Das Mädchen hat Biss

LANSTROP 1,53 Meter große geballte Energie: Nach einem Unfall mit einer Straßenbahn vor vier Jahren gab Isabella-Marie nicht auf. Im Gegenteil. Mit Prothese kämpfte sie sich sportlich durch und errang bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften der körperlich Behinderten in Berlin im Dreikampf die Bronze-Medaille.

09.07.2008, 17:01 Uhr / Lesedauer: 1 min

<p>Beißt sich durch: Isabella-Marie Fehn ist stolz auf die Bronzemedaille, die sie im Dreikampf (Weitsprung, Ballwurf, 100-m-Lauf) bei den Deutschen Meisterschaften errungen hat. Niehörster</p>

<p>Beißt sich durch: Isabella-Marie Fehn ist stolz auf die Bronzemedaille, die sie im Dreikampf (Weitsprung, Ballwurf, 100-m-Lauf) bei den Deutschen Meisterschaften errungen hat. Niehörster</p>

Isabella-Marie Fehn ist jetzt elf Jahre alt, hübsch und aufgeweckt. Sie ignoriert Schmerzen und weiß durchaus, was sie will. "Ich bin nicht behindert, dieses Wort hasse ich. Ich habe ein Handicap", sagt sie selbstbewusst und lächelt verschmitzt.

Am 24. Juni vor vier Jahren war die damals Siebenjährige in Begleitung des Vaters unterwegs mit dem Rad auf dem Weg nach Brackel. Sekundenbruchteile - und es war geschehen: Isabella-Marie prallte in Asseln gegen die Straßenbahn, stürzte und verlor einen Teil ihres rechten Fußes.

Böse Vorahnung

"Als meine Tochter ganz klein war, sind wir vom viel befahrenen Wickeder Hellweg nach Kurl gezogen, weil ich immer Angst hatte, es könne ihr etwas passieren. Das hat leider nichts genutzt. Am Unfalltag war ich arbeiten und hatte schon so eine böse Vorahnung. Ich habe noch zu Hause angerufen und gesagt, sie sollten nicht mit dem Rad fahren", erinnert sich Mutter Sabine Fehn.

Freundin Stina brachte die Schülerin nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt in Kontakt mit Teutonia Lanstrop. "Stina war dort im Verein, und ich hatte Langeweile", sagt das Medaillenmädchen. Zweimal in der Woche trainiert sie seitdem dort eisern und gut betreut von Trainerin Elena Persina.

Familie Fehn musste viele Hürden nehmen. Die rund 2500 Euro teuren Sportprothesen werden nicht von der Krankenkasse bezahlt und auch nicht die unzähligen Fahrten zu den Ärzten im Olympiastützpunkt Bochum-Wattenscheid.

"Taxi Mama"

Doch das "Taxi Mama" hat sich gelohnt. Isabella-Marie, die am 7. Juni bei den Bezirksmeisterschaften in Duisburg sogar den 1. Platz belegte, hat ab September einen eigenen Sponsor. Ihr Ziel: im Jahr 2012 die Paralympics in London.

Die Lanstroper Leichtathleten sind stolz auf Isabella-Marie, die in Scharnhorst die Gesamtschule besucht. Der Verein schenkt ihr als Anerkennung eine Reise nach Lund (Schweden). Die Lanstroper führen schon seit 33 Jahren in den Herbstferien die Reisen zum Partnerverein IFK Lund durch - und diesmal ist Isabella-Marie mit dabei. Petra Frommeyer

Lesen Sie jetzt