Arche 90: „Wir befürchten eine Aussetz-Welle von Haustieren“

dzFolge des Shutdowns

Binnen weniger Tage wurden zwei Hunde in Dortmund allein aufgefunden. Ist das der Beginn einer Aussetz-Welle? Das Dortmunder Tierheim und Arche 90 beantworten diese Frage ganz unterschiedlich.

Wischlingen, Westerfilde

, 06.08.2020, 12:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bereits in der vergangenen Woche schlug Arche 90-Pressesprecherin Gabi Bayer Alarm. Nachdem am Donnerstagabend (30.7.) ein Labrador-Rüde laut Aussagen von Passanten zum Schwimmen in den Revierparksee geschickt worden war und sich die Besitzer schnellstmöglich entfernten, fand sie deutliche Worte: „Das ist nur der Anfang“, sagte sie im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wir befürchten eine wahre Aussetz-Welle von Haustieren.“

Der Grund: Viele haben die Homeoffice-Zeit in der Corona-Pandemie genutzt, um sich einen tierischen Mitbewohner anzuschaffen. Doch nun, wo der Alltag mehr oder weniger zurück ist, fehle die Zeit für das Haustier. Es werde anstrengend, lästig. Es gebe einige Menschen, die sich deshalb nun wieder von ihren Vierbeinern trennen, so Gabi Bayer. Der Labrador-Rüde sei somit wahrscheinlich nicht der einzige, der diesen Sommer seine Familie verliert.

Pflegestellen sind besetzt

Dafür müsse das Tier noch nicht einmal ausgesetzt werden, manche Besitzer bringen ihr Tier auch einfach selbst ins Tierheim oder zu einer Pflegestelle. Die der Arche 90 seien bereits jetzt voll besetzt. Zuletzt startete die Tierschutzorganisation deshalb Ende Mai einen Aufruf, um weitere verlässliche Pflegestellen zu finden.

Wer helfen möchte, kann sich per E-Mail an tiervermittlung@arche90.de oder telefonisch unter Tel. (0231) 87 53 97 bei Arche 90 melden.

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Doch während die Tierschutzorganisation aus allen Nähten platzt, ist das Dortmunder Tierheim derzeit nur zu knapp 70 Prozent ausgelastet. Helfer brauche man in Dorstfeld deshalb aktuell nicht, heißt es. Allerdings warten 35 Hunde, 41 Katzen und 19 sonstige Kleintiere auf neue Besitzer. Die Tiervermittlung sei deshalb derzeit das A und O. Interessierte können sich auf der Homepage des Tierheims informieren oder telefonisch anfragen unter Tel. (0231) 17 06 80.

Eine Aussetz-Welle, wie sie Arche 90 prophezeit, sehen die Verantwortlichen des Tierheims nicht kommen, wie Stadt-Pressesprecherin Anke Widow auf Anfrage mitteilt. Und das obwohl derzeit eine am Montagabend (3.8.) ausgesetzte Cockerspaniel-Hündin in Dorstfeld aufgepäppelt wird.

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Es werden weniger Tiere abgegeben

Aber die Zahlen im Tierheim sehen anders aus als bei der Arche: „Seit Anfang März verzeichnet das Tierheim erheblich geringere Fundtier-Zugänge als vor der Corona-Pandemie“, erklärt Anke Widow. „Hat das Tierheim in den Vorjahren durchschnittlich 500 bis 600 Tiere jährlich als Fundtiere aufgenommen, waren es von April bis Juni 2020 lediglich 82.“

Insgesamt seien im ersten Halbjahr 210 Tiere ins Tierheim gekommen. Statistisch seien es vor dem Shutdown ungefähr 1,5 Tiere am Tag gewesen, während und nach dem Shutdown weniger als eins.

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