goosen kann deftig, Goosen kann skurill, Wärme ist immer dabei. Sein Humor zielt weniger auf den Lachmuskel, er sorgt für heitere Wohligkeit im Kopf. Die hält länger an als jeder kurze Brüller.

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