Corona-Zahlen in Dortmund: Ernste Lage, aber kein Grund zur Panik

dzMeinung

Die Pandemie-Lage in Dortmund ist ernst geworden. Alle Dortmunder können ihren Teil dazu beizutragen, dass sich das ändert. Unser Autor meint: Das geht ohne Panik, aber mit Umsicht.

Dortmund

, 23.10.2020, 19:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erinnern Sie sich noch an den Ausdruck „flatten the curve“ (deutsch: „die Kurve muss abflachen“)? Er war zu Beginn der Pandemie im März/April in aller Munde und eine gute Umschreibung für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Ein halbes Jahr sprechen wir über dieselbe Kurve. Sie schießt so schnell nach oben wie nie zuvor und hat ihren Scheitelpunkt vermutlich noch nicht erreicht. Es wird Zeit für ein neues „flatten the curve“.

Keine Behörde wird das Corona-Problem allein lösen

Eine Botschaft dieser Woche der Corona-Rekordzahlen lautet: Es wird kein Gesundheitsamt oder eine andere Behörde geben, die das ganz allein schafft. In Dortmund zeigen sich gerade die Grenzen des städtischen Handelns in dieser dynamischen Situation.

Wenn ein Extremwert wie 200 Neuinfektionen an einem Tag auftritt, brechen bisherige Meldesysteme zumindest zeitweise zusammen. Dass uniformierte Soldaten plötzlich in einem städtischen Amt sitzen, ist ein symbolträchtiges Bild, auch wenn ihre Arbeit ganz und gar unmilitärisch ist.

Bei rund 60 Prozent der Infektionen weiß das Gesundheitsamt überhaupt nicht, woher sie stammen.

Erwartung: Die Zahlen der Krankenhaus-Patienten wird weiter steigen

Zuletzt haben sich die Zahlen der Krankenhaus-Patienten innerhalb von zwei Wochen von 11 auf über 50 circa vervierfacht. Die Zahl der über 60-Jährigen, die sich mit dem Coronavirus infizieren ist so hoch wie noch nie.

Aktuell bewegt sich die Lage in den Krankenhäusern noch auf einem kontrollierbaren Level. Das macht Mut.

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Doch ein den Neuinfektionen entsprechendes exponentielles Wachstum bei der Zahl der Krankenhauspatienten könnte das Intensivbetten-System schnell stark belasten.

Was nun? Sollten wir wieder die anderen Hashtags aus dem Frühjahr aktivieren, #wirbleibenzuhause und wie sie alle hießen und das soziale Leben wieder einfrieren? Ja, sagen einhellig die verantwortlich handelnden Personen in Bund, Land und Stadt.

Appell an die Vernunft kommt nicht überall an

Es ist ein Appell an die Vernunft, der aber noch nicht überall ankommt. Der Blick in die Innenstadt zeigt: Viele Menschen empfinden es immer noch als eine Zumutung, für einen überschaubaren Zeitraum eine Maske in der Innenstadt zu tragen.

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Und auch das Zurückfahren der sozialen Kontakte, die im Sommer gerade erst wieder aufgelebt sind, fällt vielen schwerer als man annehmen könnte. Das ist verständlich, denn zwischenmenschlicher Kontakt ist unersetzlich.

Eine mögliche Antwort lautet deshalb nicht Komplett-Verzicht, sondern Umsicht. Nicht alles schließen, sondern sich dort bewegen, wo es einigermaßen sicher ist. Denn wie im Frühjahr braucht es alle, um die Kurve wieder flacher zu bekommen.

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