Tausende Selbsttest-Kits haben große Dortmunder Firmen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestellt. Freiwillig können diese genutzt und zuhause angewendet werden, bevor die Beschäftigten zur Arbeit fahren und dort möglicherweise Kolleginnen und Kollegen anstecken. © dpa
Corona-Pandemie

Corona-Tests in Unternehmen: Machen Arbeitgeber in Dortmund da mit?

Testen, testen, testen – so lautet die Devise für Unternehmen, um die Infektionszahlen zu senken. Machen Dortmunder Arbeitgeber da freiwillig mit? Manche nehmen dafür richtig Geld in die Hand.

Das Thema „Sicherheit am Arbeitsplatz“ stellt sich in der Corona-Pandemie noch einmal ganz anders dar als in vorangegangen Zeiten. Nicht nur Schutzkleidung, Vorkehrungen zur Vermeidung von Unfällen oder der ergonomische Bürostuhl, sondern auch Corona-Schnelltests sollen jetzt die Gesundheit der Belegschaft möglichst gut gewährleisten.

Große Dortmunder Firmen nehmen dafür richtig Geld in die Hand und bieten Schnelltests durch Personal oder Selbsttests an. Die Dortmunder Volksbank zum Beispiel hat 14.000 Test-Kits für insgesamt 63.000 Euro bestellt.

„Das haben wir getan, bevor die Politik dazu aufgerufen hat. Die Selbsttests sind nun da und wir machen ab kommendem Montag jedem unserer 1200 Beschäftigten ein Testangebot“, sagt Vorstandsvorsitzender Martin Eul.

Kurzfristig geklärt wird jetzt bei der Volksbank noch, ob zwei oder drei Tests pro Woche angeboten werden. „Ich tendiere angesichts der steigenden Infektionszahlen zu drei wöchentlichen Testangeboten. Das wäre am besten. Mit jedem Test erhöhen wir die Sicherheit. Auf jeden Fall sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Tests mit nach Hause nehmen und nicht erst in die Bank kommen“, so Martin Eul.

Vorhandene Tests reichen für etwa vier Wochen

Kommt es nicht zu einem neuerlichen Lockdown und der Schließung der Bank-Filialen, würden die vorhandenen 14.000 Schnelltests bei der Dortmunder Volksbank bei drei Testangeboten pro Woche etwa für die nächsten vier Wochen reichen. „Wir können dann auch nochmal 14.000 Tests bestellen“, sagt Martin Eul.

Auch bei der Sparkasse Dortmund werden den rund 1500 Beschäftigten Tests angeboten. „Wir haben Mitte März 10.000 Schnelltests geordert, die vorletzte Woche an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt wurden“, sagt Sprecherin Sophie Donat. Damit seien alle ebenfalls erstmal für gut vier Wochen versorgt.

„Kolleginnen und Kollegen mit regelmäßigem Kundenkontakt können sich zweimal pro Woche testen. Alle weiteren Mitarbeiter einmal pro Woche bzw. im Homeoffice alle zwei Wochen“, so Sophie Donat.

Wilo testet im Teil eines großen Hallenschiffes

Auch beim Pumpenhersteller und Technologiespezialisten Wilo in Hörde haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit, sich freiwillig und kostenlos selbst zu testen. „Wir haben vorausschauend Selbsttests für die Belegschaft beschafft und die notwendigen Abläufe im Vorfeld konzipiert“, erläutert Dr. Georg Fölting, Leiter Group Campus Management und verantwortlich für die Umsetzung der Maßnahme.

Am Dortmunder Standort auf dem Wilopark wurde für die Testung der rund 2000 Beschäftigten ein großer Teil eines Hallenschiffes in der Produktion freigezogen, um den Testbereich mit 30 Plätzen einzurichten. Über eine von der unternehmenseigenen IT-Abteilung entwickelten Software können die Testergebnisse nach rund 15 Minuten zweifelsfrei zugeordnet werden.

„Wir werden bis Ende dieser Woche insgesamt 2000 Tests durchführen, sodass ein Großteil unserer Mitarbeiter dann zum dritten Mal getestet ist. All dies ohne Einbußen bei der Produktivität“, so Georg Fölting.

Autohaus Ebbinghaus bietet mobiles Testzentrum

Aber nicht nur Großunternehmen, sondern auch mittelständische Betriebe bieten Schnelltests an. Beispiele dafür sind das Autohaus Ebbinghaus und die Gerüstbaufirma Weise.

Ein mobiles Testzentrum hat das Autohaus Ebbinghaus in Dortmund auf seinem Firmengelände errichten lassen. Hier wird ohne Termin getestet.
Ein mobiles Testzentrum hat das Autohaus Ebbinghaus in Hombruch auf seinem Firmengelände errichten lassen – für die Mitarbeiter und alle Bürger. Hier wird ohne Termin getestet. © Alexandra Wachelau © Alexandra Wachelau

Dabei hat das Autohaus Ebbinghaus auf dem eigenen Firmengelände an der Hagener Straße in Hombruch sogar ein mobiles Testzentrum für die eigenen Beschäftigten sowie alle Kunden und Bürger errichten lassen. Für das Unternehmen sei das eine Win-win-Situation, sagt Thomas Deilmann. „Wir testen nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern können auch dank der negativen Testbescheinigungen mit gutem Gewissen mehr Kunden empfangen.“

Die Firma Gerüstbau Weise in Deusen dürfte zu den Unternehmen in Dortmund gehören, die ihren Mitarbeitern als erstes Tests anboten. Geschultes Personal kam dort bereits im Februar auf das Firmengelände. Seitdem lassen sich die allermeisten der 80 Monteure regelmäßig und freiwillig testen bzw. nutzen inzwischen nun die Selbsttests.

Mehr als die Hälfte der Betriebe bietet keine Tests an

Zwar zeigt sich, dass in Dortmund viele Unternehmen ihre Mitarbeiter testen – viele tun dies aber auch nicht. Nach wie vor gibt es auch keine Testpflicht, sondern nur den Wunsch der Bundesregierung, dass Firmen Testangebote auf freiwilliger Basis machen.

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ergab, dass über die Hälfte der Betriebe in Deutschland bisher keine Tests anbietet und auch nicht plant, dies zu tun. Als Gründe werden Homeoffice-Tätigkeit, Beschaffungsprobleme und fehlende Informationen zum Umgang mit Tests in den Betrieben angegeben.

Außerdem dürfte es für viele Firmen auch eine Kostenfrage sein. Volksbank-Chef Martin Eul hat dafür auch vollstes Verständnis. „Mehrere Tests pro Woche anzubieten, das kann nicht jedes mittelständische Unternehmen leisten“, sagt er.

Abschließend sei daran erinnert, dass der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, die Corona-Selbsttests öffentlich infrage gestellt hat, indem er im März sagte: „Wenn man Wert darauf legt, ein vernünftiges Testergebnis zu haben, rate ich davon ab, einen Selbsttest anzuwenden.“ Das Ergebnis eines Schnelltests, das von geschultem Personal vorgenommen werde, sei „wesentlich besser“.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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