Dortmunder Musikschulen dürfen öffnen - sind aber weiter geschlossen

dzCoronavirus

Sechs Wochen hatten die Musikschulen geschlossen. Seit Montag ist Unterricht wieder erlaubt. In Dortmund gibt es noch kein Wiedereröffnungsdatum. Die Schulen beklagen eine Ungerechtigkeit.

Dortmund

, 05.05.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Geigen- oder Klavierunterricht? Musikalische Früherziehung? Spielen im Orchester? Das war lange nicht möglich. Jetzt dürfen Musikschulen wieder öffnen - wenn sie Bedingungen erfüllen. In Dortmund steht die Entscheidung noch aus.

Mit dem Beschluss der Landesregierung zur Eindämmung des Coronavirus hatten seit dem 17. März auch Musikschulen geschlossen. Rund 336.000 Schüler in ganz NRW waren betroffen. In Dortmund sind es zwischen sechs- und siebentausend Musikschüler, die zurzeit vor allem Online-Unterricht erhalten.

Kann Einzel- und Kleingruppenunterricht funktionieren?

Bernd Smalla (64) ist Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen in NRW e.V. – und Leiter der städtischen Musikschule Hamm. Im Landesverband sind 160 Musikschulen zusammengeschlossen. Der Musikpädagoge hatte bereits in der vergangenen Woche dafür plädiert, dass man Musikschulen unter bestimmten Hygieneregeln wieder öffnen dürfen müsste.

Musikschulleiter Bernd Smalla (64).

Musikschulleiter Bernd Smalla (64). © Annkatrin Hausmann

„Für Einzel- und Kleingruppenunterricht kann ich mir das gut vorstellen. Gerade bei unverfänglichen Instrumenten wie Geige, Gitarre oder Akkordeon“, sagte er am Donnerstag.

Musikschulleiter in ganz Deutschland hatten sich geärgert

Was die Musikschulleiter in ganz Deutschland geärgert hatte, war die Tatsache, dass Einzelunterricht zu Hause bei freiberuflich tätigen Musiklehrern seit dem 20. April erlaubt war. Gegen diese „Ungleichbehandlung“ hatte sich der Verband deutscher Musikschulen in einem Schreiben an die Bundesregierung und die Landesregierungen gerichtet.

Offenbar mit Erfolg - denn seit Montag, 4. Mai, dürfen die Musikschulen laut Landesregierung wieder ihre Türen öffnen. Zu Volkshochschulen und Musikschulen heißt es: „Bildungsangebote dürfen stattfinden, sofern Hygienemaßnahmen und ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen gewährleistet sind“.

Putzen von Klaviertastaturen gehört zum Konzept

Doch da Musikschulen in der Regel städtisch oder im Verbund mehrerer Kommunen betrieben werden, ist der genaue Zeitpunkt deren Entscheidung. „Die Musikschule Dortmund hat noch nicht wieder geöffnet“, teilte die Stadtsprecherin Katrin Pinetzki auf Anfrage der Redaktion am Montag mit.

„Die letzte Entscheidung darüber trifft der Krisenstab der Stadt.“ Möglicherweise gebe es am Dienstag (5.5.) dazu schon eine Entscheidung. Pinetzki: „Bis dahin findet der Unterricht auf jeden Fall weiterhin online statt.“

Das weiß auch Volker Gerland, der Leiter der Musikschule Dortmund. „Nach den Osterferien hatten wir damit begonnen, ein Hygienekonzept zu entwickeln. Das muss ich jetzt dem Krisenstab vorlegen.“

Der Dortmunder Musikschulleiter Volker Gerland freut sich, dass die Musikschule bald wieder öffnen kann.

Der Dortmunder Musikschulleiter Volker Gerland freut sich, dass die Musikschule bald wieder öffnen kann. © Foto: Michael Schuh (A)

Das Hygienekonzept werde „vom Händewaschen und Desinfektion vor dem Unterricht über das Putzen von Türklinken und Klaviertastaturen bis zu den begegnungsarmen Wegeführungen in den Häusern“ den Hygieneregeln gerecht.

Gerland ist zuversichtlich, dass transparente Spuckschutz-Wände, Handtücher, Seife und Desinfektionsmittel bis Ende dieser Woche geliefert werden. „Bestellt ist alles“, sagt er.

