Corona-Winter: Mehr Obdachlose könnten in Dortmund erfrieren

dzObdachlosigkeit

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken - damit steigt auch die Gefahr für die Dortmunder Obdachlosen. Doch der kommende Winter wird durch Corona zu einer besonderen Herausforderung.

Dortmund

, 26.10.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die kalte Jahreszeit naht. Während viele Dortmunder sich nur kurz draußen aufhalten müssen, wird der Winter für obdachlose Menschen zur Kraftprobe: Jeder Tag besteht aus der Suche nach Schutz vor Kälte. Nach einem Schlafplatz, bei dem nicht der Kältetod droht.

Und in diesem Jahr wird diese Suche wegen der Corona-Pandemie noch schwieriger.

Selbst kurzes Aufwärmen ist wegen Corona nicht möglich

Denn seit dem Ausbruch im März hat sich die Wohnungslosen- und Obdachlosenhilfe in Dortmund stark verändert. Viele Einrichtungen mussten ihren Betrieb bedeutend einschränken, die Versorgung ist zum Großteil auf das Notwendigste heruntergefahren worden.

Alexandra Gerhardt, Redakteurin beim Straßenmagazin Bodo, befürchtet, dass es deshalb im kommenden Winter vermehrt Kältetote geben könnte. „Die letzten Monate haben den Menschen psychisch und physisch zugesetzt.“ Obdachlose Menschen seien durch das Leben auf der Straße schon vorbelastet, deshalb oft anfälliger und in einem schlechten körperlichen Gesundheitszustand.

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So gut wie alle niederschwelligen Anlaufstellen wie etwa der Aufenthaltsraum des Gasthauses an der Rheinischen Straße sind geschlossen. „Den Menschen fehlt die Möglichkeit, sich zwei, drei Stunden aufzuwärmen“, so Gerhardt. So ein kurzer Aufenthalt könne schon entscheidend sein, um sich vor dem Erfrieren zu schützen.

Der Schutz vor der Kälte fehlt

„Die Pandemie trifft die Obdachlosen am Härtesten“, stellt Katrin Lauterborn fest. Sie ist die Geschäftsführerin vom Gasthaus, einer Anlaufstelle für Obdachlose.

In den vergangenen drei Jahren hat die Einrichtung in den kalten Monaten Notschlafplätze angeboten, da das Angebot in Dortmund nicht ausreiche. Das geht aber in diesem Jahr wegen Corona nicht. Auch im Gasthaus ist die Sorge um die Obdachlosen im Corona-Winter groß. Aktuell kann das Gasthaus nur Lunchpakete durch ein Fenster verteilen.

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Die Stadt erwidert auf eine Anfrage unserer Redaktion, dass es in Dortmund ein ausreichendes Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten für obdachlose Menschen gebe.

Das sieht Lauterborn anders. Viele der Obdachlosen in Dortmund hätten keinen Anspruch auf die Angebote. Das kann zahlreiche bürokratische Gründe haben – mal ist zum Beispiel der Personalausweis abgelaufen oder die Menschen sind nicht in Dortmund gemeldet.

Wegen dieser Corona-bedingten Lücken versuchen die Träger der Wohnungslosenhilfe, kreative Lösungen zu finden. Wie das Zelt, das voraussichtlich im November vor dem U aufgebaut werden soll.

Dort können die Obdachlosen zumindest für einen Moment eine Mahlzeit im Warmen zu sich nehmen, bevor es wieder in die Kälte geht.

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