Demo in der City endet mit Festnahme nach Angriff auf Journalisten

dzMehrere Veranstaltungen

Trotz eines kurzfristigen Verbots haben sich etwa 150 bis 200 Personen auf dem Alten Markt versammelt. Ein Mann aus dem rechtsextremen Spektrum ist am Nachmittag festgenommen worden.

Dortmund

, 09.05.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für 15.30 Uhr am Samstag (9.5.) war auf dem Alten Markt eine Versammlung unter dem Motto „Nicht ohne uns“ angemeldet. Die Stadt Dortmund hat eine Dreiviertelstunde vor Beginn eine Pressemitteilung verschickt, in der sie mitteilt, die Versammlung untersagt zu haben. Dennoch kamen etwa 150 bis 200 Menschen.

Solche Veranstaltungen müssen grundsätzlich nicht ausdrücklich genehmigt werden. Wenn man sie anmeldet, können sie normalerweise durchgeführt werden. Nun hat die Stadtverwaltung aber aus infektionsschutzrechtlichen Gründen ein Verbot ausgesprochen. „Ein vorsätzlich oder fahrlässig begangener Verstoß gegen diese Verfügung kann eine Straftat nach der Coronaschutzverordnung sein“, hieß es.

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Auf dem Alten Markt versammelten sich zwischen 15 und 15.30 Uhr immer mehr Menschen ohne sichtbaren konkreten Treffpunkt. Ab 15.30 Uhr trommelte jemand minutenlang im immer gleichbleibenden Takt und viele Menschen, auch offenbar zufällig vorbeigekommene Passanten, klatschten mit.

Später sangen einige Teilnehmer das Lied „Die Gedanken sind frei“. Vereinzelte Menschen hielten Schilder unter anderem mit dem Schlagwort „Widerstand“ hoch. Sie wandten sich gegen Maßnahmen des Infektionsschutzes. Mehrere stadtbekannte Neonazis waren in der bunt gemischten Menge zu sehen.

Verschwörungstheoretiker mit „Alu-Bommeln“

Auch die Fraktion der Verschwörungstheoretiker war vor Ort: Einige Teilnehmer hielten selbst gebastelte Qs in die Luft, die der rechtsextremistisch geltenden Gruppe „QAnon“ zuzuschreiben sind.

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Corona-Gegner und Nazis demonstrieren in der Innenstadt

Auf dem Friedensplatz und am Alten Markt sammelten sich am Samstag (9.5.) die unterschiedlichsten Menschen, um gegen die Politik in Zeiten der Corona-Pandemie zu demonstrieren. Unter ihnen waren auch stadtbekannte Neonazis sowie Verschwörungstheoretiker aus dem rechten Spektrum.
09.05.2020
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Die Polizei war mit vielen Einsatzkräften auf dem Friedensplatz.© Kevin Kindel
Die angemeldete Kundgebung "Querdenken für den Frieden" war anfangs noch ruhig.© Robin Albers
Interessierte Menschen blieben stehen und diskutierten mit den Teilnehmern der Kundgebung. Häufig verliefen die Gespräche in verschwörungstheoretische Richtungen.© Robin Albers
Einige Menschen malten noch spontan Plakate.© Robin Albers
Als die Dortmunder Neonazis eintrafen, veränderte sich die Stimmung auf dem Friedensplatz und die Polizei musste einschreiten.© Robin Albers
Von mehreren Neonazis wurden Personalien aufgenommen: Die haben Grundgesetze verteilt, das laut der Polizei gegen die Auflagen für Versammlungen verstoße.© Kevin Kindel
Eigentlich wurde die Veranstaltung am Alten Markt von der Stadt und der Polizei untersagt. Corona-Gegner und Neonazis versammelten sich allerdings trotzdem dort.© Kevin Kindel
Ein paar Besucher kamen offensichtlich vorbereitet zum Alten Markt.© Robin Albers
Die Menge war laut, Parolen wie "Wenn unrecht zu recht wird, wird Widerstand zur Pflicht" wurden unisono gerufen.© Robin Albers
Viele Menschen sind vom Friedensplatz zum Alten Markt gelaufen.© Robin Albers
Die Polizei sicherte alle Zugänge zum Alten Markt.© Kevin Kindel
Nach rund einer Stunde wurde die unerlaubte Versammlung aufgelöst.© Kevin Kindel
Die Menschen liefen als geschlossene Gruppe Richtung Hansaplatz. Auf der Hansastraße kam es wenig später zu einem Angriff auf einen Journalisten.© Robin Albers

Andere Teilnehmer trugen „Alu-Bommel“ am Körper, um sich als „Querdenker“ auszuweisen – eine beliebte Selbstbezeichnung in den Kreisen. Zudem wurde „Gib Gates keine Chance“ skandiert. Viele Verschwörungstheoretiker vermuten, dass die Corona-Krise von Milliardär Bill Gates inszeniert werde.

An vielen Stellen wurde der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten, bei den aktiven Teilnehmern wurde offenbar absichtlich auf das Tragen von Schutzmasken verzichtet. Unser Reporter vor Ort wurde in der Menge häufiger gefragt, warum er denn eine Maske trage.

Teilnehmer wollten „spazieren gehen“

Um 16.05 Uhr ertönte eine Durchsage mit der Nachricht, dass die Stadt Dortmund die Versammlung verboten habe. Es folgten Pfiffe und „Widerstand“-Sprechchöre. Ein großer Teil der Gruppe setzte sich in Bewegung, Teilnehmer betonten lautstark, sie wollten „spazieren gehen“. Das könne man ihnen nicht verbieten.

An der Hansastraße ist eine Person festgenommen worden.

An der Hansastraße ist eine Person festgenommen worden. Von weiteren Teilnehmern der vorherigen Versammlung wurden Personalien überprüft. © Kevin Kindel

Die Gruppe zog über den Hansaplatz auf die Hansastraße. „Eine Person aus dem rechtsextremen Spektrum ist dort aus der Gruppe heraus einen Kameramann körperlich angegangen“, sagte Polizeisprecher Sven Schönberg wenige Minuten danach. Der Angreifer habe gegen die Kamera geschlagen, ist sofort festgenommen und in Gewahrsam genommen worden.

Neonazis verteilen Grundgesetze

Bei einer Kundgebung zum Thema „Querdenken für den Frieden“ auf dem Friedensplatz, die bereits um 14 Uhr begann, war die Menge deutlich kleiner, aber ähnlich gemischt. Neonazis waren auch hier zugegen, darunter dieselben bekannten Personen der Partei „Die Rechte“.

Die Polizei war mit viel Personal vor Ort. Die anwesenden Journalisten, darunter auch unsere Reporter, wurden darauf hingewiesen, Konflikte mit den Neonazis sofort zu melden.

Die Rechtsextremisten verteilten Grundgesetze an Teilnehmer der Kundgebung. Das wurde allerdings schnell von der Polizei unterbunden. „Flugblätter“, wozu die Grundgesetze in dem Fall zählen, stellen ein Infektionsrisiko dar, wie ein Polizeisprecher erklärte. Die Personalien von mehreren Rechten wurden am Friedensplatz aufgenommen.

Der Anmelder der Kundgebung am Friedensplatz erklärte unserem Reporter, dass seine Aktion nichts mit Neonazis zu tun haben möchte. Allerdings war auch zu beobachten, wie die Teilnehmer mehrfach mit ihnen sprachen, einige nahmen die Grundgesetze auch an.

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