Coronakrise: Ein Plastiktütchen Geld für eine Portion Eis

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Die Eisdiele „Tiamo“ hat einen telefonischen Bestellservice eingerichtet. Das Geld sollen die Kunden in einem Umschlag auf die Theke legen. Das Eis gibt es also kontaktlos. Funktioniert das?

Scharnhorst

, 24.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich müsste Alfred Loeber am Boden zerstört sein. Als Besitzer der Eisdiele „Tiamo“ in Husen trifft ihn die Coronakrise und die damit verbundene Schließung der Cafés besonders hart. Doch Loeber lässt den Kopf nicht hängen: Kurzerhand hat er einen Eisbestellservice ins Leben gerufen, bei dem das Geld für die kühle Köstlichkeit in einem Plastiktütchen oder einem Briefumschlag übergeben wird. Hygiene muss sein.

Der nächste Winter kommt bestimmt

Pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen nahm die Coronakrise ungeahnte Ausmaße an. Für den Husener ein Fiasko, „denn der nächste Winter kommt bestimmt.“ Soll heißen: Das Geld verdient die gesamte Branche in der warmen Jahreszeit. Und momentan ist überhaupt nicht abzusehen, ob und wann die Eisdielen ihre Pforten im Frühjahr oder Sommer wieder öffnen.

Obwohl er seinen Betrieb zumindest wenige Tage lang noch bis 15 Uhr hätte öffnen dürfen, entschied sich Loeber schon am Montag (16. März), das Geschäft zu schließen. „Wir haben die Reißleine gezogen“, sagt der Mann, dessen Vater bereits mit einem Eiswagen in Scharnhorst und Umgebung unterwegs war, „zum Schutz unserer Kunden und zu unserer eigenen Sicherheit.“

Wo ansonsten die Menschen Eis essen, Kaffee trinken und plaudern, herrscht nun absolute Ruhe. Seit über einer Woche ist der Innenbereich des Cafés "Tiamo" geschlossen.

Wo ansonsten die Menschen Eis essen, Kaffee trinken und plaudern, herrscht nun absolute Ruhe. Seit über einer Woche ist der Innenbereich des Cafés "Tiamo" geschlossen. © Michael Schuh

So leid es ihm tat - seine Aushilfen musste der Gastronom nach Hause schicken, was ihm ein paar schlaflose Nächte bescherte: „Ich lag wach und dachte: Was machen wir jetzt?“ Am Samstag (21. März) führte er dann ein Geschäftsmodell ein, das es in den fast 20 Jahren seit der Eröffnung des Cafés nicht gegeben hatte: den Einzelverkauf.

Kunden können nun vor der Eisdiele warten, nacheinander das Lokal betreten und ihr Eis mit nach Hause nehmen. „Das hatte ich im Vorfeld bei Facebook kommuniziert, und es wurde ganz gut angenommen“, sagt Loeber. „Damit hatte ich gar nicht gerechnet.“

Lob an die Gäste

Noch positiver äußert er sich aber über das Verhalten seiner Gäste: „Alle haben die Vorgaben akzeptiert und Abstand zum Vordermann gehalten. Das hat wirklich toll geklappt. Und es hat auch niemand gemurrt, wenn es mal ein bisschen länger dauerte.“ Senioren seien zwar kaum noch gekommen, doch vielfach hätten junge Menschen ihnen eine Portion Eis nach Hause gebracht. Nachbarschaftshilfe pur.

Obwohl der ebenfalls über das soziale Netzwerk kommunizierte Vorschlag, das Geld in einer kleinen Tüte oder einem Umschlag auf den Tresen zu legen, erst am Montag (23. März) in Kraft treten sollte, hätten bereits am Wochenende einige Gäste die Idee in die Tat umgesetzt. „Ich habe in dem Moment gar nicht in die Umschläge geschaut, sondern sie erst abends geöffnet“, erzählt Loeber. Und siehe da: Alles war korrekt, die Summen stimmten.

Seit dieser Woche gibt es im „Tiamo“ ausschließlich die Eisausgabe nach vorheriger telefonischer Vorbestellung; kontaktlos an der Tür. Obwohl dieses Modell recht gut angenommen wird - das eigentliche Geschäft mit geöffnetem Café und geregeltem Thekenverkauf kann es nicht ersetzen.

Eisproduktion zurückgefahren

Was auch für den Inhaber einige Veränderungen mit sich bringt: „Wir haben die Eisproduktion so zurückgefahren, dass es jeweils nur für einen Tag reicht. Außerdem ist es vollkommen ungewohnt, eine Bestellung ganz gemütlich fertig zu machen und kalt zu stellen, bis der Kunde sie abholt.“

Für den selbsternannten „Workaholic“, der außerdem noch als Schokoladenexperte sowie Mitarbeiter eines Großhändlers arbeitet, hat sich das Leben zu Corona-Zeiten ohnehin ziemlich verändert. Mit seinem achtjährigen Sohn lernt Loeber nun vormittags für die ausgefallene Schule: „Das macht mir Riesenspaß.“

Beim Geld-Tütchen nicht pingelig

Nichtsdestotrotz weiß der Gastronom, dass sich momentan viele Menschen in Kurzarbeit befinden und das Portemonnaie leerer ist als sonst. Deshalb will er beim Inhalt der Geld-Tütchen nicht pingelig sein: „Tut das rein, was eure finanzielle Situation ermöglicht. Und steckt den Kopf nicht in den Sand.“

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