Die Helden der Brand-Katastrophe im Dortmunder Süden bleiben still

dzBrand-Unglück in Dortmund

Das Drama in der Aplerbecker Mark begann am Sonntag um 10 Uhr. Ein Brand in einem Haus bricht aus. Mutige Menschen versuchten, ihre Nachbarn vor den Flammen zu retten - eine Frau stirbt.

Aplerbecker Mark

, 12.08.2020, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da gibt’s einerseits Menschen, die sich über andere beschweren, aber anonym bleiben wollen. Oft wenden sich diese Menschen an uns Journalisten. Doch solche Geschichten schreiben wir selten auf. Andererseits gibt es Menschen, die es verdient hätten, namentlich in einem Artikel zu erscheinen, die möchten es nicht, weil sie kein Lob möchten.

Durch diese Haustür im Anbau wurde das ältere Ehepaar gerettet.

Durch diese Haustür im Anbau wurde das ältere Ehepaar gerettet. © Jörg Bauerfeld

Lob für die Rettung zweier Leben zum Beispiel. Das ist die Geschichte der stillen Helden aus der Aplerbecker Mark, deren schnelles Eingreifen die Leben eines Ehepaars gerettet hat.

Es sind Nachbarn, deren Namen der Redaktion bekannt sind, aber nicht ins Rampenlicht wollen. Weil sie das, was sie getan haben, als selbstverständlich ansehen. Darum ist dies eine Geschichte ohne Namen.

Für das Paar aus dem Dortmunder Süden begann der Sonntagvormittag (9.8.) mit einem ausgiebigen Spaziergang mit Hund durch den Aplerbecker Wald. Noch wusste es nicht, dass es später am Tag Menschenleben retten wird.

Der Heimweg über die Schwerter Straße führte die beiden Naturliebhaber am Haus mit der Nummer 216 vorbei.

Eine Stichflamme schoss aus der Vordertür

„Es roch nach Rauch und plötzlich schoss aus der Vordertür eine richtige Stichflamme und das Vordach brannte sofort lichterloh“, sagt einer der späteren Retter. „Wir waren erst total perplex, wussten nicht was wir machen sollten. Meine Frau ist dann in das Haus rein.“

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Da im Vorbau, der lichterloh brannte, nichts mehr zu machen war, lief die Frau in den Anbau. Dort, wo ein älteres Ehepaar lebte. Der Anbau ist aus Stein, nicht so leicht entflammbar wie der alte Hausteil, der fast nur aus Holz bestand.

Sturm geschellt bei den Nachbarn

„Ich bin zur Nachbarin, hab Sturm geschellt, um weiter Hilfe zu holen. Meine Frau fand dann die Bewohnerin in der Küche und musste sie fast mit Gewalt dazu bewegen, das Haus zu verlassen“, sagt der Mann der mutigen Frau aus der Aplerbecker Mark.

Vorne loderten weiter die Flammen, von der Feuerwehr und der Polizei war noch nichts zu sehen. Im hinteren Gebäudeteil, auf den das Feuer noch nicht übergegriffen hatte, befand sich aber noch ein bettlägeriger Bewohner.

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Zwei junge Männer aus dem Nachbarhaus fassten sich ein Herz und trugen den Herrn aus dem Unglückshaus heraus. Der Mann lag glücklicherweise in einem kleinen Kämmerchen im Erdgeschoss. „Eine Chance, in den Vorderteil des Hauses zu gelangen, gab es nicht“, sagt ein weiterer Nachbar.

Die Bewohnerin hatte wohl keine Chance

In diesem Vorderteil, dem Fachwerkhaus, lebte die Tochter des älteren Ehepaars. Die 60-Jährige hatte keine Chance. Ihre Eltern mussten mit ansehen, wie ihre Tochter in den Flammen umkam.

„Sie war Krankenschwester und war zurzeit krank geschrieben“, sagt ein Nachbar mit stockender Stimme.

„Eine Chance, in den Vorderteil des Hauses zu gelangen, gab es nicht.“

Die beiden älteren Bewohner des Unglückshauses sind jetzt in einem Seniorenstift in der Nähe untergebracht - ihre Tochter wird bald beerdigt.

Die Aplerbecker Mark trauert - und dankt den Menschen, die mutig zur Stelle waren, als sie gebraucht wurden.

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