Die Lieberfeld-Grundschule ist bald eine von 14 Kinderrechte-Schulen in Deutschland

dzLieberfeld-Grundschule

Die Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen erhält im Mai die Auszeichnung als Kinderrechte-Schule. Lange hat die Schule darauf hingearbeitet, für die Schulleiterin ist das nichts Neues.

Wellinghofen

, 16.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn am 9. Mai der Geschäftsführer des Kinderhilfswerks Deutschland nach Wellinghofen an die Lieberfeld-Grundschule kommt, hat er ein Zertifikat im Gepäck. Darauf wird stehen, dass eben jene Schule, die er da besucht, ab sofort und offiziell eine Kinderrechte-Schule ist.

Dann wird für alle Schüler und Lehrer die Belohnung für zweieinhalb Jahre intensive Projektarbeit für jeden in Papierform greifbar sein. Bislang haben bundesweit nur zehn Schulen dieses Zertifikat, vier Schulen - darunter die Lieberfeld-Grundschule - warten nur noch auf die offizielle Anerkennung. Jutta Portugall ist schon jetzt stolz auf ihre Kollegen, ihre Mitarbeiter, ihre Schüler. Die Schulleiterin ist seit 2016 in Wellinghofen im Amt.

Beide Kinderrechte-Schulen in NRW stehen in Dortmund

Zuvor leitete sie die Uhland-Grundschule in Körne. Die ist übrigens eine der zehn Kinderrechte-Schulen, und die bislang einzige in ganz Nordrhein-Westfalen. Das kommt nicht von ungefähr. Portugall war es, die das damals in die Wege geleitet hatte. Warum tut sie das jetzt schon an der zweiten Schule? „Man hat immer Projekte, die einem am Herzen liegen“, sagt sie. „Die Gesellschaft braucht Partizipation, und wenn Kinder das nicht von Beginn an lernen, können sie nicht zu mündigen Bürgern werden.“

Die Lieberfeld-Grundschule ist bald eine von 14 Kinderrechte-Schulen in Deutschland

Zwei Strophen haben die Kinder selbst getextet. © Michael Nickel

Damit eine Schule den Titel Kinderrechte-Schule tragen darf, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. So installierte Portugall ein Schülerparlament und in jeder Klasse - vom ersten bis zum vierten Schuljahr - einen Schülerrat. Diese Organe haben ein Mitbestimmungsrecht bei der Auswahl neuer Spielgeräte auf dem Schulhof und gestalten Thementage zu Kinderrechten mit. Am Ende soll jedes Kind alle zehn Kinderrechte kennen, so wie zum Beispiel das Recht auf Schutz vor Ausbeutung und Gewalt. Demnach dürfe kein Kind zur Arbeit gezwungen werden. „Das heißt aber nicht, dass Kinder nicht mehr den Müll rausbringen sollen“, sagt Portugall. Neben Rechten gebe es immer auch Pflichten, auch das müssten die Kinder lernen und wissen. „Man muss das eigene Recht kennen, um das Recht des anderen zu schätzen“, so Portugall.

Die 4a der Lieberfeld-Grundschule war zum Filmfestival in Berlin

Die Kinder der Lieberfeld-Grundschule beteiligen sich zudem in großen Projekten an der Verleihung der Auszeichnung. So war die 4a zuletzt beim Kinderrechte-Filmfestival in Berlin, wo sie einen eigenen Film zum Umweltschutz gedreht und auch präsentiert hat. Drei Tage lang dauerte der Ausflug in die Hauptstadt, begleitet von Lehrern, Besichtigungen des Bundestages und der Berliner Mauer inklusive.

Die Lieberfeld-Grundschule ist bald eine von 14 Kinderrechte-Schulen in Deutschland

Schulleiterin Jutta Portugall hat schon die Uhland-Grundschule zur Kinderrechte-Schule gemacht. © Michael Nickel

Die Lehrer werden auch regelmäßig fortgebildet, sagt Jutta Portugall: „Das ist kein kurzfristiges Projekt. Das Thema muss im Alltag verankert sein, deshalb haben wir eine Kinderrechte-AG.“ Wesentlicher Bestandteil sind aber nicht nur die Kinder: „Man muss im Kollegium Leute haben, die auch mitmachen.“ Und die habe sie, sagt die Schulleiterin.

Die Kinder der 4b haben ein eigenes Lied getextet und eingesungen

Im vergangenen Dezember hat die Lieberfeld-Grundschule die Nachricht vom Kinderhilfswerk erhalten, dass es geklappt hat. Die Auszeichnung ist sicher. Für die Verleihung am 9. Mai werden die Kinder der 4b ihr Projekt präsentieren. Mit Musiklehrerin Jennifer Gratschek haben die Jungen und Mädchen zwei Strophen eines Liedes getextet, zu dem alle Kinderrechte-Schulen ihren Teil beitragen. Die Melodie und den Refrain hat der Berliner Musiker Elias Hadjeus gestellt. Am Donnerstag vor den Osterferien war er in Wellinghofen, um mit den Schülern das Lied einzusingen und aufzunehmen.

Eines ist Jutta Portugall noch wichtig: „Kinderrechte-Schule heißt nicht, dass die Kinder hier auf den Tischen tanzen. Es herrscht ein gutes Miteinander, aber die Erwachsenen haben das Sagen.“

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