Verhaftung in der City: Passanten werfen Grundgesetz auf Polizeiwagen

dzWestenhellweg

In der Dortmunder Innenstadt haben Polizisten eine Frau verhaftet. Zuvor war es nach einer Demonstration von Gelbwesten zu einer Auseinandersetzung gekommen. Schließlich wurde es richtig voll.

Dortmund

, 02.05.2020, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Nachklang einer genehmigten Demonstration von Gelbwesten in der Innenstadt ist am Samstag eine 56-jährige Frau aus Herne verhaftet worden. Nach einer kurzen Auseinandersetzung auf dem Westenhellweg am Reinoldikirchplatz überwältigten die Polizisten die Frau. Auf Nachfrage gab ein Sprecher der Polizei an, man habe Maßnahmen der Stadt Dortmund unterstützt. Die Frau habe sich trotz wiederholter Aufforderung nicht an geltende Regeln der Corona-Schutzverordnung gehalten haben.

Mehrere Teilnehmer einer Gelbwesten-Aktion gehörten zu den Umstehenden, die lautstark die Polizisten beschimpften und sich solidarisch mit der Verhafteten - die offenbar auch zu den Gelbwesten gehörte - zeigten. Gegen die Frau erstatteten die Einsatzkräfte eine Strafanzeige wegen Widerstandes und tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte. Außerdem fanden die Polizisten im Rucksack der Frau eine Waffe: Die Beamten stellten ein Einhandmesser sicher.

Immer mehr Passanten blieben stehen

Der Vorgang erzeugte große Aufmerksamkeit in der Innenstadt. Immer mehr Passanten blieben stehen, um den Vorfall zu beobachten. Einige stimmten in die Beschimpfungen ein. Der nötige Abstand konnte an dieser Stelle nicht mehr gewahrt werden.

Die Polizei und das Ordnungsamt rückten mit weiteren Kräften nach. Als die Frau in einen Streifenwagen gesetzt und abtransportiert wurde, skandierten einige Beteiligten „Wir sind das Volk“ und bewarfen den Polizeiwagen beim Wegfahren mit Exemplaren des Grundgesetzes. Viele Schaulustige wendeten sich daraufhin ab.

Mehrere Veranstaltungen von Gegnern der Corona-Maßnahmen

Die Gelbwesten hatten zuvor auf einer Demonstrationsveranstaltung auf der Kleppingstraße gegen die bestehende Corona-Schutzverordnung demonstriert. Laut einer Mitteilung der Polizei von Sonntag habe der Versammlungsleiter dort über die Lautsprecheranlage die erste Strophe des Deutschlandliedes abgespielt. Die Polizei untersagte das Abspielen des Liedes. Gegen den Versammlungsleiter, einen 52-jährigen Mann aus Castrop-Rauxel, wird nun ermittelt wegen Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Nur wenige Meter weiter, auf dem Alten Markt, gab es ebenfalls eine Veranstaltung, die Corona kritisch betrachteten. Von dort waren auch einige Teilnehmer zu der Situation vor der Reinoldikirche geeilt. Die Teilnehmer dort hatten zunächst in einer nicht angemeldeten Aktion „meditiert“. Später wurden sie aufgefordert, die Veranstaltung aufzulösen, weil sich Teilnehmer nicht an die Distanzregeln hielten.

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