Die erste koschere Eisdiele in ganz NRW gibt‘s im Kaiserstraßenviertel

dzDortmunder Eisdiele

An der Kaiserstraße hat die erste koschere Eisdiele in NRW eröffnet. Zwei Schwestern setzen komplett auf natürliche Zutaten. Anzukommen scheint das sehr gut. Trotzdem reicht das nicht.

Kaiserstraßenviertel

, 23.06.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Laden „Cream Eiscafé“ an der Kaiserstraße hat erst vor ein paar Minuten geöffnet, schon kommt der erste Ansturm an Kunden. Jeder Griff von Demet Gaziulusoy wirkt routiniert, fast einstudiert: Schiebetür auf, den Löffel durch das Eis streichen, auf das Hörnchen oder den Becher stecken. Dann kurz den Löffel abwaschen und mit diesem wieder durchs Eis. Aus ihrem lockeren Dutt sind ein paar Strähnen vorne rausgerutscht. Nur, wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass die Eisdielenbesitzerin nicht viel geschlafen hat. „Ich bin so überarbeitet“ - diesen Satz wird sie in der nächsten Stunde häufiger sagen - immer mit einem charmanten Lächeln.

Das Eiscafé an der Kaiserstraße ist die erste koscher-zertifizierte Eisdiele in ganz NRW. Soll heißen: Demet Gaziulusoy und ihre Schwester verwenden nur natürliche Zutaten und halten sich an die jüdischen Regeln zu koscheren und nicht-koscheren Lebensmitteln. Es gibt keine Aromen, keine Zusatzstoffe oder Fertigpackungen. Keinen Schnick-Schnack. Zwar würden auch viele Leute explizit koscheres Eis verlangen, die meisten Leute würden aber für ganz „normales“ Eis kommen.

Auch für Veganer ist vieles dabei

Neben den Klassikern wie Schokolade oder Vanille gibt es auch ausgefallenere Sorten wie Salz-Karamell oder Mascarpone-Blaubeere. Für Veganer gibt es auch eine große Auswahl: Viele verschiedene Sorbetsorten sowie zwei wechselnde Schokoladensorten. Dass das Eis aus natürlichen Zutaten hergestellt werden soll, habe von Anfang an zum Konzept dazu gehört. Das „Koschere“ kam erst später hinzu, als sie die Jüdische Gemeinde in Dortmund sie als Lieferanten angefragt hatte. Dies nach den strengen Vorgaben umzusetzen, war dann gar nicht mehr schwierig, erzählt Demet Gaziulusoy. Deswegen dann die komplette Umstellung.

Die erste koschere Eisdiele in ganz NRW gibt‘s im Kaiserstraßenviertel

Bei Google, Facebook und Co. hat das Eiscafé durchweg sehr gute Bewertungen. Doch das allein reiche nicht, sagt Inhaberin Demet Gaziulusoy. © Paulina Würminghausen

Bereits vor sechs Jahren hat sie sich mit ihrer Schwester, Nani Gaziulusoy, selbstständig gemacht. Sie wollten etwas eigenes haben, egal was. Eine Eisdiele wurde es dann, weil Eis „ja jeden glücklich macht“, sagt die 42-Jährige. An der Kleinen Beurhausstraße im Klinikviertel machten sie 2013 ihre erste Eisdiele auf.

Vor zwei Monaten haben die beiden dann ihren zweiten Laden an der Kaiserstraße eröffnet, um sich zu vergrößern - und sind ihrem Look treu geblieben: Draußen stehen weiße Klappstühle, drinnen ist eine Verkaufstheke. Ansonsten nicht viel Schnick-Schnack. „Hip, aber nicht zu hip. Gradlinig, schlicht, freundlich, einladend - natürlich eben, wie unser Eis“, sagt Demet Gaziulusoy.

Fünf von fünf Sternen

In der Eismanufaktur direkt hinter dem Verkaufsraum stellen sie das Eis komplett selbst her. Ab sieben Uhr morgens. „Das ist viel aufwendiger, aber qualitativ sind die Produkte dann auch hochwertiger - und das schmecken die Kunden“, ist die Inhaberin überzeugt.

Die Bewertungen im Internet bestätigen das. Zumindest die von der älteren Filiale an der Kleinen Beurhausstraße: Auf Facebook fünf von fünf Sternen, 4,9 von fünf Sternen bei Google. Auf der Bewertungsseite „Wer kennt den Besten“ wird die Eisdiele als die Beste in ganz Dortmund aufgelistet.

Die erste koschere Eisdiele in ganz NRW gibt‘s im Kaiserstraßenviertel

Hip, Gradlinig, einladend - so beschreibt Demet Gaziulusoy ihren Laden. © Paulina Würminghausen

Trotzdem ist der Name der Eisdiele noch nicht wirklich bekannt, meint Demet Gaziulusoy. Zumindest reiche es nicht, damit sich das Geschäft wirklich lohnt. Denn die Schwestern Demet und Nani Gaziulusoy haben wohl das gleiche Problem, wie viele andere Eisdielenbesitzer: Zwar stünde im Sommer immer eine Warteschlange bis nach draußen. Aber da der Laden zu klein für Sitzmöglichkeiten ist, müsse er im Winter für drei Monate schließen. „Das müssen wir dann irgendwie durch das Sommergeschäft ausgleichen“, sagt die 42-Jährige. Während andere draußen die Sonne genießen, steht Demet Gaziulusoy 14 bis 15 Stunden in der Eismanufaktur und im Laden. Und obwohl sie häufiger sagt, dass sie „total überarbeitet“ sei, scheint es ihr zu gefallen. Bereuen tut sie nichts.

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