Dicker Hals und rote Ohren: So reagieren Dortmunder auf die Gehälter städtischer Firmenchefs

dzDiskussion

Die Berichterstattung über die 10 Top-Verdiener städtischer Unternehmen in Dortmund hat zu Diskussionen geführt. Von Verständnis bis Wut: Das sind die Reaktionen.

Dortmund

, 29.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem Bericht haben wir die zehn Top-Verdiener städtischer Unternehmen vorgestellt und geschrieben, wie viel die Chefs in Dortmund verdienen. In der Kolumne Klare Kante kritisiert unser Redakteur Ulrich Breulmann, dass Vorstandsmitglieder von städtischen Firmen pro Jahr eine hohe sechsstellige Summe für ihre Arbeit bekommen. So haben Leser auf seinen Kommentar reagiert:

Situation bei der Sparkasse „fast schon ein Verbrechen“

Meinolf Willma schreibt: „Nachdem ich den Bericht über die Gehälter der Top-10-Verdiener gelesen habe, hatte ich einen dicken Hals und rote Ohren.“ Das, so Willma, sei „der typische rote Filz von Dortmund. Wenn diese Leute wenigstens entsprechende fachliche Qualitäten besitzen würden, hätte ich vielleicht bei dem einen oder anderen Verständnis für diese überhöhten Gehälter.“

„Frank Hengstenberg (Anmerkung der Redaktion: Ehemaliger Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion in Dortmund, heute kaufmännischer Geschäftsführer der EDG), vormals Telekommitarbeiter, wurde als Konkurrent vom OB mit fürstlichem Gehalt außer Kraft gesetzt. Man kann die Liste der Top-Verdiener fortsetzen. Es bleibt immer ein Geschmäckle.“

Ein weiterer Leser schreibt: „Besser konnte man den Finger nicht in die Wunde der sogenannten Privatisierung legen.“ Er fände es schön, wenn durch den Artikel die Politik und Verwaltung angeregt würden, an den Zuständen etwas zu ändern. „Allein fehlt mir der Glaube.“

Kritik an der „Herzkammer der SPD“ und der Kolumne

Dr. Hans-Joachim Manzel findet, der Artikel verdeutliche die beschämende Situation, „wie die verantwortlichen Politiker in Dortmund - der Herzkammer der SPD - die Zwangsabgaben verwalten.“ Dazu komme, dass die SPD mit Thomas Westphal einen Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters aufgestellt habe, „der in erster Linie unternehmerisch zu denken scheint und für den das Wort sozial in der Prioritätenliste erst weit hinten auftaucht.“

Wir erhielten aber auch Kritik an dem Artikel. Franz-Josef Nolte schreibt, er fände es gut, dass die Gehälter offengelegt würden. Aber: Die Zeitung ziehe alles ins Negative. „Die Ärmsten müssen zahlen! Was für ein Quatsch: Alle müssen zahlen, oder?“ So mache man Stimmung für Neider und andere Gruppierungen.

Die Meinungen auf Facebook:

Tim Fricke: Wer hat, dem wird gegeben. Das war schon immer so...!

Olaf Dietrich: Inkorrekt. Denn das sind Wirtschaftsunternehmen und ein CEO verdient in der freien Wirtschaft besser als bei den städtischen Betrieben.

Birgit Lindstedt: Zu den angeführten Einkommen kommen noch etliche Zuwendungen... Dienstwagen inklusive Unterhalt, freier Eintritt zu städtischen Events, Honorar für Beratungen und Vorträge, und wer nicht ganz oben mitspielt, hält auch gerne mal die Hand für Zuwendungen der Privatwirtschaft auf. Ach ja, halt wie im richtigen Leben - alte weiße Männer regieren auch unsere kleine Welt.

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