Walter Kellers Fotos sind eine Liebeserklärung an die Stadt. Das Besondere seiner Bilder liegt im Detail. Hier gibt es ein paar seiner besten Aufnahmen zu sehen.

Dortmund

, 02.06.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Walter Keller ist Fotograf und Dortmunder aus Leidenschaft. Ob Zeche Gneisenau, Phoenix-West, der Kanal, die Parks oder die Fans des BVB – seine Bilder sind eine Schatzkiste für Stadtwerber. Sie zeigen Dortmund mit einem ganz besonderen Blick auf die Schönheiten der Westfalenmetropole. Und dieser Blick liegt im Detail.

Diese wunderschönen Fotos sind eine Liebeserklärung an Dortmund

Ab im Gänsemarsch – Schichtwechsel der Kanada-Gänse auf Phoenix-West. © Walter Keller

„Unsere Stadt hat zu Unrecht ein eher schlechtes Image“, sagt der 67-Jährige. „Die Stadt ist viel schöner als Leute oft denken.“ Wenn sie seine Bilder sehen, fragen Nichtdortmunder: Ist das wirklich Dortmund? „Das höre ich immer wieder.“

Urlaub in Dortmund gemacht

Den gebürtigen Rheinländer verschlug es vor rund 40 Jahren nach Dortmund, seine damalige Freundin, heute langjährige Ehefrau, damals Studentin, lockte ihn hier her, genauer ins Kreuzviertel. Auch wenn der Autor, Journalist und Fotograf zwischenzeitlich mehr als 25 Jahre im Ausland, vor allem in Asien, tätig war, hatte er in seiner Wahlheimat Dortmund immer seine Homebase, verbrachte in seinem Haus in der Kreuzstraße seinen Urlaub. „Ich muss sagen, dass ich supergern hier wohne. Das ist genau die Stadt für mich. Nicht zu groß und nicht zu klein.“

Diese wunderschönen Fotos sind eine Liebeserklärung an Dortmund

Die Zeche Gneisenau in Dortmund Derne. Früher wurde hier malocht, heute geschaukelt. © Walter Keller

Seit 2014 ist Walter Keller Rentner und seitdem fast täglich oft mehrere Stunden mit dem Fahrrad unterwegs – mit Kameras im Rucksack und Objektiven in den Satteltaschen. Nur wenn es aus Kübeln schüttet, bleibt er zu Hause. „Damals kannte ich Dortmund noch nicht so richtig im Detail. Heute kenne ich jede Straße, jeden Weg, jeden Baum“, sagt er. Von Lanstrop bis Lütgendortmund, von Somborn bis Syburg, von Aplerbeck bis Alt-Scharnhorst und Wischlingen bis Wellinghofen.

150.000 Bilder zeigen Dortmund

Er lässt sich ohne Plan treiben, ist an verschiedenen Stellen gefühlt schon tausend Mal gewesen. „Und je nach Licht und Jahreszeit hat sich fotografisch immer etwas anderes ergeben“, sagt er, „ich habe noch nie nichts mit nach Hause gebracht.“ Rund eine halbe Million Mal hat er in den letzten fünf Jahren auf den Auslöser gedrückt, schätzt Walter Keller. Netto hat er 150.000 Bilder von Dortmund auf seinem Rechner. Die meisten mit Wohlfühlfaktor. Von Sympathie für die Stadt, ihre Menschen und Tiere getragen.

Diese wunderschönen Fotos sind eine Liebeserklärung an Dortmund

Hund und Kind in Erwartung des letzten Spieltags der Bundesliga. Wird der BVB noch Meister? © Foto Walter Keller

Durch das Fotografieren hat er viele Leute kennengelernt, ist mit ihnen ins Gespräch gekommen. Meist ist er schon sehr früh unterwegs. „Ich bin regelmäßig in den Parks. Der Rombergpark ist der Hammer, und man kommt umsonst rein. Für den Westfalenpark habe ich eine Jahreskarte.“ Meist sprechen ihn dort ältere Leute an: „Na. Herr Keller, wie geht es Ihnen.“ Das seien nette zwischenmenschliche Begegnungen, erzählt er.

Der Deutschland-Achter als Scherenschnitt

In der vergangenen Woche war er unter anderem am Kanal unterwegs und traf dort auf den Deutschland-Achter. Er hat ihn beim Training im Gegenlicht fotografiert. „Die Sonne stand von Osten kommend schräg auf dem Wasser. Wie Gold.“ Die Ruderer sehen auf dem Bild aus wie ein Scherenschnitt. Ob Sommer oder Winter – am Kanal entstünden oft schöne Bilder, sagt er.

Im letzten Jahr hat Walter Keller eine Fotoreihe zum hoch aktuellen Thema Insekten und Insektensterben gemacht. Zwei Jahre lang hat er den Florianturm im Westfalenpark in Szene gesetzt. Immer anders. Andere Standorte, andere Brennweiten, andere Perspektiven. Und oft mit etwas Verrücktem, wie dem Seniorenpaar, das mit Regenschirm Cabrio fährt.

Diese wunderschönen Fotos sind eine Liebeserklärung an Dortmund

Bei diesem schönen alten BMW-Cabrio funktionierte das Verdeck nicht. Aber das Paar wusste sich zu helfen. © Walter Keller

Neben den Menschen, Flora und Fauna sowie den geometrischen Formen von Architektur fängt er mit seiner Kamera auch die Graffitikunst in der Stadt ein. Oft garniert er seine manchmal skurrilen Bilder mit schönen, teils witzigen Bildunterzeilen. Und der BVB hat natürlich auch seinen Stellenwert in Kellers Fotosammlung.

Kostenloser Bilderdienst

Außergewöhnlich wie Kellers Bilder ist auch sein kostenloser Bilderdienst „Dortmunder Augenblicke“, für de sich jeder anmelden kann. Eine Mail an Walter Keller genügt und schon bekommt man jeden Mittwochmorgen eine Auswahl von Kellers schönsten Schnappschüssen. Der Bilderdienst geht mitterweile an mehr als 1000 Bezieher, darunter an viele Ex-Dortmunder etwa in München und Stuttgart, aber auch in den USA, Asien und England. „Ein recht bunter Kreis“, sagt er. 1000 Abonnenten – das sind nur die, von denen Walter Keller weiß; denn oft wird die Bildermail einfach weitergeleitet.

Diese wunderschönen Fotos sind eine Liebeserklärung an Dortmund

Dramatischer Take-off des Schwans auf dem Dortmund-Ems-Kanal. © Foto Walter Keller

Zunehmend sind Kellers Fotografien auch in AusstelIungen zu sehen. 50 gerahmte Bilder zur Industriekultur hängen im Arbeits- und Sozialgericht. Auch Arzt- und Rechtsanwaltspraxen wissen Kellers Fotokunst zu schätzen. „Das habe ich nicht geplant, das hat sich so entwickelt.“

Eigene Homepages: Walter Keller hat eine eigene Homepage. Und noch eine zweite. Seit Ende der 70er-Jahre hat Keller als Journalist und Fotograf für Zeitungen im deutschsprachigen Raum sowie für den Hörfunk über Süd- und Südostasien berichtet. Zudem war er Trainer bei der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung und hat nach seiner Zeit als Journalist zehn Jahre lang, von 2003 bis 2013, für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Projektleiter in Sri Lanka gearbeitet.
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