Der Kronen-Turm soll neuer Sitz des Stadtarchivs werden

Machbarkeitsstudie

Wird der seit Jahren leer stehende Kronen-Turm zum neuen Stadtarchiv? Die Stadt will diese Idee mit einer Machbarkeitsstudie untersuchen lassen. Die Erwartungen sind groß.

Dortmund

, 15.11.2018, 14:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Kronen-Turm soll neuer Sitz des Stadtarchivs werden

Der Kronen-Turm steht seit 20 Jahren leer. Jetzt gibt es Pläne, ihn als Stadtarchiv-Turm zu nutzen. © Hans Blossey

Seit gut 20 Jahren steht der Turm der früheren Kronen-Brauerei, die 1996 an die DAB verkauft wurde, leer. Seitdem wurden viele Pläne für das inzwischen sehr unansehnliche, 65 Meter hohe Gebäude an der Märkischen Straße geschmiedet – vom Umbau mit Loft-Wohnungen und Büros bis zu Abriss oder Sprengung. Doch jetzt gibt es eine ganz neue Perspektive für den Turm: Er könnte Sitz des Stadtarchivs werden.

Das Stadtarchiv liegt seit 1998 an der Märkischen Straße beheimatet. Der damalige kurzfristige Umzug vom Alten Stadthaus in ein früheres Siemens-Bürogebäude, das von der Stadt angemietet wurde, sollte ausdrücklich nur ein Provisorium sein. Denn der Platz ist sehr begrenzt. In der Nachbarschaft werden deshalb noch zwei weitere Gebäude für Magazinflächen und die Restaurierungswerkstatt genutzt.

Das Stadtarchiv hat einen großen Flächenbedarf

Schon seit längerer Zeit ist Stadtarchiv-Leiter Dr. Stefan Mühlhofer damit beauftragt, ein Raumkonzept für das Stadtarchiv zu entwickeln. Er hat einen Bedarf von gut 10.000 Quadratmetern Fläche ausgemacht, um langfristig die Archivalien der Stadt sicher unterbringen zu können.

Dass der Kronen-Turm dafür als Standort in Frage kommt, ist ebenfalls keine neue Überlegung. Schon 2013 wurden erste Ideen dazu im Gestaltungsbeirat der Stadt präsentiert. Seit Anfang 2017 laufen konkrete Untersuchungen Gespräche, auch mit Dr. Alexander Puplick und Beate Puplick von der Kronen-Turm GbR als Eigentümer des alten Brauerei-Relikts.

Ein Jahr Zeit für die Machbarkeitsstudie

Das Ergebnis der Gespräche ist positiv, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Deshalb schlägt der Verwaltungsvorstand jetzt der Politik vor, eine Machbarkeitsstudie für die Ansiedlung des Stadtarchivs im Kronen-Turm in Auftrag zu geben.

Sie soll Bausubstanz, Bodenverhältnisse und die Umbau-Notwendigkeiten untersuchen und auch Kosten dazu ermitteln. „Wir wollen Überraschungen weitgehend ausschließen“, erklärt Thomas Ellerkamp als Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes. „Dafür nehmen wir uns jetzt genau ein Jahr Zeit.“

Auf Basis der Untersuchungsergebnisse soll dann der Rat im Herbst nächsten Jahres entscheiden, ob der Kronen-Turm mitsamt des benachbarten Sudhauses und Wenkerkellers gekauft wird. Alternativ sollen aber auch die Kosten für eine Stadtarchiv-Ansiedlung „auf der grünen Wiese“ und in einem wieder angemieteten Gebäude ermittelt und dargestellt werden.

Flächen könnten teilweise vermietet werden

Platz gäbe es im Kronen-Turm und seinen Nachbargebäuden auf jeden Fall genug. Zusammen ergeben sich rund 17.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, rechnet Ellerkamp vor. Zu den Überlegungen gehört deshalb auch, einen Teil der Flächen, die (noch) nicht vom Stadtarchiv benötigt werden, zu vermieten oder etwa auch das aktuell ins Münsterland ausgesiedelte Bauaktenarchiv der Stadt hier mit anzusiedeln.

In jedem Falle wäre genug Platz, um das Stadtarchiv dann auf Dauer unterzubringen, ist Stefan Mühlhofer überzeugt. Nicht zuletzt sieht er auch die Möglichkeit, die Arbeit des Stadtarchivs besser und publikumswirksamer zu präsentieren – etwa mit Räumen für Ausstellungen und Vorträge. „Der Kronen-Turm ist eine tolle Adresse, um Geschichte lebendig zu machen“, stellt auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau fest.

Falls der Rat das auch so sieht und Ende nächsten Jahres den Kauf der Immobilien auf dem Kronen-Areal beschließt, könnte der Umbau nach genauer Planung und Ausschreibung starten. „Wenn alles gut geht, könnten wir dann 2023 einziehen“, sagt Mühlhofer.

Der Kronen-Turm wurde Anfang der 1960er-Jahre gebaut und als Gär-und Lagerkeller der Kronen-Brauerei genutzt. Das Stadtarchiv bewahrt rund 5300 laufende Meter Archivgut zur Stadtgeschichte, darunter rund 2000 Urkunden aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Archiviert werden außerdem Karten und Pläne. Es bestehen eine Pressedokumentation, ein Bild- und Medienarchiv und eine mehr als 40.000 Titel zählende Bibliothek. Dazu kommt ein Zwischenarchiv mit städtischem Aktenmaterial, das rund 6200 laufende Meter umfasst.
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