Deusener bieten Schwalben seit fast 40 Jahren ein Zuhause

dzVogelschutz

Klimaschutz, Insektenschutz, Vogelschutz. Einsatz für die Natur ist in Mode. Heidi Schlatt engagiert sich seit fast 40 Jahren für Schwalben. In diesem Sommer ist sie von Sorgen geplagt.

Deusen

, 23.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist nicht schön, aber verständlich. Die Auswirkungen von Klimawandel und Umweltverschmutzung sind zu abstrakt, um sich Sorgen zu machen, bevor man sie am eigenen Leib spürt. Doch mittlerweile ist es soweit. Der Dürresommer 2018 und das Insektensterben haben viele Leute aufgerüttelt. Auch, dass im Garten weniger gezwitschert wird, haben viele Menschen bemerkt und beginnen damit, Vögel zu füttern.

Heide Schlatt aus Deusen freut sich über das neue Engagement vieler Menschen, auch wenn es in ihren Augen sehr spät kommt. Sie und ihre Familie sind seit Jahrzehnten aktiv, an ihrem Haus hängt die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“.

Schwalben hielten nicht am neuen Putz

An den Häusern des Halmweges haben Schwalben schon immer ihre Nester gebaut. Doch irgendwann kamen die Häuser in die Jahre und die ersten Hausbesitzer begannen mit der Renovierung. Bei den Schlatts war das 1979 der Fall. Danach hatten die Schwalben Probleme mit dem Nestbau. „Die Nester fielen herunter, manchmal mit Gelege“, berichtet Heidi Schlatt. Der moderne Putz bot keinen Halt mehr.

1981 bauten die Schlatts erste Nisthilfen für Schwalben unter die Dachrinnen. Und waren überrascht. Die Schwalben nahmen die Nisthilfen sofort an. Die künstlichen Schwalbennester waren immer sofort ausgebucht. Die Familie legte nach und hatte schnell pro Jahr rund 20 Brutpaare am Haus. Zu sehen, dass die Unterstützung der Vögel funktionierte, war Erfolgserlebnis für Heidi Schlatt.

Dreck an der Hausfassade

Nur so ist zu erklären, dass die Familie all die Jahre soviel Mühen auf sich nahm, denn Schwalbennester am Haus bringen Probleme mit sich. Dreck. Dreck auf dem Boden unter dem Nest, Dreck an der Wand. Die Hausfassade wird einmal im Jahr mit einem Hochdruckreiner gesäubert, der Boden unter den Nestern einmal pro Woche gefegt.

„Das kommt als Dünger in den Kompost“, berichtet Heide Schlatt. Die Blütenpracht in dem üppigen Garten zeigt die Wirkung dieses Düngers. Am Ende der Saison werden die künstlichen Schwalbennester gereinigt, denn die Brutpaare kommen meist wieder in ihr Stammnest.

Viele Vögel blieben im Süden

Bislang zumindest. In diesem Jahr ist das anders. Nur vier Brutpaare haben die Reise aus ihrem Winterquartier in Sambia und Kamerun bis nach Deusen geschafft. Heidi Schlatt macht sich Sorgen, dass die Vögel gestorben sind.

Doch die Vogelschützer des Naturschutzbundes (Nabu) wissen, dass Schwalben gerne mal im Süden bleiben, wenn während des Vogelzuges Ostwind bläst. Frau Schlatts Schwalben könnten also in diesem Jahr in Bayern brüten.

Apropos Nabu. Aktive des Dortmund Nabu entdeckten eines Tages das Deusener Schwalbenhaus und ehrten Heidi Schlatt mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt