Die Geschichte einer Freizeitanlage spiegelt auch immer den Zeitgeist

dz40 Jahre Revierpark

Der Revierpark Wischlingen wird 40 Jahre alt. Der Name steht für Freizeitspaß: Und da gibt es zeitlose Vergnügen, aber auch das eine oder andere, das gestern toll war und heute oll wirkt.

Wischlingen

, 18.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Regina Rimkus kennt das alles: Sie arbeitet seit 1980 beim Freizeitpark. Und Christof Ropat auch, er arbeitet als Techniker seit 1982 im Revierpark. Als sie anfing, da gab es fast nichts. „Nur der Bootsteich war schon da“, sagt sie und muss schmunzeln. Und der Minigolf-Platz, zwei Tenisplätze. Das Freibad gab es auch schon, und das Freizeithaus war ganz neu.

Die Geschichte einer Freizeitanlage spiegelt auch immer den Zeitgeist

Die Wasserrutsche war natürlich eine der Hauptattraktionen des Freibadbereichs. © Repro: Irene Steiner

Selbst verwaltete Freizeit

Ganz im Geist der Zeit sollte der Revierpark den Bürgern eine Plattform für ihre Freizeitaktivitäten geben. Nicht angeleitet oder mit Animateur, nein, selbst verwaltet. „Unten im Freizeithaus gab es Räume für die Arbeitskreise“, erinnert sich Regina Rimkus. Töpfern, Seidenmalerei, Kegeln, Tanzen, ein Leseraum, Münz- und Briefmarkensammler, Schach: Raum für viele Aktivitäten.

Alte Fotos dokumentieren die selbst getöpferten Schätze, deren Fertigung einst tausendfach an Volkshochschulen gelehrt wurde und die gefühlt ebenso viele Wohnungen schmückten. Im Freizeitpark konnte man dann in eigener Regie die Kenntnisse vervollkommnen, den Töpferofen stellte der Revierpark. Bis der dann eines Tages den Dienst versagte und ausgemustert wurde. Aber da stand Töpfern schon gar nicht mehr hoch im Kurs. Und auch die Kegelbahnen verwaisten. Was tun?

Die Geschichte einer Freizeitanlage spiegelt auch immer den Zeitgeist

Regina Rimkus und Christof Ropat gehören schon fast seit Eröffnung des Revierparks zum Team der Anlage. © Irene Steiner

Neues Leben in alten Räumen

Vor 25 Jahren gab es dann den drastischen Kurswechsel: Die Räume im Keller wurden an eine Physiotherapie-Praxis verpachtet, die baute um, zog Wände für die Behandlungsräume ein. Eine große Schmetterlingswanne, in die man auch zum Babyschwimmen einladen könnte, steht noch, unverrückbar eingemauert hinter Leichtbauwänden. Vor 20 Jahren sicher eines der modernsten Ausstattungsgeräte für eine Physiotherapie-Praxis, heute nur noch zu Ausbildungszwecken in Gebrauch.

Die Geschichte einer Freizeitanlage spiegelt auch immer den Zeitgeist

Die Schmetterlingswanne ist ein Dokument der Geschichte der Physiotherapie. © Irene Steiner

Gewichte stemmen im Tanzsaal

Und da, wo sich früher Dutzende von Paaren beim Seniorentanz drehten, da stehen heute Gewichte, Laufbänder und Stepper. Längst haben sich die Freizeitaktivitäten geändert, wenn auch manches immer wieder eine Renaissance erlebt. Die Eislaufhalle zum Beispiel.

Die Geschichte einer Freizeitanlage spiegelt auch immer den Zeitgeist

Im ehemaligen Freizeithaus gibt es heute ein großes Fitness-Zentrum. © Irene Steiner

Free-Style lockt die Jugend

Christof Ropat hat lange in der Technik der Eislaufhalle gearbeitet, in den 1980ern war die Halle immer voll. „Als die Computerspiele aufkamen, da wurde es leer in der Eishalle.“ Aber Disco, oder heute Free-Style, auch die Sendung „Dancing on Ice“ hat das Interesse am Eislaufen neu entfacht, jetzt kommt wieder das Jungvolk und zieht seine Runden auf dem Eis, zu Lightshow und Musik. Oder es übt Tricks. Oder boxen: In diesem Sommer trainiert das Boxteam Dortmund in der Eishalle, weil die Helmut-Körnig-Halle saniert wird.

Die Geschichte einer Freizeitanlage spiegelt auch immer den Zeitgeist

Mehrfachnutzung: Da wo sich im Winter Eisläufer tummeln, trainieren im Sommer die Boxer des Boxteams Dortmund. © Irene Steiner

Von der Schwitzkammer zum Wellness-Tempel

Und die erste Sauna, die gab es auch ab 1979 und hieß Aktiviarium. Eher schlicht war die Ausstattung: „Wir hatten drei Saunen: Frauen, Männer, gemischt“, erzählt Regina Rimkus. Bänke wie in einer Turnhalle, alles rundum gefliest bis zur Decke, die Fußbecken schlicht und eckig, davor Plastikhocker. Da ist es in der erst kürzlich neu gestalteten Saunalandschaft vielfältiger, bunter und auch gemütlicher.

Die Geschichte einer Freizeitanlage spiegelt auch immer den Zeitgeist

Der Charme der 1970er-Jahre: Umkleide mit Fußbecken im ersten Aktivarium. © Irene Steiner (Repro)

Neugestaltung steht an

Und auch in den Außenbereichen spiegelt sich die lange Geschichte des Revierparks: Es gibt noch ein Mühlefeld und Drahtsitze, denen man ihr Alter ansieht. Da wo früher nur Spaziergänger waren, lockt der Kletterwald in höhere Baumregionen. Immer wieder findet man Körbe, die den Disc-Golfern als Ziel dienen. Und es wird sich noch mehr tun: Der Außenbereich wird neu gestaltet, damit der Revierpark auch in Zukunft für die Besucher attraktiv ist. Auch ohne Seidenmalerei.

Die Geschichte einer Freizeitanlage spiegelt auch immer den Zeitgeist

Immer mal wieder erneuert wurden die Spielgeräte auf den Spielplätzen, aber auch im Außenbereich ist einiges zu erneuern. © Irene Steiner


Sonderpreise zum Jubiläum

Der Revierpark Wischlingen feiert sein 40-jähriges Bestehen mit Sonderpreisen: Von Montag (6.5.) bis Donnerstag (9.5.) gibt es Tageskarten zum Zwei-Stundentarif; Eine Tageskarte für Erwachsene (Baden) kostet dann 6 Euro, eine Tageskarte für Erwachsene für Sauna und Baden 14 Euro. Kinder und Jugendliche zahlen für die Tageskarte Baden 4,50 Euro, für die Tageskarte Sauna und Baden 8 Euro. Andere Tarife sind an diesen Tagen nicht buchbar, auch der Verkauf von 11er-Karten und die Einlösung von Gutscheinen ist nicht möglich. Dazu ist der Besuch der Salzgrotte im Eintrittspreis inbegriffen.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung 50 Jahre Bert-Brecht-Gymnasium

Mord, Erpressung, Sonnenschein: Festschrift blickt auf tragische und schöne Momente zurück