Stefanie Klimasch ist die neue Leiterin des Stadtgymnasiums in der Dortmunder Innenstadt. © Oliver Schaper
Stefanie Klimasch

Das Stadtgymnasium hat nach fast 500 Jahren erstmals eine Frau als Chefin

Das Stadtgymnasium ist eine traditionsreiche Schule. Fast 500 Jahre alt musste sie werden, um erstmals eine Frau an die Spitze zu bekommen. Eine wichtige Rolle spielte ein Zufall bei der Sparkasse.

Was für eine Zahl: 478 Jahre männlicher Schulleiter sind Geschichte am Stadtgymnasium Dortmund. Seit Anfang März hat erstmals eine Frau das Amt inne – und die hat einiges vor mit der Schule.

„Für mich ist das eigentlich nur spektakulär, weil andere das spektakulär finden“, sagt die Frau mit den Locken und der braunen Hornbrille lachend: „Ich sitze hier als Mensch – unabhängig von meinem Geschlecht.“ Stefanie Klimasch hat die Schulleitung von Bernhard Koolen übernommen.

Seit 2008 ist die heute 50-Jährige am Heiligen Weg in der Innenstadt tätig. Ihre Fächer: Deutsch und Pädagogik. Seit 2016 hat sie die Erprobungsstufe koordiniert und ist Lehrerin aus Leidenschaft.

Am Donnerstag (4.3.) ist die Schulleitung übergeben worden.
Am Donnerstag (4.3.) ist die Schulleitung übergeben worden. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Ihr Berufswunsch stand schon früh fest. Während andere das Lehramtsstudium antraten, weil sie nicht wussten was sie sonst studieren sollen, wusste Klimaschs Deutschlehrer bereits in der zehnten Klasse, dass seine Schülerin einmal Lehrerin wird.

„Er meinte, das würde zu mir passen“, sagt die Neu-Schulleiterin. Recht hatte er. „Ich bin mit Leib und Seele Lehrerin“, sagt Klimasch heute. Was sie an diesem Job besonders mag: „Das sind die positiven Erlebnisse und der Kontakt mit meinen Schülern“.

Anders als der Weg in die Klassenräume war der zu der Urkunde, die die neue Chefin jetzt in den Händen hält, nicht so direkt. „Der ist ungefähr so aufwändig, als wollte man amerikanischer Präsident werden“, scherzt Klimasch. Unter anderem sind Wochenend-Seminare nötig, viel Bürokratie sei zu überwinden, sagt die Pädagogin.

Sie ist diesen Weg dennoch gegangen und kann jetzt selbst Entscheidungen treffen. Rückhalt bekommt sie dabei vom Kollegium. Auch aufgrund des Zuspruchs hat sich die Dortmunderin dazu entschieden, diesen Schritt zu gehen. „Ich hoffe, ich werde diesen Erwartungen gerecht“, sagt sie: „Man trifft schließlich nicht nur schöne Entscheidungen.“

Schüler sind von der neuen Leiterin überzeugt

Rückhalt hat sie auch von den Schülern. Als ihre Klasse 7c sie fragte, ob sie die Schulleitung übernimmt, habe Klimasch die Gegenfrage gestellt: „Wie kommt ihr denn darauf?“ „Weil Sie das können“, habe die Antwort der Schüler gelautet.

Dass diese Veränderung bedeutet, dass jemand anderes die Klasse übernimmt, hätten sie dann nicht gut gefunden. „Ich wusste aber, dass ich die Klasse in gute Hände übergebe“, erklärt die neue Chefin. Ein Manko hat ihre neue Aufgabe allerdings: „Als Leitung habe ich weniger Unterricht.“

Dortmund ist ihre Heimat. „Hier bin ich geboren und aufgewachsen“, erklärt Klimasch. Nach dem Studium in Bochum zog es sie dann aber doch weg aus dem Ruhrgebiet – an den Niederrhein. Die Geburt ihrer Tochter 2006 war dann Anlass für die Rückkehr in die alte Heimat. „Es war klar, dass ich wieder zurückkomme“, erzählt die Schulleiterin.

Auf der Suche nach einer neuen Stelle in Dortmund rückte das Dortmunder Stadtgymnasium in ihr Visier. Eine Initiativbewerbung war allerdings wenig erfolgsversprechend. „Die damalige Sekretärin fragte mich nach meinen Fächern“, erzählt Klimasch.

Zufallsbegegnung bei der Sparkasse

„Deutsch und Pädagogik? Das brauchen wir nicht“, sei die Antwort gewesen. Ein glücklicher Zufall machte dann doch den Weg frei. „Der damalige Schulleiter Herr Becker war der ehemalige Physiklehrer meines Mannes“, berichtet Klimasch: „Den hat er zufällig bei der Sparkasse getroffen.“ Und direkt ein Vorstellungsgespräch ausgemacht. Denn Deutsch konnte das Stadtgymnasium zu der Zeit sehr wohl gebrauchen.

Das war 2008. 13 Jahre später übernimmt Stefanie Klimasch die Leitung der Schule. In ihrer Amtszeit möchte sie vor allem die Digitalisierung und das Profil der Schule voranbringen. Seit 2019 hat sich das Stadtgymnasium „Global Citizenship Education“ auf die Fahne geschrieben. Ein Herzensprojekt von Klimasch, die sagt: „Wir wollen Weltbürger erziehen.“

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