Die persönliche Begegnung ist im Musikunterricht wichtig

Der 62-Jährige freut sich, dass es bald wieder losgehen kann. „Auch, wenn sich die Kolleginnen und Kollegen nach Kräften bemüht haben, die Schülerinnen und Schüler online weiter zu betreuen: Die persönliche Begegnung ist nicht vollständig zu ersetzen, das liegt im Wesen unseres Fachs, und das finden wir eigentlich auch gut so.“

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Dieser Meinung ist auch sein Hammer Kollege Bernd Smalla: „Musik verstehen wir als soziales Lernen. Die Kontinuität des Musikschulunterrichts ist für Kinder und Jugendliche von großer stabilisierender Bedeutung.“

Zum virtuellen Unterricht sagt der Dortmunder Musikschulleiter: „Viele Kollegen haben das richtig gut hingekriegt. Aber nicht jeder kann sein Wohnzimmer in ein Tonstudio verwandeln. Alle warten sehnsüchtig darauf, dass es wieder losgeht.“

Sind Blasinstrumente Virenschleudern?

Die Öffnung gilt zunächst nur für den Einzelunterricht. „Band-, Chor- und Orchesterproben sowie Gruppen- und Klassenunterricht gehen noch nicht“, bedauert Gerland.

Bernd Smalla sieht zudem Probleme bei der Umsetzung des Unterrichts mit Blasinstrumenten: „Bei einer Querflöte geht nur ein Teil der Atemluft ins Instrument; das Meiste geht darüber hinweg.“ So könnten sich möglicherweise eher Viren in der Raumluft sammeln als bei anderen Instrumenten. „Wir hoffen da auch noch auf verlässliche Studien durch musikmedizinische Institute.“

Volker Gerland glaubt nicht, dass Blasinstrumente potentielle Virenschleudern sein können. „Wir gehen, wenn wir alle hygienischen Bedingungen hergestellt haben und das Ok des Krisenstabs vorliegt, prinzipiell mit allen Instrumenten an den Start“, sagt er. „Für Blasinstrumente und Gesangsunterricht sehen wir viel größere Räume, als laut Verordnung verlangt werden, und zusätzlich transparente Schutzwände vor.“

Eine Musiklehrerin beim Fernunterricht. Doch Musikunterricht ist auch soziales Lernen.

Eine Musiklehrerin beim Fernunterricht. Doch Musikunterricht ist auch soziales Lernen. © LVdM

Anfangs könne auch weiter online unterrichtet werden. Eventuell auch im wöchentlichen Wechsel virtuell/präsent. „Das ergibt Sinn, weil wir davon ausgehen, dass uns die Räume, die wir sonst in allgemeinbildenden Schulen mit nutzen, zunächst nicht uneingeschränkt zur Verfügung stehen werden.“

Zum Fernunterricht, das berichten beide Musikschulleiter, hätten viele Eltern bisher positive Rückmeldungen gegeben. „Eine Mutter hat uns geschrieben, das würde der Familie in dieser Isolation ein Stück Alltag ins Haus bringen“, freut sich Bernd Smalla.

Die Verbände der Musikschulen und ihr Corona-Konzept
  • An den 160 Mitgliedsschulen des Landesverbandes (LVdM) NRW werden ca. 336.000 Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen von über 7.500 Lehrerinnen und Lehrern ausgebildet. Damit ist der LVdM NRW der größte Landesverband.
  • Im Verband deutscher Musikschulen (VdM) sind bundesweit 930 öffentliche Musikschulen zusammengeschlossen - mit rund einer Million Kindern und Jugendlichen.
  • Für die Mitgliedschulen und deren zumeist kommunale Träger hat der VdM Konzepte zur Wiederinbetriebnahme an Musikschulen entwickelt. Darin führt er in einem 3-Punkte-Plan die Möglichkeiten und detaillierten Voraussetzungen für eine schrittweise Öffnung der Musikschulen unter Einhaltung der Hygienebestimmungen und der Nachverfolgung von Infektionsketten aus.
  • Auch für die angemessene Fortführung von Kooperationsangeboten zwischen Musikschule und allgemeinbildender Schule werden darin zur Corona-Schutz-Verordnung konforme Angebotsformen im Gruppenunterricht parallel zur Öffnung von Schulen beschrieben.
  • Für einen solchermaßen sicheren Unterricht können die Kommunen als Träger oder Gewährsträger der Musikschulen die notwendigen Voraussetzungen schaffen und den Personaleinsatz entsprechend steuern.

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